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Samstag, 16. Dezember 2017,
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Verkehrsclub Deutschland fordert Senkung des Flottenverbrauchs sowie Rußfilter für alle Diesel-Pkw

VCD nennt IAA eine »rückwärtsgewandte PS-Messe«

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat die Internationale Automobilausstellung (IAA) als "rückwärtsgewandte PS-Messe" bezeichnet. Die Autoindustrie feiere weiterhin ihr antiquiertes industriepolitisches Konzept: Luxus, Leistung, Limousinen. "Anstatt sich konkret mit verbrauchssenkender Technik und ökologischen Fahrzeug-Konzepten zu profilieren, protzen deutsche Autobauer wie gehabt mit immer mehr Leistung und Luxus", sagte VCD-Autoexperte Gerd Lottsiepen. Die Autobauer sollten sich nicht "hinter futuristischen Zukunftskonzepten à la Wasserstoff und Brennstoffzelle verstecken, sondern hier und heute ihre Hausaufgaben machen."

Hausaufgabe Nummer Eins sei der schnellstmögliche Einbau von Partikelfiltern in alle Diesel-Pkw, um die krebserregende Wirkung von Rußpartikeln und Feinstäuben zu minimieren. Es sei ein Armutszeugnis, dasss weltweit nur zwei Hersteller Partikelfilter anböten: Citroën und Peugeot. Lottsiepen: "Die deutschen Hersteller mauern mit den gleichen Ausflüchten wie vor fünfzehn Jahren beim Katalysator". Es sei skandalös, dasss Rußpartikel und Feinstäube die Gesundheit der deutschen Bevölkerung gefährden, obwohl das technische Know-how zur Gesundheitsvorsorge vorhanden ist.

Hausaufgabe Nummer Zwei sei die deutliche Senkung des Flottenverbrauchs. Angesichts der Tatsache, dasss auch im Jahr 2001 nur wenige Pkw die Fünf-Liter-Verbrauchsgrenze unterschreiten, forderte der VCD, Obergrenzen für den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid festzulegen. Die guten Erfahrungen mit den Schadstoffgrenzwerten Euro 3 bzw. 4 müssten jetzt auch auf das Treibhausgas CO2 ausgedehnt werden. Da der CO2-Ausstoß unmittelbar vom Verbrauch abhängt, würde eine verbindliche Verbrauchsgrenze den Anteil der großen Spritschlucker schrittweise verringern.

Lottsiepen sagte: "Die Europäische Union muss ab 2005 für Neuwagen einen CO2-Grenzwert von 120 Gramm pro Kilometer festlegen". Das entspricht einem Verbrauch von 5,2 Liter Benzin bzw. 4,6 Liter Diesel auf 100/km. Pkw mit einem höheren Ausstoß hätten dann einen linear steigenden Aufschlag bei der Kfz-Steuer zu zahlen. Der deutsche Flottenverbrauch sank nach VDA-Angaben in den letzten zehn Jahren nur um 1,5 Liter und liegt bei Neuwagen noch immer bei gut 7,2 Litern 100km (2000). Im selben Jahr schluckt ein neuer Pkw im Schnitt fast 10 Liter im Stadtverbrauch.

Weiter sei es dringend notwendig, lärmarme Reifen zum Standard zu machen. Die Reifenhersteller bildeten noch immer ein "Verweigerungskartell." Sie weigern sich, das Umweltzeichen "Blauer Engel" zu nutzen, das Verbrauchern die Entscheidung für lärmarme Reifen erleichtert. Durch Reifen mit niedrigem Rollwiderstand ließen sich Lärmbelastung und Spritverbrauch erheblich senken. Ob solche Reifen auch die jetzigen Sicherheitsstandards erfüllen, wurde nicht mitgeteilt.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 17.09.2001  —  # 0727
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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