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Dienstag, 17. Oktober 2017,
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Nur eine Minderheit mit hohen Punkteständen erfasst

Geburtstag in Flensburg: Die Punkte werden dreißig Jahre

Siehe Bildunterschrift
"Der Datengigant des KBA
Nordens": KBA-Haupstelle in Flensburg
Flensburg, das ist norddeutsche Provinz, Ostsee-Flair, gutes Pils oder Beate Uhse. Viele verbinden mit dem Ort jedoch nur eins: Die gleichnamigen Punkte, die das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in der, wie es offiziell heißt, "Verkehrssünderkartei" akribisch sammelt - seit genau 30 Jahren.

Vor dem Hintergrund hoher Verkehrsopfer-Zahlen und auf der Suche nach einem gerechten, verhältnismäßigen und transparenten System ging am 1. Mai 1974 das Verkehrszentralregister (VZR) in den Praxisbetrieb, und so sehr manch einer die Punkte auch fürchtet, darf man wohl konstatieren, dass es sich alles in allem bewährt hat. Nur wer ständig gegen Verkehrsregeln verstößt und sich dabei erwischen lässt, muss sich ernsthafte Gedanken um sein "Punktekonto" machen. Insoweit wirkt das Register in erster Linie präventiv - wer etwa seit April nicht mehr am Steuer mit dem Handy hantiert, wird es meist wegen des drohenden Punktes und weniger wegen der 40 Euro Bußgeld tun.

Ordnungswidrigkeiten werden je nach Verstoß mit ein bis vier Punkten, Straftaten mit fünf bis sieben Punkten geahndet. Bis der Führerschein weg ist, müssen sich 18 Punkte angesammelt und damit schon etliche Fehlverhalten zusammen gekommen sein. Seit 1999 gibt es über ein Bonussystem auch die Möglichkeit, durch freiwillige Teilnahme an Aufbauseminaren und verkehrspsychologischen Beratungen bis zu vier Punkte abzubauen. Im Jahr 2003 haben sich rund 20.700 Personen für ein Aufbauseminar und rund 4.300 für eine verkehrspsychologische Beratung entschieden und damit 2-4 Punkte abgebaut. 3.500 Personen wurde der Führerschein entzogen, weil sie bei einem Stand von 14 bis 17 Punkten der dann verpflichtenden Aufforderung nicht nachkamen, an einem Aufbauseminar teilzunehmen.

Laut Statistik sind mehr als die Hälfte der Eintragungen (55 Prozent) auf zu schnelles Fahren zurückzuführen. Bei 18,9 Prozent spielte Alkohol eine Rolle. Jeden siebten Eintrag (14,6 Prozent) holten sich Autofahrer, weil sie die Vorfahrtsregel verletzten. Insgesamt sind heute sind rund 7,1 Millionen Verkehrssünder in den Computern und Karteikarten im stark gesicherten Keller des KBA erfasst. Das sind 14,5 Prozent von schätzungsweise 49 Millionen Führerscheininhabern. Nur 18.000 Kraftfahrer haben wirklich hohe Punktestände - eine absolute Minderheit. Die allermeisten dagegen sind nur mit ein bis zwei Verstößen respektive ein bis drei Punkten eingetragen. Die Zahlen belegten, so das KBA, dass sich die "Mehrzahl der Verkehrsteilnehmer korrekt und vorschriftsmäßig" verhalte.

Siehe Bildunterschrift
Verjährte Punkte KBA
landen im Reißwolf
Die Punkte "verjähren" auch: Soweit keine neuen Einträge hinzukommen, verfallen Punkte aus Ordnungswidrigkeiten (Vorfahrtsverletzungen, Parkverstöße, Geschwindigkeitsüberschreitungen) nach zwei Jahren, solche aus Straftaten nach fünf (wenn kein Zusammenhang mit Alkohol und Drogen besteht) bzw. nach zehn Jahren.

Die Idee, mit den Punkten auf Online-Auktionsplattformen zu handeln und damit die Bußgeldstellen zu täuschen, ist nicht neu, wird aber inzwischen vom KBA mit einer Strafanzeige belohnt.

Jeder Führerschein-Inhaber hat die Möglichkeit, sich direkt beim KBA über seinen Punktestand zu informieren. Seit einiger Zeit ist dies sogar völlig unbürokratisch möglich: Es fällt weder eine Gebühr an noch muss die Unterschrift auf dem Antrag beglaubigt sein - Kopie des Personalausweises genügt. Rund 212.000 Personen haben davon im vergangenen Jahr Gebrauch gemacht. Formulare und viele weitere Informationen rund um den Punkt gibt es auf der KBA-Website.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 02.05.2004  —  # 3108
text Hanno S. Ritter
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