Das unabhängige Portal rund um Automobil & Verkehr
Montag, 17. Juni 2019,
Auch bündige Türgriffe werden serienmäßig

Honda e bekommt Kameras statt Außenspiegel

Beim zukünftigen Elektroauto gibt sich Honda nicht nur erkennbar mehr Mühe als gewohnt, sondern setzt auch auf eine bisher kaum verfolgte Salami-Taktik in der PR-Strategie. Jetzt haben die Japaner angekündigt, dass auch im Serienmodell Kameras die Außenspiegel ersetzen werden.
Honda e bekommt Kameras statt Außenspiegel
Honda
Der Honda e wird serienmäßig über
Ausklapp-Türgriffe und Außenkameras statt Außenspiegel verfügen
ANZEIGE
So kann man sich täuschen: Vor etwa drei Wochen hatten wir an dieser Stelle vermutet, der Honda e würde im Serientrim über die Kamera-Außenspiegel "eher nicht" verfügen, doch nun kündigt Honda das Gegenteil an: Der kleine Stromer wird ausschließlich und serienmäßig mit diesem System auf den Markt kommen.

Honda behauptet, die Technologie werde erstmals in der Kleinwagenklasse eingesetzt, stapelt dabei aber aus unbekannten Gründen tief: Jedenfalls in Deutschland gibt es bisher nur zwei Fahrzeuge mit Kamera-"Spiegeln", nämlich den Audi e-tron, wo das System optional ist, und den Mercedes Actros in der Facelift-Variante, die diesen Monat erstmals vom Band lief.

Das bereits im Prototyp des Honda e vorgestellte Kamerasystem ersetzt die konventionellen Seitenspiegel durch kleinformatige Kameras, die ihre Bilder in Echtzeit auf zwei Sechs-Zoll-Monitore im Fahrzeuginnern übertragen. Diese sind an den Seiten des Armaturenbretts positioniert und sollen dem Fahrer einen ergonomischen und natürlichen Blickwinkel ermöglichen. Darüberhinaus führt Honda zahlreiche weitere Vorteile ins Feld.

Abgesehen von der optischen Auffälligkeit, der geringeren Fahrzeugbreite sowie den aerodynamischen Vorteilen für Effizienz und Wndgeräusche, die bei einem solchen als Stadtauto konzipierten Wägelchen nicht allzu sehr ins Gewicht fallen, sind dies ein größerer Sichtbereich. Honda spricht von zehn Prozent weniger "Totem Winkel" im normalen und 50 Prozent weniger in einem wählbaren Weitwinkel-Modus. Das Rückwärtsfahren wird durch Einblendung von Hilfslinien auf den Monitoren zusätzlich erleichtert.

Die Monitore passen ihre Helligkeit bedarfsgerecht an die Umgebung an. Auch bei schlechtem Wetter, schwachen Lichtverhältnissen und bei Nacht ist laut Honda eine hervorragende Sicht ohne Blendungen oder Reflexionen gewährleistet. Die Kameragehäuse seien so geformt, dass sich keine Wassertropfen auf der Linse bilden können; die wasserabweisende Beschichtung der Linsenoberfläche verhindere das Ansammeln von Feuchtigkeit.

Das neue System wird für den Fahrer aber zweifellos gewöhnungsbedürftig sein - und ist darüber hinaus deutlich teurer als eine konventionelle Lösung. Dennoch darf man annehmen, dass sich derartige Kamera-Spiegel demnächst weiter verbreiten werden. Apropos Vermutungen: Unsere Annahme, die bündigen Türgriffe gingen in Serie, hat Honda heute bestätigt. Hier ist die Vorreiterrolle allerdings geringer, kommt eine derartige Umsetzung doch bereits bei Land Rover, Jaguar, Tesla und Porsche zum Einsatz.
Leserbrief Autokiste folgen date  28.05.2019  —  # 12973
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
ANZEIGE