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Freitag, 22. März 2019,
Zukünftige Anforderungen für VW Up & Co. zu teuer

VW erwägt offenbar Zukunft ohne Kleinstwagen

Die diversen regulatorischen Vorgaben für Autobauer werden nicht nur den Antriebsmix und die Variantenvielfalt in den nächsten Jahren nachhaltig beeinflussen, sondern womöglich auch ein Aus für ein ganzes Segment bedeuten. Einem Bericht zufolge etwa plant VW für die Zukunft ohne die Kleinstwagen.
VW erwägt offenbar Zukunft ohne Kleinstwagen
Volkswagen
Möglicherweise ohne Nachfolger bleiben
der VW Up und seine Schwestermodelle
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Mit schärferen CO2-Grenzwerten drängt die EU viele Klein- und Kleinstwagen trotz geringem Spritverbrauch ins Abseits. Um Strafzahlungen wegen Nichteinhaltung der künftigen Emissionsziele zu vermeiden, will der Volkswagen-Konzern einem Bericht der Branchenzeitung Automobilwoche zufolge die Kleinstwagen VW Up, Škoda Citigo und Seat Mii im Jahr 2022 ohne direkte Nachfolger einstellen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Zeitung darüber mit dem früheren VW-Aufsichtsratschef Ferdinand K. Piëch gesprochen hat, der nach langer Zeit erstmals wieder als Zitategeber auftaucht. Piech sagte "Kunden, die ein kleines Einkommen haben, aber für den Konzern brennen, für diese Kunden wird es schwierig."

Das Problem skizziert Ralf Kalmbach, Partner bei der Unternehmensberatung Bain & Company: "Eine stark verbesserte Abgasreinigung von Benzin- und vor allem Dieselmotoren wäre in diesem Segment zu kostspielig, die Elektrifizierung des Antriebsstrangs erst recht." Drohende Strafzahlungen der EU ließen sich bei den preisgünstigen Cityflitzern ebenfalls kaum an die Kunden weitergeben.

Die Entwicklung dürfte bei VW nicht halt machen. Auch Fiat Panda, Renault Twingo oder Ford Ka oder das Kleinstwagen-Trio von Peugeot/Citroen und Toyota könnten betroffen sein. Peugeot hatte erst kürzlich mitgeteilt, dass das bisher als Gemeinchaftsunternehmen betriebene Produktionswerk für die Kleinstwagen in Tschechien 2021 komplett an Toyota geht. Opel stellt Adam und Karl wie berichtet ebenfalls ein.

Zulieferer wie Handel sorgen sich: "Die Abrufzahlen für Bauteile aus diesem Segment werden uns natürlich schmerzlich fehlen", zitiert die Zeitung den Chefstrategen eines langjährigen VW-Partners. Ein norddeutscher VW-Händler sagte: "Da wird uns wichtiges Geschäft wegbrechen. Was sollen all die Pizzabäcker, Pflegedienste und Stadtboten denn in ein paar Jahren kaufen, die derzeit auf Stadtminis wie den VW Up angewiesen sind?" 2017 verkaufte der VW-Konzern nach KBA-Zahlen knapp 57.000 Kleinstwagen.
Leserbrief Autokiste folgen date  10.12.2018  —  # 12811
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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