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Dienstag, 17. Oktober 2017,
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Baureihe 997 kommt bereits im Juli in zwei Versionen zu den Händlern

Zurück in die Zukunft: Das ist der neue Porsche 911

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wand: Neuer Porsche 911
Porsche
Die Situation ist eigentlich paradox: Von keiner 911-Generation hat Porsche so viele Autos verkauft wie von der aktuellen, und doch war der intern 996 genannte Sportler bei einem Großteil der 911-Fangemeinde stets mehr gelitten als geliebt.

Nach sieben Jahren werden die Zuffenhausener nun den Nachfolger in die Showrooms bringen, genannt 997 - und zwar schon im Juli und nicht, wie allgemein erwartet, im Herbst. Erstmals seit 1977 starten dabei wieder zwei Modelle gleichzeitig, nämlich der Carrera und der Carrera S. Das "S" steht dabei wie bei Boxster und Cayenne auch beim 911 künftig für eine leistungsstärkere Variante und nicht mehr für den gleichen Motor in Verbindung mit Allradantrieb. Die übrigen Modelle werden zunächst in der "alten" Form weitergebaut und peu à peu ersetzt. Im Frühjahr dürfte das Cabrio die nächste Elfer-Variante sein.

Optisch geht Porsche beim 997 einen Schritt vor und gleichzeitig quasi zwei zurück - die Neuauflage orientiert sich in wesentlichen Details am inzwischen als Vor-Vorgänger zu bezeichnendem Typ 993 (1993-97). Auffälligstes Merkmal sind die neu modellierten Scheinwerfer, die auf die wenig geliebte "Spiegelei"-Optik verzichten und wieder gänzlich rund im Wind stehen. Zusatzscheinwerfer und Blinker wandern zurück in die Frontschürze. Dazu kommen schmalere Spaltmaße an den Karosseriefugen, die für einen höherwertigen Auftritt sorgen, sowie Details wie die an zwei Armen befestigten Außenspiegel und der aerodynamische optimierte, weiterhin automatisch ausfahrende Heckspoiler. Die Heckleuchten sind ebenfalls leicht überarbeitet und bestehen optisch nur noch aus zwei horizontalen Einheiten in rot und weiß.

Außerdem haben die 997-Modelle wieder ausgeprägter modellierte Kotflügel und eine stärkere Taillierung der Karosserie - beides Attribute, die Fans das Herz höher schlagen lassen dürften. Die gewachsene Spurbreite trägt darüber hinaus zum nochmals etwas kraftvolleren Auftritt bei, unterstützt nicht zuletzt durch größere Räderdimensionen: Der Carrera rollt nun serienmäßig auf 18 Zoll-Rädern mit Reifen der Dimension 235/40 vorne und 265/40 hinten, die S-Variante gar auf 235/35- bzw. 295/30-Pneus im 19 Zoll-Format. Während der Carrera zwei große einzelne Auspuffendrohre hat, differenziert sich das S-Modell hier mit zwei wunderschönen zweiflutigen Anlagen.

Auch und nicht zuletzt der Innenraum hat von der - streng genommen - Modellpflege profitiert: Die Instrumente sind nur noch ansatzweise ineinander verschachtelt und je mit einem silberfarbenen Ring eingefasst. Angenehm auch, dass Porsche dem Trend zur Minimal-Instrumentierung nicht folgt - weiterhin gibt es fünf analoge Uhren mit sechs Anzeigen, auch für Öldruck und Batteriespannung. Weggefallen ist die aufgesetzt wirkende Hutze über dem Instrumententräger. Viel aufgeräumter als bisher und aus einem Stück bestehend präsentiert sich auch die Mittelkonsole mit dem großen Farbbildschirm, dem Klimabediengerät und einigen Zusatztasten. Die mittleren Luftausströmer sind nun einzeln zu schließen, dazwischen sitzen die Schalter für Warnblinker und Zentralverriegelung.

Wer Porsche kennt, weiß um die kleinen Nettigkeiten, die sich die Zuffenhausener immer wieder ausdenken. Gibt es beim Über-Porsche Carrera GT eine aufklappbare Videokamera zwischen den Überrollbügeln, so können 911-Kunden, die das optionale "Chrono-Sport-Paket Plus" bestellen, sich u.a. über eine mittig auf dem Armaturenbrett platzierte Stoppuhr freuen, die vom Lenkrad aus bedienbar ist: So werden Rundenzeiten auf der Nordschleife noch eindrucksvoller erlebbar - vielleicht reicht auch schon der Gedanke an diese Möglichkeit für intensive Glücksgefühle bei Fahrer oder Beifahrerin.

Motorseitig gibt es beim "Basis"-Carrera den bekannten 3,6 Liter-Boxer, der jetzt 325 statt bisher 320 PS leistet. Im Carrera S dagegen werkelt ein neu entwickeltes Aggregat mit 3,8 Litern Hubraum, das 355 PS auf die Kurbelwelle stemmt und 400 Newtonmeter Drehmoment entwickelt. So motorisiert, erreichen die neuen Modelle die Tempo 100-Marke nach 5,0 bzw. 4,8 Sekunden; wer es beherrscht und eine entsprechende Umgebung findet, kann danach weiter bis auf 285 bzw. 293 km/h beschleunigen. Mit dem neu entwickelten Sechsganggetriebe soll das dann auch noch mehr Spaß als bisher machen. Die Tiptronic ist optional auch künftig verfügbar.

Natürlich haben die Porsche-Ingenieure in Weissach auch das Fahrwerk überarbeitet, das beim S-Modell serienmäßig eine aktive Dämpfung umfasst. Für den 911 Carrera ist dieses Fahrwerk mit der Bezeichnung "Porsche Active Suspension Management" optional lieferbar. PASM bietet in der "Normal"-Stellung eine sportlich-komfortable Grundabstimmung der Stoßdämpfer, nach dem Drücken der Taste "Sport" hingegen wird eine härtere Dämpferkennung angesteuert, die eine besonders agile und sportliche Fahrweise unterstützt. Neben PASM wird außerdem als weitere Option für beide Modelle ein um 20 Millimeter abgesenktes Sportfahrwerk mit mechanischer Hinterachs-Quersperre angeboten.

Weitere Details hat Porsche bisher noch nicht veröffentlicht. Markteinführung ist am 17. Juli 2004 mit Ausnahme vom Rechtslenker-Markt Großbritannien in ganz Europa. Dann wird es bei den Händlern sicher voll werden, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Carrera trotz auffälliger Verbesserungen nur rund 700 Euro mehr kostet als bisher (75.200 Euro). Der Aufpreis zum S-Modell fällt mit rund 10.000 Euro allerdings happig aus (85.176 Euro). Dennoch: Über 40 Jahre nach dem ersten "Elfer" macht gerade die unaufgeregte, neueste Generation schon auf dem Papier viel Spaß - und ist der "997" erst in den USA eingeführt, dürften bei Porsche die Bänder auf Volllast laufen. Wer so gut arbeitet, hat das aber aber auch verdient.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 11.05.2004  —  # 3140
text Hanno S. Ritter
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