Das unabhängige Portal rund um Automobil & Verkehr
Samstag, 16. Dezember 2017,
Schrift: kleiner | größer
Lesezeit: ~ 3 Minuten
ADAC: In osteuropäischen Ländern unbedingt die Polizei rufen

Auto-Unfall im Ausland: Was zu beachten ist

Siehe Bildunterschrift
Ruhe bewahren: Autounfall im Ausland © ADAC
Wenn es im Ausland gekracht hat, ist die Aufregung meist groß - der Urlaub futsch, die Frage nach der Schadensregulierung im fremden Rechtssystem, dazu Probleme mit der Sprache und schlimmstenfalls die Sorge hinsichtlich der medizinischen Betreuung.

Hier gilt, wie auch sonst: Zunächst einmal Ruhe bewahren. Zunächst muss die Unfallstelle gesichert und ggf. erste Hilfe geleistet werden. Bei hohem Sachschaden oder wenn Personen verletzt wurden, ist die Polizei zu rufen. Der ADAC weist darauf hin, dass in Bulgarien, Kroatien, Slowenien, Polen, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn die Ordnungshüter auch Bagatellschäden aufnehmen, da hier für die spätere Schadenregulierung in jedem Fall ein polizeiliches Unfallprotokoll vorgelegt werden muss.

Für die Schadenregulierung ist es wichtig, den Unfallhergang und alle wichtigen Daten zu dokumentieren. Dazu gehören Adresse, Kennzeichen und Haftpflichtversicherung des Unfallgegners, Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln und bestenfalls ein europäischer Unfallbericht. Verletzte sollten sich von einem Arzt des Reiselandes ein Attest ausstellen lassen. Bei Schmerzensgeldforderungen kann es sonst Probleme mit der ausländischen Haftpflichtversicherung geben. Hat das Auto einen Totalschaden erlitten, sollte ein Kfz-Sachverständiger das Fahrzeug vor der Verschrottung begutachten. Die ADAC-Auslandsnotrufstationen informieren über die richtige Vorgehensweise.

Zurück im eigenen Land geht es an die Schadenregulierung. Seit Anfang 2003 gilt für deutsche Staatsbürger, die einen Auto-Unfall im EU-Ausland, in Liechtenstein, Island oder Norwegen hatten, folgendes Prozedere: Sie wenden sich an den in Deutschland ansässigen Schadenregulierungs-Beauftragten der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners. Wer das ist, erfährt der Geschädigte von der nationalen Auskunftsstelle. Das ist in Deutschland der Zentralruf der Autoversicherer unter der Nummer 0180-25026. Dieser muss den Schadensfall innerhalb von drei Monaten regulieren oder eventuelle Verzögerungen erklären. Dabei findet immer das Verkehrs- und Schadenersatzrecht des Unfall-Landes Anwendung. Reagiert er in dieser Zeit nicht oder nicht angemessen, kann sich der Geschädigte stattdessen an die nationale Entschädigungsstelle - in Deutschland der Verein Verkehrsopferhilfe in Hamburg - wenden. Die nationale Entschädigungsstelle ist auch zuständig, wenn der ausländische Versicherer (noch) keinen Schadenregulierungsbeauftragten benannt hat.

Nach Auto-Unfällen in Ländern, die nicht zur EU gehören, sind Ansprüche dagegen direkt bei der ausländischen Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers anzumelden. Dazu bedarf es oft guter Fremdsprachenkenntnisse und eines ausländischen Anwalts. Der ADAC hält Anschriften von Vertrauensanwälten im Ausland sowie Merkblätter für Schadensfälle in 44 europäischen Ländern bereit.

Auch an den Krankenschutz im Ausland sollte man denken. Nur eine private Zusatzversicherung übernimmt die oft horrenden Kosten für Krankenhaus oder Rücktransport. Für die Schäden am Kfz gibt es, bisher allerdings nur von wenigen Gesellschaften, spezielle Auslandsschaden-Versicherungs-Policen.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 07.07.2003  —  # 2148
text Hanno S. Ritter
Verwandte Themen bei Autokiste
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
Sie befinden sich im Archiv. Meldungen und enthaltene Links können veraltet sein. Bitte beachten Sie das obenstehende Veröffentlichungsdatum dieser Nachricht. Aktuelle Auto-News finden Sie hier.