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Freitag, 19. April 2019,
Großes SUV mit starkem Plug-in-Hybrid und 10-Gang-Automatik

Neuer Ford Explorer kommt nach Deutschland

Der Edge ist derzeit die Speerspitze im SUV-Programm von Ford, auf den Straßen aber kaum zu sehen. Das hindert den Autobauer aber nicht daran, demnächst nach langer Pause zusätzlich das wirklich große SUV aus Nordamerika in Teilen Europas anzubieten. Als Antrieb dient dem Explorer ein dicker Sechszylinder mit PHEV-Technik als grünem Akzent.
Ford
Ende 2019 kommt der neue Ford Explorer
auch nach Deutschland – mit 450 PS starkem Plug-in-Hybrid
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In Amerika ist der Ford Explorer fast schon eine Ikone, jedenfalls das meistverkaufte SUV aller Zeiten. Die von Grund auf neu entwickelte sechste Generation des Flaggschiffs, dessen Geschichte bis in das Jahr 1990 zurückreicht, hatte erst im Januar ihre Publikumspremiere in den USA und ist auch dort noch nicht auf dem Markt. Im Rahmen der neuen Produktplanung wird Ford den Explorer Ende des Jahres erstmals auch in wichtigen europäischen Ländern einführen; der traditionell starke Ford-Markt in Großbritannien ist davon ausgenommen, weil eine Adaption auf Rechtslenker nicht lohnen würde.

Mit 5,05 Meter Länge, 2,28 Metern Breite (mit Außenspiegeln) und 1,78 Meter Höhe ist der Explorer ein mächtiges Auto, gleichzeitig aber schmächtiger als etwa ein Mercedes GLS oder BMW X7. Innen finden sieben Personen in drei Reihen Platz. Das Gepäckraumvolumen beträgt, wenn die hinteren fünf Einzelsitze elektrisch umgeklappt sind, maximal 2.274 Liter. Den Standard-Wert hat Ford bisher nicht veröffentlicht, legt aber Wert auf die Feststellung, dass zahlreiche Stau- und Ablagefächer weitere 123 Liter bieten und nicht weniger als 12 Becherhalter montiert sind.

Auch optisch folgt der Explorer dem Geschmack der amerikanischen Kunden, die es gerne bullig, ein bisschen aufdringlich und nicht zwingend detailverliebt haben. Genau wie früher charakteristisches Merkmal für den Explorer sind die schwarz verkleidete A- und B-Säule bei einer in Wagenfarbe lackierten C-Säule. Das sich anschließende dritte Seitenfenster reicht optisch bis zur Heckscheibe, ähnlich wie dies Mercedes-Benz beim GLE handhabt. Während in den Scheinwerfern LED-Technik zum Einsatz kommt, hat Ford nur einteilige Rückleuchten mit Teil-LED-Technik vorgesehen.

Im Interieur gibt es neben opulenten Platzverhältnissen 12,3 Zoll große Digitalinstrumente und einen je nach Variante acht oder 10,1 Zoll großen Zentralmonitor. Die Ausstattung bezeichnet Ford als umfangreich, nennt beispielhaft aber nur Dinge, die auch die meisten Kuga-Kunden schon erwarten dürften. Der Explorer kommt in Deutschland in zwei Ausstattungslinien auf den Markt: Die ST-Line (siehe Fotostrecke) befriedigt eine sportliche Attitüde, das luxuriöser ausstaffierte Topmodell heißt Vignale Platinum. Beide stehen auf 20-Zoll-Rädern.

Beim Antrieb setzt Ford auf ein Plug-in-Hybrid-System. Es besteht einerseits und vor allem aus einem Sechszylinder-Turbo, der aus 3,0 Litern Hubraum 350 PS entwickelt, andererseits aus einem 100 PS starken Elektromotor. Beide können jeweils separat oder gemeinsam ihre Kraft abgeben, wobei die reine E-Reichweite laut Ford bei 40 Kilometern liegt. Die Lithium-Ionen-Batterie hat eine Kapazität von 13,1 Kilowattstunden, der Ladeanschluss befindet sich im vorderen linken Radhaus. Das Gesamtsystem stellt satte 840 Newtonmeter Drehmoment bereit.

Den Normverbrauch beziffert Ford auf 3,4 Liter. 3,4 Liter für ein Fünf-Meter-SUV? Ja, die völlig absurde Norm für PHEV-Autos ermöglicht derartige Ergebnisse, die fern jeder Realität sind. Den Wert im Hinblick auf den Alltagsbetrieb zu verdreifachen, sollte das Mindeste sein, was Käufer rechnen sollten. Die Kraft gelangt über eine Wandlerautomatik mit zehn Fahrstufen, die "by wire" über einen Drehschalter auf der Mittelkonsole bedient wird, zu den Hinterrädern und im Bedarfsfall automatisch auch nach vorne. Die maximale Anhängelast ist mit 2,5 Tonnen enttäuschend, gerade auch weil sich der zuständige Ford-Manager dahingehend zitieren lässt, der Wagen könne "alles" ziehen, vom Pferdeanhänger bis zum Bootstrailer.

Gebaut wird der Explorer in Chicago. Was er hierzulande kosten wird, ist noch nicht bekannt. Dass die erste Ziffer eine Sechs sein wird, liegt auf der Hand. Für ein so kräftiges und großes Auto ist das wenig - für einen Ford ist es viel. Ob die Kölner die Kunden auch hierzulande nennenswert für das Konzept begeistern können, bleibt abzuwarten. Uns scheint es unwahrscheinlich; es hat schon bei den ersten beiden Generationen nicht funktioniert.
Leserbrief Autokiste folgen date  03.04.2019  —  # 12931
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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