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Donnerstag, 23. Mai 2019,
Deutlich modernisierter Kleinwagen kommt auch vollelektrisch

Neuer Peugeot 208 und e-208: Gut gesummt, Löwe

Offensive aus Frankreich: Nicht nur Renault, sondern auch Peugeot zeigt auf dem Genfer Salon die nächste Kleinwagen-Generation. Der neue Peugeot 208 wird nicht nur viel schöner und moderner als bisher, sondern kommt sogar in einer vollelektrischen Variante: sympathisch mit gleichem Design, alltagstauglich in Leistung und Reichweite – und nicht irgendwann, sondern im Herbst.
Peugeot
Ganz neu und auch vollelektrisch:
Der Peugeot 208 II erscheint im Herbst 2019
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Mehr Absatz, mehr Umsatz, mehr Gewinn: Bei Peugeot laufen die Geschäfte gut. Das hat nicht nur mit offenbar wirkungsvollen Strategien und Sparmaßnahmen aus dem sog. Push-to-Pass-Plan des PSA-Konzerns zu tun, sondern vor allem mit guten Autos. Gut im Sinne von ansprechend gezeichnet und technisch vernünftig umgesetzt.

Wenn man sich den neuen 208 anschaut, den die Löwenmarke in der nächsten Woche in Genf erstmals in natura zeigen wird, sieht man dieses Konzept der Höherpositionierung erfolgreich fortgeführt. Schon auf den ersten Blick wirkt die zweite 208-Generation viel satter, selbstbewusster, detailverliebter und hochwertiger als die erste.

Das Design ist rundum kantiger und klarer geworden. Beispielhaft hierfür stehen die nach hinten gerückte Windschutzscheibe, die einen Verzicht auf das Dreiecksfenster und den merkwürdigen Schwung der Fensterlinie in den vorderen Türen ermöglicht, und die besser geformten Türausschnitte vor allem hinten.

Die Abschaffung der Verblendung in der C-Säule macht diese massiver, ermöglicht eine stärker dreieckige Form und verleiht dem Wagen so merklich mehr optische Präsenz. Die Proportionen haben auch durch ein Längenwachstum von sieben Zentimetern bei einer um vier Zentimeter verringerten Höhe merklich profitiert.

Die bisher an mehreren Stellen sozusagen ausgefranzten Scheinwerfer hat Peugeot begradigt, horizontaler gestellt und verkleinert, gleichzeitig dem Grill eine klarere Struktur und mehr Höhe spendiert und die Frontschürze auf bullig getrimmt. Während Peugeot die Waschdüsen endlich unter die nun flacher stehende Motorhaube verlegt hat, reicht diese nicht mehr bis an den Kühlergrill heran, womit eine unnötige Spalte entsteht. Das Markenemblem sitzt nun im Grill, auf der Haube findet sich zentral ein 208-Schriftzug.

Als Tagfahrlicht dient einerseits die markentypische Drei-Streifen-Signatur, andererseits eine aus dem Scheinwerfer in den Stoßfänger reichende Verlängerung des äußeren Streifens, ähnlich der Gestaltung im 508. In dieser Redaktion kam insoweit sogleich die Diskussion auf, ob man den unteren Teil wohl mechanisch oder per Codierung ausschalten könne, um dem an sich angenehm eleganten Auto die deplatzierte Aufdringlichkeit zu nehmen.

Am Heck fällt neben der neuen Scheibenform und ihrer flacheren Positionierung vor allem die neue Kennzeichenposition (Schürze statt Klappe) ins Auge, außerdem findet sich der u.a. vom 508 bekannte schwarze Streifen mit Peugeot-Schriftzug, der seitlich übergangslos in die Leuchten mündet und die Klappe optisch in zwei Hälften teilt. Bisher liegen nur Bilder der Topmodelle GT-Line und GT vor, die sich vor allem dank schwarzer Radhausverkleidungen extra-chic präsentieren.

Im Interieur bleibt es beim sog. i-Cockpit mit hochgesetzten Instrumenten und kleinem Lenkrad. Die Anzeigen sind jetzt aber digital ausgeführt und optisch präsenter arrangiert. Der zentrale Touchscreen ist in der Basis mickrige fünf Zoll klein, was Peugeot auf keinen Fall im Bild zeigen mag. Je nach Optionen und Ausstattungslinie wächst der Bildschirm aber auf sieben und sogar auf feine zehn Zoll - mehr als es die VW-Konzernmarken inklusive Audi selbst eine Klasse höher bieten können.

In Sachen Assistenzsysteme bietet der neue 208 (teilweise optional) einen Abstandstempomaten mit Stauassistent (bei 8-Gang-Automatikgetriebe), einen aktiven Spurhalteassistenten, eine aktive Tote-Winkel-Überwachung, einen Notbremsassistenten mit Fahrradfahrer- und Fußgängererkennung, einen Fernlichtassistenten und einen Müdigkeitswarner, außerdem eine erweiterte Verkehrsschilderkennung und einen Parkassistenten, der bei Automatik-Fahrzeugen nicht wie andernorts teilweise, sondern gleich vollständig automatisch einparkt. Die Handbremse ist elektrisch ausgeführt, auch hier ist Peugeot vielen Konkurrenten voraus.
Alltagstauglicher Elektro-Kleinwagen ohne Chichi
Details zu den Motoren gibt es noch nicht - es handelt sich um die bekannten Aggregate aus dem Konzernregal. Spannender ist, dass Peugeot den 208 auch als vollelektrische Variante anbieten wird. Während bei VW & Co. ein E-Kleinwagen frühestens in zwei Jahren erwartet werden darf, wollen die Franzosen den e208 zusammen mit allen anderen Versionen in diesem Herbst einführen.

Sie verzichten dabei auf ein eigenständiges Modell wie Renault Zoe oder künftige I.D.-Stromer von Volkswagen, sondern bauen die Technik einfach in den normalen 208 ein. Dessen neue Plattform CMP ist nämlich nicht nur leichter und besser in Sachen Vibration und Lärm, sondern auch flexibel genug, den E-Antrieb und die Akkus zu integrieren - und das ohne Platzverlust im Innen- und Kofferraum. Das klingt prima und lässt einmal mehr die Frage aufkommen, warum VW für Elektroautos eine eigene Plattform und vor allem ein so spezielles markenuntypisches Design vorsieht.

Zurück zum e-208: Der gibt sich optisch abgesehen von einem in Wagenfarbe lackierten Kühlergrill-Gitter und E-Plaketten an Heck und C-Säule erst gar nicht als Stromer zu erkennen. Seine Leistung beträgt 100 kW entsprechend 136 PS, was angesichts des ab dem Stillstand verfügbaren Drehmoments (260 Nm) als ausreichend angesehen werden kann. Die Standard-Beschleunigung soll so in 8,1 Sekunden gelingen, die Höchstgeschwindigkeit hat Peugeot noch nicht mitgeteilt. Drei verschieden starke Rekuperationsstufen lassen sich wählen.

Die Akkus haben eine Kapazität von 50 kWh und sollen so eine Reichweite von 340 Kilometern (WLTP-Norm, NEFZ-Vergleichswert: 450 km) ermöglichen. Peugeot gewährt für die Batterie acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie bezogen auf 70 Prozent der Ladekapazität. Das Laden des Akkus dauert zwischen 30 Minuten (auf 80 Prozent Kapazität an einer 100kW-Ladesäule) bis 16,5 Stunden (vollständig an einer Haushaltssteckdose).
Erfolg des neuen 208 scheint programmiert
Fazit: Der 208 wirkt optisch wesentlich besser als bisher und auch für sich genommen im aktuellen Wettbewerbsfeld gut gelungen, zumal in den höherwertigen GT-Varianten. Assistenztechnik und Multimedia-Ausstattung sind auf dem aktuellen Stand, Digitalcockpit und elektrische Handbremse Standard. Der im gleichen Auto realisierte Elektroantrieb mit 136 PS und 340 km Reichweite ist alltagstauglich und der Konkurrenz voraus. Damit hat der neue 208 beste Chancen, Peugeots aktuelle Entwicklung sogar zu forcieren: Mehr Absatz, mehr Umsatz, mehr Gewinn. Gut gebrüllt, Löwe - äh, gesummt.
Leserbrief Autokiste folgen date  27.02.2019  —  # 12890
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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