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Montag, 18. Dezember 2017,
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Serienpremiere der Weltneuheit vor genau einem Jahr

Mercedes: PRE-SAFE-System bereits 75.000 Mal im Einsatz

Siehe Bildunterschrift
PRE-SAFE gibt es © DaimlerChrysler AG
bisher nur in der S-Klasse, hier ein S500 4MATIC
Über PRE-SAFE, das vorausschauende Insassenschutzsystem von Mercedes-Benz, haben wir bereits mehrfach berichtet - handelt es sich doch um ein wirklich sinnvolles und innovatives Einsatzgebiet für Elektronik im Auto, und, nebenbei bermerkt, auch um einen Bereich, in dem Mercedes der Konkurrenz einen großen Schritt voraus ist. Die Technik, serienmäßig in den S-Klasse-Modellen verbaut, ist inzwischen rund 75.000 Mal im Einsatz.

Die passive Sicherheit moderner Autos, zumal aktueller Oberklasse-Modelle, ist offenbar weitgehend ausgereizt. Vor diesem Hintergrund forschten die Mercedes-Ingenieure an einem System, das mittels der aktiven Sicherheitssysteme, insbesondere den Sensoren von ESP und Bremsassistent, einen kritischen Fahrzustand und daraus folgend einen möglicherweise drohenden Unfall frühzeitig erkennt und während dieser Vor-Crash-Phase Insassen und Fahrzeug präventiv darauf vorbereitet. Damit folgten die Entwickler Erkenntnissen aus der Unfallforschung, wonach über zwei Drittel aller Verkehrsunfälle kritische Fahrsituationen - Schleudern, Notbremsen oder plötzliches Ausweichen - vorausgehen, die bereits Rückschlüsse auf eine drohende Kollision erlauben. Diese wertvolle Zeit vor dem Crash blieb bisher für den passiven Insassenschutz ungenutzt, denn bewährte Schutzsysteme wie Gurt, Airbag oder Gurtstraffer treten erst im Moment des eigentlichen Aufpralls in Aktion. PRE-SAFE dagegen vermag unfallträchtige Gefahrenmomente rechtzeitig zu erkennen und nutzt die verbleibende Zeit - im Gegensatz etwa zu Airbagsystemen, die in Millisekunden reagieren müssen, beträgt diese hier bis zu mehreren Sekunden - für vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen. Mit anderen Worten: Durch PRE-SAFE bekommt das Auto erstmals "Reflexe".

Zum vorausschauenden Insassenschutz gehört beispielsweise die sekundenschnelle Straffung des Gurtbandes, die Fahrer und Beifahrer schon vor einer drohenden Kollision in der bestmöglichen Sitzposition fixiert, damit die Airbags beim Aufprall optimal schützen können. Falls erforderlich, verändert PRE-SAFE auch die Einstellungen des Beifahrersitzes sowie der elektrisch einstellbaren Einzelsitze im Fond und schließt beim Schleudern des Fahrzeugs automatisch das Schiebedach.

Wird der Unfall im letzten Moment hoffentlich doch verhindert, lässt die präventive Gurtstraffung automatisch nach und die Insassen können Sitze und Schiebedach in ihre Ausgangspositionen zurückstellen. PRE-SAFE ist dann sofort wieder funktionsbereit - reversibel nennen das die Ingenieure, die rund sechs Jahre Entwicklungszeit in das System investiert haben.

Die Mühe hat sich gelohnt - die S-Klasse ist noch ein bisschen sicherer geworden, und das Entwicklungsteam wurde für seine Arbeit bereits mehrfach ausgezeichnet (Autokiste berichtete) und aktuell auch für den Deutschen Zukunftspreis 2003 des Bundespräsidenten nominiert.

Bleibt die Frage, wann PRE-SAFE auch in anderen Mercedes-Modellen zum Einsatz kommt. Hierzu hüllen sich die Stuttgarter aber auf Autokiste-Anfrage noch in Schweigen. Klar ist, dass auch weitere Baureihen künftig entsprechend profitieren sollen - aber wann und welche, muss zunächst offen bleiben. In Frage kommt ein Einsatz aufgrund der notwendigen Elektronik-Architektur nur bei neuen Baureihen oder tiefgreifenden Modellpflegen, und, wie bei solchen Errungenschaften üblich, von "oben nach unten": Vielleicht wäre also das viertürige E-Klasse-Coupé CLS, das Ende 2004/Anfang 2005 seine Markteinführung feiern wird, eine schöne Gelegenheit - oder der etwa zur gleichen Zeit erwartete GST.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 05.11.2003  —  # 2514
text Hanno S. Ritter
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