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Sonntag, 20. Oktober 2019,
Produktionsstart für den i4 im Jahr 2021

BMW: 200 Millionen Euro für Stammwerk-Umrüstung

Die meisten Autobauer sind total elektrisiert von der angeblich tollen Zukunft mit Elektromobilität. Entsprechend wird inzwischen auch hierzulande viel Geld in die Hand genommen, um die Autos von morgen zu ermöglichen. BMW modernisiert dafür nun erneut das Stammwerk.
BMW: 200 Millionen Euro für Stammwerk-Umrüstung
BMW
Zusätzlich zum neuen Dreier (Bild) baut
BMW in München ab 2021 auch den elektrischen i4
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Kaum ist der Produktionsanlauf der neuen 3er-Reihe bei BMW in München geschafft, da haben die Planer den nächsten im Blick. Ab 2021 soll dort der i4, das mutmaßlich erste vollwertige E-Auto der Münchner, vom Band laufen. Hierfür werde man 200 Millionen Euro in den Aus- und Umbau des Werkes investieren, kündigte das Unternehmen heute an.

BMW verfolgt die Strategie, vollelektrische Fahrzeuge gemeinsam mit Plug-In-Hybriden und konventionell angetriebenen Modellen auf ein und derselben Produktionslinie herzustellen, statt separate Fertigungsstrukturen für E-Autos aufzubauen. "Ein zukunftsfähiges Produktionssystem besitzt ein Höchstmaß an Flexibilität, um auf Volumenschwankungen und heute noch nicht konkret vorhersehbare Marktentwicklungen reagieren zu können", sagte Robert Engelhorn im Rahmen eines Pressegesprächs in München. Der 48jährige, erst seit wenigen Monaten Chef des Münchner Werks, bezeichnete die Integration eines vollelektrischen Fahrzeugs in ein bestehendes Produktionssystem bei laufender Fertigung als "echte Herkulesaufgabe".

Vor allem im Karosseriebau und in der Fahrzeugmontage erfordere die Integration des i4 umfangreiche Maßnahmen. So unterscheide sich das Karosseriekonzept ganz erheblich von den Architekturen der bislang im Werk München produzierten Modelle. Beispielsweise benötige der Hochvoltspeicher, wie PR-Leute den Akku nennen, im Karosseriebau eine nahezu komplett eigenständige Bodengruppe samt Hinterbau. Aufgabe der Planungsspezialisten sei es nun, die komplex verketteten Produktionslinien so zu gestalten, dass die mehr als 1.000 Roboter nicht nur die Karosserien des BMW 3er, 4er und M4 im Minutentakt fertigen können, sondern zugleich die Spezialkarosserie des i4.

Auch die Montageplanung sieht sich den Angaben zufolge vor "massive Herausforderungen" gestellt. Um die Batterie einbauen zu können, müssen die Planer umfangreiche und platzintensive Förder- und Anlagentechnik in der ohnehin beengten Münchner Werkshalle unterbringen. Auch die Bereiche Logistik und Materialversorgung sind betroffen. Weil sich zahlreiche i4-Komponenten von den "normalen" Bauteilen unterscheiden, wollen zusätzliche Varianten und Warenströme beherrscht sein.

Bereits der neue 3er mit seiner gestiegene Komplexität hatte die Planer in den letzten drei Jahren zu mehr als 700 Millionen Euro teuren Aus- und Umbauarbeiten bewegt. Darunter ist auch eine völlig neue, flexiblere und umweltfreundlichere Lackierstraße für rund 220 Millionen Euro. Nach Abschluss der nunmehr angekündigten Arbeiten sei das Werk dann absolut "state-of-the-art", hieß es.

Das Werk München, am Olympiapark in direkter Nachbarschaft zu Konzernzentrale, Museum und "BMW-Welt" gelegen, ist das Stammwerk der BMW Group. Die Produktion startete im Jahr 1922. Aktuell laufen in München bis zu 1.000 Autos pro Tag vom Band, darunter Limousine und Kombi der 3er-Reihe und das 4er Coupé. Außerdem bauen die rund 8.000 Mitarbeiter aus mehr als 50 Nationen hier Motoren mit drei, vier, sechs, acht und zwölf Zylindern.
Leserbrief Autokiste folgen date  11.12.2018  —  # 12812
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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