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Sonntag, 17. Dezember 2017,
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Offener Kleinwagen mit verdeckintegriertem Schiebdach feiert Premiere in Genf

Sommer in der Stadt: Das ist das Mini Cabrio

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Bild anklicken für Großansicht Sommer in der Stadt:
Bald kommt der offene Mini
BMW
Ein Mini ist ein Mini ist ein Mini - für Fans des Kleinwagens selbst dann, wenn er von einer deutschen Firma kommt und Chrysler- und Toyota-Motoren unter der Haube stecken: Der Mini ist und bleibt auch in seiner Neuauflage ein Kultauto, dessen Verkaufszahlen besser sind, als selbst BMW das anfänglich gehofft haben mag - alleine 2003 wurden über 176.000 Neufahrzeuge ausgeliefert.

Ein Mini ist nur ein Mini, wenn er eine Stoffkaputze trägt, sagen die ganz Hartgesottenen, und letztlich haben sie Recht: Kaum ein Auto scheint so dafür prädestiniert zu sein, sein Dach zu verlieren, wie ein Mini. Dass ein Cabriolet kommen würde, war von Anfang an ein offenes Geheimnis, und nun ist es endlich soweit - der offene Mini feiert auf dem Genfer Salon Anfang März seine Weltpremiere.

Ausgelegt hat BMW das Cabriolet als "vollwertigen Viersitzer", wobei auch die Münchner die Quadratur des Kreises letztlich nicht beherrschen, will sagen: Hinten ist de facto Platz nur für Kinder oder kurze Strecken. Das Design bietet keine großen Überraschungen, was im Falle des Mini auch kein Nachteil sein muss. Geblieben sind also kurze Überhänge, eine vergleichsweise steile Windschutzscheibe und der Tankdeckel auf der linken Seite. Cabrio-spezifisch sind die fast unmerklich nach hinten ansteigende Seitenlinie und eine umlaufende Chromleiste an der Fensterkante - die, nebenbei bemerkt, schon dem offenen VW New Beetle richtig gut steht. Dazu gibt es einen doppelten Überrollbügel aus Aluminium über der Rücksitzlehne.

Neu am Cabrio ist außerdem das Design der Frontschürze mit integrierten Nebelscheinwerfern, einem Grill mit glatteren Flächen und einer neuen Scheinwerferoptik. Am Heck gibt es nun Rückleuchten in LED-Technik und mit beidseits integrierten Rückfahrleuchten, die Nebelschlussleuchte wandert dafür mittig in die Heckschürze, wo bisher der singuläre Rückfahrscheinwerfer platziert war. Das ist Fortschritt im Detail, der bestimmt auch den geschlossenen Varianten früher oder später zu teil wird.

In 15 Sekunden lässt sich das Verdeck vollautomatisch - also ohne vorheriges Entriegeln - zurückklappen. Wer dachte, dass BMW nach der eigenwilligen Verdeck-Konstruktion am 6er-Cabrio die Innovationen ausgehen, wird jedoch angenehm enttäuscht. Besonderer Clou des Mini-Verdecks ist nämlich ein integriertes Schiebedach, das beim Öffnungsvorgang zuerst den Blick auf den Himmel frei gibt. Danach erst öffnet sich dann das komplette Verdeck. Während das Faltdach nach hinten gleitet, werden die Dachholme automatisch eingezogen und gleichzeitig die hinteren Seitenscheiben versenkt. Dank der durchdachten Z-Faltung legt sich das Verdeck kompakt hinter den Rücksitzen ab und macht eine Persenning überflüssig. Das Schiebedach lässt sich auch während der Fahrt bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h stufenlos öffnen, die maximale Dachluke beträgt dann immerhin 40 Zentimeter. Wer moderne Cabrio-Fahrer kennt, die nur selten ihr Dach auch wirklich öffnen, darf der Idee schon jetzt eine große Akzeptanz voraussagen. Die Heckscheibe besteht aus Glas und ist beheizbar, also praxistauglich.

Und auch bei der Heckklappe leistet sich der Mini eine Besonderheit, weil selbige nach unten bzw. nach außen zu öffnen ist und dann von zwei Stahlkabeln mit abfederndem Retraktor-System gehalten wird. Dadurch kann die Klappe mit den optisch prominent außen liegenden Scharnieren als praktische Ladebordwand genutzt und mit bis zu 80 Kilogramm belastet werden - für ein Picknick zu zweit reicht das freilich nicht. Apropos Picknick: Viel mehr sollte der Mini-Fahrer bzw. meist wohl die Mini-Fahrerin auch gar nicht an Gepäck einplanen: Der Kofferraum fasst gerade einmal 165 Liter bei geschlossenem und 120 Liter bei geöffnetem Dach. Immerhin lassen sich in ersterem Fall aber die Rücksitzlehnen umklappen und der Spannbügel des Verdecks nach oben arretieren, was dann immerhin 605 Liter Stauraum ermöglicht.

Angeboten wird der offene Mini vorerst in den Versionen ONE und COOPER, die beide von dem bekannten 1,6-Liter-Motor mit 90 respektive 115 PS angetrieben werden. Das maximale Drehmoment von 140 Nm bzw. 150 Nm steht bei 3.000 bzw. 4.500 Umdrehungen zur Verfügung. Damit erreicht der kleine Flitzer die Tempo 100-Marke nach 11,8 bzw. 9,8 Sekunden, die bei einem Cabrio sowie eher zweitrangige Höchstgeschwindigkeit geben die Münchner mit 193 bzw. 175 km/h an. Dabei genehmigt sich der Mini 7,3 bzw. 7,2 Liter Super im Mittel. Die Kraftübertragung übernimmt jeweils ein manuelles Fünfganggetriebe. Der noch sportlichere "COOPER S" wird erst später vorgestellt.

Welche Philosophie hinter den kleinen, vor allem aber schmalen Rädern des Mini steckt, werden sich schon manche gefragt haben, aber BMW setzt diese selbst beim Cabrio fort. 15 Zoll und schmale 175er-Pneus auf Stahl- (ONE) bzw. Alufelgen sind also Serie; wer mehr will, muss einen tiefen Blick in die Aufpreisliste werfen. Dort gibt es dann diverse 16- und 17-Zoll-Räder, bei letzteren auch eine völlig neu gestaltete Version. Die Wahl größerer Räder hat einen weiteren Vorteil: Sowohl die 16- als auch die 17 Zoll-Varianten sind mit Pneus mit Notlaufeigenschaften ausgerüstet.

Um die Sicherheit kümmern sich serienmäßig vier Airbags; außerdem verspricht BMW dank hoher Torsionssteifigkeit gute Crashergebnisse bei Frontal- und Seitenaufprall. Wer es schafft, den Mini zum Purzelbaum zu bewegen, darf auf die Schutzwirkung der mit einem Rohr aus hochfestem Stahl verstärkten A-Säule und der doppelten Überrollbügel hoffen. Besser, man bestellt das unverständlicherweise aufpreispflichtige ESP gleich mit und senkt damit u.a. die Überschlag-Gefahr.

Serienmäßig dagegen sind u.a. Reifenpannenanzeige (RPA), elektrische Außenspiegel und Fensterheber, elektro-hydraulische Servolenkung, Höhenverstellung für Fahrersitz und Lenksäule, ISOFIX-Kindersitzbefestigungen sowie Zentralverriegelung mit Fernbedienung und Komfortöffnung. Auch eine Einparkhilfe gehört zum Liferumfang - durchaus wichtig bei einem zwar kleinen, aber nach hinten eher unübersichtlichen Auto. Gegen Aufpreis können die kleinen Nettigkeiten des Alltags geordert werden, wie etwa Xenon-Licht (umrahmt von einem zusätzlichen Ring aus Leuchtpunkten), TV-Navigationssystem mit 16:9-Farbdisplay, HiFi-Anlagen, eine heizbare Frontscheibe, Klimaautomatik, Windschutz, die schon erwähnten Leichtmetallräder, Multifunktionslenkrad, Regensensor, Lederausstattung oder ein automatisch abblendender Innenspiegel.

Zur Wahl stehen zehn Außenfarben, wobei zwei davon neu und exklusiv dem Cabrio vorbehalten sind: "Hot Orange" (siehe Fotostrecke) und die besondere Effektlackierung "Cool Blue". Während das "One" Cabrio nur mit schwarzem Verdeck zu haben ist, wird das Dach des offenen "Cooper" in den Farben Schwarz, Blau und Grün angeboten. Die Gehäuse der Außenspiegel sind bei der Basisversion leider nur schwarz, sonst in Wagenfarbe lackiert. Das Interieur entspricht weitgehend dem der Limousine, Armaturenbrett und Türverkleidungen werden in Silber und Anthrazit sowie in Holz- und Aluminiumanmutung angeboten.

Über Preise mag sich BMW noch nicht äußern, aber dass für einen offenen Mini ein ordentlicher Aufschlag sowohl zu seinen geschlossenen Pendants als auch zu den Mitbewerbern gehört, versteht sich von selbst. Die trendige, meist junge und weibliche Kundschaft dürfte es von einer Unterschrift nicht abhalten.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 10.02.2004  —  # 2815
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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