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Samstag, 21. Oktober 2017,
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Da braucht der Notarzt einen Notarzt / Strengere Sicherheitsnormen gefordert

ADAC-Test: Rettungswagen haben schlechte passive Sicherheit

Siehe Bildunterschrift
Der Sprinter © ADAC
nach dem Frontalcrash
Rettungswagen, die mit Blaulicht und Martinshorn im Einsatz sind, haben ein achtfach höheres Unfallrisiko als normale Pkw. Anlass für den ADAC, die Crash-Sicherheit solcher Fahrzeuge zu untersuchen. Dabei ging es nicht darum, ein spezielles Fahrzeug eines bestimmten Herstellers zu testen. Vielmehr sollte die Frage geklärt werden, ob die bestehende, letztmalig 1999 verbesserte Norm tatsächlich den praktischen Erfordernissen entspricht. Die Messwerte des Tests haben gezeigt, dasss die geltende Norm noch nicht ausreicht.

Für den Crash wurde ein Mercedes Sprinter ausgewählt, wie er heute noch im Einsatz ist. Dieses Fahrzeug, dessen Inneneinrichtung noch nicht der aktuellen Norm entsprach, musste einen Frontalaufprall mit 33 km/h und einen Seitenaufprall mit 50 km/h über sich ergehen lassen. Beim Frontalaufprall hatte sich die Trage mit dem festgeschnallten Patienten aus der Verankerung gelöst, knallte gegen einen Geräteschrank und traf auch noch den Notarzt. Dieser stürzte von seinem, in seitlicher Position fixierten Sitz und hing verdreht in den, in dieser Stellung unwirksamen Sicherheitsgurten. Es ist fraglich, ob Patient und Notarzt diesen Frontalaufprall überlebt hätten. Die Schubladen der Einbauten wurden herausgerissen, ihr Inhalt flog unkontrolliert durch den Innenraum und sorgte für zusätzliches Verletzungsrisiko. Beim anschließenden Seitenaufprall wäre der Wagen durch den Rammstoß beinahe umgekippt.

Drunter und drüber © ADAC
im Innenraum
Solche Schäden sollten mit der neuen Norm weitgehend zu verhindern sein. Dazu wurden mittlerweile Verbesserungen, wie zum Beispiel an den Befestigungen der Trage vorgenommen. Die aufgetretenen Kräfte lagen mit 20 bis 24 g (entspricht dem 20- bis 24-fachen des Eigengewichts) teilweise jedoch deutlich über denen, die in der neuen Norm fest geschrieben sind. Dort begnügt man sich mit 10 g, die in verschiedenen Richtungen verkraftet werden müssen. Die Hersteller der Ausbauten haben signalisiert, dasss sie bereit sind, die verschärften Forderungen des ADAC bei Neuentwicklungen zu berücksichtigen. Dr. Erwin Stolpe von der ADAC Luftrettung, selbst häufig mit dem Notarztwagen unterwegs, sieht dieser Entwicklung mit großen Erwartungen entgegen: "Ich möchte nicht nur das Gefühl haben, im Einsatzwagen sicher zu sein, sondern die Gewissheit."
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 28.10.2001  —  # 0812
text Hanno S. Ritter
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