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Beckstein: "Mir dreht sich der Magen um"

Bayern: Innenminister hat etwas gegen Škoda und Fiat im Polizeidienst

Siehe Bildunterschrift
"Fürsorgepflicht © ŠkodaAuto Dtl. GmbH
für Staatsbeamte": Octavia-Präsentation vor
dem bayerischen Innenministerium
In Bayern gehen die Uhren bekanntlich anders, und dort gibt es auch Politiker wie den Innenminister Dr. Günther Beckstein, der um harte Statements nie verlegen ist. Bisweilen aber sind sie nicht "nur" hart, sondern auch einfach nur völlig daneben:

Am vergangenen Mittwoch etwa war es wieder einmal soweit: Der Minister kann und mag sich nicht vorstellen, dass ein bayerischer Polizeibeamter vielleicht demnächst nicht mehr BMW oder Audi fahren darf, sondern auch andere Marken, die Beckstein offenbar als minderwertig erachtet. Als Beispiel dafür mussten Fiat und Škoda herhalten: Beim Gedanken daran, dass im Zuge des Sparkurses von Ministerpräsident Stoiber vielleicht eines Tages auch solche Marken angeschafft werden müssten, drehe sich ihm selber der Magen um, so Beckstein wörtlich. Man müsse nun zwar selbst früher Undenkbares ins Auge fassen, doch er hoffe, dass es "so schlimm" nicht kommen werde.

Ganz offensichtlich hat der Minister noch nicht mitbekommen, dass etwa heutige Škoda-Autos nichts mehr gemein haben mit den primitiven Ostblock-Kisten von vor 30 Jahren, und dass Škoda größtenteils Technik aus dem VW-Konzern verbaut - ganz so wie auch Audi.

Fiat bezeichnete die Äußerung als "völlig unreflektiert". Bei Škoda hat man sich ganz offensichtlich ebenfalls massiv geärgert, aber nicht scharf, sondern ironisch zurückgeschossen: Als ein in Deutschland ansässiges Wirtschaftsunternehmen und Mitglied der Top Ten der Zulassungsstatistik sähe man sich in der "Fürsorgepflicht für Staatsbeamte", heißt es in einer Mitteilung des Autobauers, deren offensichtliche Wissenslücken gleich vor Ort zu schließen: Škoda hat deshalb am Freitag vier Modelle vor dem bayerischen Innenministerium vorgefahren, um Beckstein vom "hervorragenden technischen Standard, der Qualität und dem praktischen Nutzwert dieser Fahrzeuge zu überzeugen". Darunter befanden sich auch zwei Octavias im Polizeidesign.

Allerdings war die Aktion schlecht vorbereitet, denn der Minister, selbst übrigens meist im langen Siebener-BMW mit Chauffeur und zwei Begleitfahrzeugen und Sonderrechten unterwegs, weilte am Freitag in Berlin. Škoda hält unterdessen sein Angebot zur Testfahrt in einer zivilen Version aufrecht: Nicht zuletzt der allradgetriebene Octavia 4x4 eigne sich hervorragend für "bayerische Bergregionen", hieß es.

Kommentar:
Wohl wahr, Škoda - schade nur, dass es wohl noch einige Jährchen dauern wird, bis sich der Herr Minister tatsächlich auf eine Berghütte zurückzieht, und man darf ihm wünschen, dass es seinen bevorzugten automobilen Untersatz bis dahin auch in einer Allradvariante gibt. Wir dachten ja immer, dass Polizeifahrzeuge europaweit ausgeschrieben werden, und dann der Anbieter mit dem besten Gesamtpaket und Preis-Leistungsverhältnis zum Zuge käme. Aber das ist, es wird immer wieder offenbar, wohl nicht nur in Bayern eine reine Formalie. Übrigens, Herr Beckstein, ich persönlich würde als Polizist deutlich lieber Octavia TDI fahren als im alten Vectra über die Straßen des "Freistaates" patrouillieren zu müssen. Die nämlich sind vielerorts die Realität, von wegen Audi und BMW. (hsr)
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 30.11.2003  —  # 2594
text Hanno S. Ritter
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