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Montag, 11. Dezember 2017,
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"Neue Budget-Prioritäten müssen auch die Autohersteller setzen"

ACE: Parteien an Verkehrssicherheit desinteressiert

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Der ACE Auto Club Europa hat den politischen Parteien Desinteresse an mehr Verkehrssicherheit und besserer Unfallverhütung vorgeworfen.

Alljährlich kämen in Deutschland 7.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, 500.000 würden zum Teil schwer verletzt, bei nahezu einem Viertel aller Verkehrstoten handele es sich um junge Leute. "In den Wahlprogrammen ist dazu nichts oder nur Dürftiges zu finden", kritisierte ACE-Chef Wolfgang Rose am Montag in Berlin. Er sprach sich dafür aus, neue Formen der Verkehrserziehung einzuführen. Danach sollten Kinder nicht mehr auf herkömmliches verkehrsgerechtes Verhalten getrimmt werden, sondern eine ganzeinheitliche Mobilitätserziehung angeboten bekommen. Rose: "Wir wollen eine humane Verkehrswelt." Nicht nur Schulen hätten auf diesem Gebiet einen pädagogischen Auftrag zu erfüllen.

"Gewalttätige Videospiele, in denen unsere Kinder andere Verkehrsteilnehmer per Joystick von der Fahrbahn katapultieren, haben auf Automessen nichts zu suchen", sagte Rose mit Blick auf Spielehersteller und Automobilindustrie. "Es bringt aber nichts, wenn als Ausweg aus dem Gewaltdilemma jetzt der Bundesinnenminister die Volljährigkeit mit 18 beim Führerscheinerwerb in Frage stellt", fügte Rose hinzu.

Er begrüßte die Absicht von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig, die Straßenverkehrsordnung (StVO) in eine verständliche und bürgernahe Form zu bringen. Der ACE werde dazu demnächst eigene Vorschläge unterbreiten.

Auf dem Gebiet der Forschungspolitik forderte Rose dazu auf, nach der Bundestagswahl die Haushaltsmittel dafür erneut aufzustocken und gezielt in Nachhaltigkeitskonzepte zu investieren. "Wir wollen vernünftig ausgeübte Automobilität auch dann, wenn die letzten Erdölreserven aufgebraucht sind." Neue Budget-Prioritäten müssten auch die Autohersteller setzen, denen Rose vorhielt, 30 Prozent ihrer milliardenschweren Umsätze flössen in Marketing und Werbung, während der Aufwand für Forschung mit sieben Prozent vom Umsatz "ziemlich bescheiden" ausfalle.

Der ACE hatte am Montag in Berlin seine parlamentarische Verbindungsstelle im Rahmen eines verkehrspolitischen Forums eröffnet. Vor Teilnehmern aus Politik und Verkehrswirtschaft warb das Mitglied des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes, Heinz Putzhammer, für mehr Engagement zu Gunsten einer nachhaltigen Mobilität. Zu den zentralen Handlungsfeldern gehöre eine Reduzierung der individuellen Verkehrsleistung durch Verhaltensänderung sowie eine Reduzierung der Umwelt- und Gesundheitsbeeinträchtigung des Verkehrs durch eine technische Optimierung der Verkehrsmittel. Putzhammer ist auch Mitglied im "Rat für Nachhaltige Entwicklung" der Bundesregierung.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 13.05.2002  —  # 1178
text Hanno S. Ritter
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