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Mittwoch, 18. Oktober 2017,
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HJS stattet UBA-Passat mit Filter aus / Twin-Tec zeigt System auf der IAA

Rußfilter: Die ersten Nachrüstsysteme stehen in den Startlöchern

Siehe Bildunterschrift
Mit HJS-Nachrüst-Rußfilter: © HJS GmbH
VW Passat für das Umweltbundesamt
Die Firma HJS aus Menden im Sauerland hat heute ein Partikel-Filter-System vorgestellt, das für den nachträglichen Einbau in Diesel-Fahrzeuge vorgesehen ist.

Nach rund zehnjähriger Entwicklungsarbeit ist das System nun serienreif; es soll ein Auto-Leben lang halten. HJS geht dabei prinzipiell den gleichen Weg wie die Peugeot-/Citroen-Gruppe (PSA): Über einen zusätzlichen Tank wird dem Kraftstoff ein Additivstoff beigefügt, der die Entzündungstemperatur des Rußes im Filter um ca. 200 Grad absenkt. Verschiedene im Filtersystem installierte Sensoren "informieren" ständig eine spezielle Elektronik-Einheit über die Filter-Effizienz (Ruß-Beladung). Ungefähr alle 1.000 Kilometer, abhängig von Motor- und Fahrleistung, wird eine Regeneration notwendig, also ein Verbrennen der im Filter gesammelten Rußteilchen, damit dieser nicht verstopft. Hierzu greifen die HJS-Ingenieure nicht ins Motormanagement ein, um eine heißere Verbrennung und damit heißeres Abgas zu erzeugen, sondern vertrauen auf drei rund um den Filter installierte Heizspiralen, die die notwendige Verbrennungstemperatur im Filter erzeugen. Der Verbrennungsvorgang, der für den Fahrer völlig unbemerkt abläuft, dauert rund zwei bis drei Minuten.

Das System wurde nach Herstellerangaben bereits vom RWTÜV getestet und für gut befunden: Diesel mit dem System fahren so gut wie rußfrei; Nachteile bei Kraftstoffverbrauch oder Motorleistung seien nicht zu erwarten.

Das entwickelte Konzept ist modular aufgebaut und beinhaltet alle notwendigen Komponenten inklusive der benötigten Sensoren und Elektronik. Somit, so HJS, sei der Einsatz solcher Systeme grundsätzlich bei allen Diesel-Motoren denkbar, und das ohne aufwändig angepasste Software für Hunderte von Motorsteuerungs-Kennfeldern der einzelnen Modelle und Baujahre. Für den Einbau veranschlagt HJS rund vier Stunden.

Ein erstes nachgerüstetes Fahrzeug, einen VW Passat Variant TDI, hat heute das Umweltbundesamt in Berlin in Betrieb genommen - der erste Diesel, der in den Fuhrpark der Behörde aufgenommen wurde. Bereits in Kürze soll auch noch ein Diesel mit serienmäßigem Rußfilter hinzukommen.

Bleibt die Frage, wann Otto-Normalverbraucher in den Genuss der neuen Technik kommt - immerhin sind rund 8 Millionen filterlose Diesel auf Deutschlands Straßen unterwegs. Wie ein HJS-Sprecher gegenüber Autokiste erläuterte, sei man in der Lage, entsprechende Paketlösungen für die gängigen Diesel-Modelle anzubieten, auch in großer Zahl. Der Preis betrage ca. 1.000 Euro inklusive Einbau, bei höheren Stückzahlen möglicherweise auch weniger. Jetzt sei jedoch zunächst die Politik gefordert, entsprechende Vergünstigungen und Anreize zu schaffen, da andernfalls, so lehre die Erfahrung aus der Katalysator-Nachrüstzeit, kaum Nachfrage vorhanden sei. Das ist wohl wahr, und deswegen fordert Autokiste: Herr Eichel, Herr Stolpe, übernehmen Sie - im Sinne von aktivem Umwelt- und Gesundheitsschutz.

Medienberichten zufolge wird auch die Firma Twin-Tec in Königswinter einen Rußfilter zum Nachrüsten auf der IAA präsentieren. Das System soll ohne Additive und aufwändige Steuerelektronik auskommen und schon im kommenden Frühjahr zu Preisen von rund 600 Euro erhältlich sein. Bei Twin-Tec war am Freitag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 05.09.2003  —  # 2333
text Hanno S. Ritter
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