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Mittwoch, 13. Dezember 2017,
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Dekra: Bundesweiter Feldversuch mit erschreckenden Ergebnissen

Jedes dritte Auto hat Probleme mit der Bremsflüssigkeit-Qualität

Siehe Bildunterschrift
Bremsflüssigkeit altert © Autokiste
und muss regelmäßig gewechselt werden
Rund ein Drittel aller Fahrzeuge hat deutliche Probleme mit der Qualität der Bremsflüssigkeit. Besonders ältere Autos ab sieben Jahren sind betroffen: Bei ihnen wird der kritische Siedepunktsbereich, also unter 180 Grad Celsius mit 79 Prozent überproportional häufig unterschritten. Sie können damit zum Sicherheitsrisiko werden. Zu diesen Ergebnissen kommt die Sachverständigenorganisation DEKRA nach der Auswertung eines bundesweit durchgeführten Feldversuchs zur Überprüfung der Bremsflüssigkeit. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden auf der Messe AutoMobil International (AMI) vorgestellt. Untersucht wurden 759 Fahrzeuge in zwölf deutschen Städten, das Durchschnittsalter betrug 7,5 Jahre, und die durchschnittliche Fahrleistung lag bei 92.200 Kilometern.

Bei den Fahrzeugen, die den Test nicht bestanden haben, hatte sogar jedes fünfte überprüfte Fahrzeug den äußerst kritischen Siedepunkt von 150 Grad Celsius unterschritten. Zum Vergleich: Neuwertige Bremsflüssigkeit nach dem DOT4-Standard hat einen Siedepunkt von rund 270-300 Grad. Wird der Siedepunkt direkt im Ausgleichsbehälter gemessen, ist zu beachten, dass der Wert nicht für das gesamte Bremssystem gelten muss. Nach früheren Dekra-Untersuchungen kann es zwischen Ausgleichsbehälter bzw. Hauptbremszylinder und den Radbremsen bis zu 100 Grad Unterschied geben - eine Differenz, die tödlich sein kann.

Dass ältere Autos in diesen Tests regelmäßig schlechter abschneiden als der Durchschnitt, liegt jedoch nicht am Alter der Fahrzeuge, sondern an der offenbar mit zunehmendem Auto-Alter abnehmenden Bereitschaft der jeweiligen Besitzer, ihre mobilen Untersätze auch ordentlich zu warten.

Um die Gefahr eines "Tritts ins Leere" zu mindern, fordert Dekra eine Überprüfung und den Wechsel der Bremsflüssigkeit im Abstand von mindestens zwei Jahren. Das Unternehmen bietet in seinen Niederlassungen die Prüfung der Bremsflüssigkeit an. Der Wechsel der Bremsflüssigkeit sollte dann in einer Fachwerkstatt vollzogen werden.

Bremsflüssigkeit besitzt die Eigenschaft, Wasser (aus der Luft) aufzunehmen und chemisch zu binden. Dies führt denn auch zum abnehmenden Siedepunkt (Wasser kocht bei 100 Grad). Beim längeren oder häufigen starken Bremsen, zum Beispiel bei Bergabfahrten oder bei schnellen Autobahnfahrten, kann dann in den Bremsleitungen Wasserdampf entstehen. Im Unterschied zu Flüssigkeiten aber lässt sich Wasserdampf komprimieren. Im schlimmsten Fall führt das zum völligen Versagen der Bremsanlage, weil nicht mehr genügend Bremsdruck aufgebaut werden kann.

Wenn es mit dem Auto auf Tour geht, muss Qualität und Menge der Bremsflüssigkeit okay sein. Denn wer beim Bremsen alt aussieht, gefährdet sich und andere. Und das ist durchaus ernst gemeint.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 04.04.2003  —  # 1939
text Hanno S. Ritter
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