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Mittwoch, 20. November 2019,
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Mit zunehmendem Fahrzeugalter nachlassender Instandhaltungsaufwand / Hohes Sicherheitsrisiko

Dekra-Praxistest Bremsflüssigkeit: Jedes siebte Auto mit kritischen Werten

Dem Zustand der Bremsflüssigkeit in den Bremsanlagen der Autos auf unseren Straßen muss dringend mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, wie die neuesten Ergebnisse einer DEKRA-Studie belegen: Bei jedem siebten Fahrzeug lag der Siedepunkt unter dem Mindestwert von 155 ºC. Das ist das Ergebnis eines Praxistests, der im Juni/Juli 2000 an der Niederlassung München-Ost der DEKRA Automobil GmbH durchgeführt wurde.

Regelmäßiger Wechsel wichtig: Bremsflüssigkeit; Bild: Autokiste Dabei haben Experten der DEKRA Umwelt GmbH an 500 Fahrzeugen, die zur Hauptuntersuchung vorfuhren, den Siedepunkt der Bremsflüssigkeit direkt im Nachfüllbehälter analysiert. Dieses Kriterium liegt bei der heute üblicherweise eingesetzten Bremsflüssigkeit nach DOT 4 - Standard bei mindestens 155 ºC. Zum Vergleich: Neuwertige Bremsflüssigkeit hat einen Siedepunkt von 270 - 300 ºC. Die Mindestanforderung von 155 ºC konnte von 15 Prozent der untersuchten Fahrzeuge nicht erfüllt werden. Fazit: Bei jedem siebten Fahrzeug stellte die Qualität der Bremsflüssigkeit ein Sicherheitsrisiko dar!

Differenziert man die Ergebnisse nach dem Alter der Fahrzeuge, so ergibt sich folgendes Bild: Bei jeweils 6 Prozent der bis zu 3 Jahre und der 4 - 5 Jahre alten Autos lag der Siedepunkt unter der Marke 155 ºC. Bei 6 - 10 Jahre alten Pkw waren es schon 17 Prozent und bei über 10 Jahre alten Autos erschreckende 26 Prozent. Darüber hinaus lag bei rund jedem zweiten Fahrzeug der Siedepunkt der Bremsflüssigkeit zwar im Bereich von 155 - 199 ºC, an den stark belasteten Radbremsen muss mit einem niedrigeren Siedepunkt gerechnet werden.

Die Bremsflüssigkeitsprobe wurde direkt im Nachfüllbehälter am Hauptbremszylinder untersucht. An dieser Stelle wird üblicherweise Bremsflüssigkeit ergänzt, wenn der Flüssigkeitsstand, z.B. durch Verschleiß der Radbremsen, abgesunken ist. Das bedeutet, dasss nicht unbedingt im gesamten Bremssystem neuwertige Bremsflüssigkeit vorhanden ist. Darum ist zu vermuten, dasss an den dem Spritzwasser stärker ausgesetzten Radbremsen der tatsächliche Siedepunkt deutlich niedriger liegt als im Nachfüllbehälter.

Verschiedene Messungen, die nach Verkehrsunfällen durchgeführt wurden, untermauern diese Vermutung. Hier wurden durchschnittliche Siedepunkt-Differenzen zwischen Nachfüllbehälter und Radbremsen vorne von etwa 30 ºC gemessen. Untersuchungen, die im Rahmen erweiterter Fahrzeuguntersuchungen von DEKRA durchgeführt wurden, ergaben sogar bei Siedepunkten um 250 ºC im Hauptbremszylinder (neuwertige Bremsflüssigkeit) lediglich Siedepunkte von 150 ºC in den vorderen Radbremsen. Dabei sind Temperaturen im Bereich von 180 ºC an den Bremsen bei den heute üblichen Belastungen im Straßenverkehr durchaus nichts Ungewöhnliches.

Dieser Praxistest Bremsflüssigkeit zeigt, dasss ein großer Teil der Autofahrer den regelmäßigen, notwendigen Wechsel der Bremsflüssigkeit vernachlässigt. Dieses Ergebnis reiht sich ein in die Erfahrungen der DEKRA Sachverständigen, wonach im Laufe eines "Autolebens" der Aufwand für Reparatur, Wartung und Instandhaltung deutlich abnimmt.
Leserbrief Autokiste folgen date  07.01.2001  —  # 0290
text  Hanno S. Ritter
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