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Freitag, 22. Februar 2019,
Neue Minutenpreise orientieren sich an Standort und Tageszeit

Car2Go: Neue Preisstruktur mit Aufschlag

Überraschend kam die Ankündigung nicht, wohl aber kurzfristig: Daimler ändert die Preise für den CarSharing-Dienst Car2go. Künftig sind die Tarife nicht mehr starr, sondern fast so free-floating wie das Konzept allgemein – und im Mittel teurer.
Car2Go: Neue Preisstruktur mit Aufschlag
Daimler
Car2Go richtet die Minutenpreise künftig an
Standort und Tageszeit aus, insgesamt wird es teurer
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Daimler hat am Mittwoch in Stuttgart eine neue Preisstruktur für Car2Go angekündigt, die bereits an diesem Donnerstag in Kraft tritt und den Kunden bisher nicht per Mail kommuniziert wurde. Der bisherige starre Minutenpreis wird durch ein flexibles Preissystem ersetzt, das sich an der Tageszeit und dem Standort des Fahrzeugs orientiert. Wer also etwa zur Mittagszeit in Berlin-Mitte ein Fahrzeug benötigt, zahlt mehr als nachts in Steglitz.

Zur Begründung verweist Daimler auf die Unrentabilität von Fahrzeugen, die in gebieten mit geringer Nachfrage abgestellt werden. Vor diesem Hintergrund hatte das Unternehmen in der Vergangenheit bereits in einigen Städten das Geschäftsgebiet verkleinert und damit Tausende von Menschen an ihrem Wohnort oder Arbeitsplatz von der Nutzung ausgeschlossen. Dieses Mal soll ein ähnlicher Effekt über marktwirtschaftlichere Instrumente erreicht werden.

Weil durch geringere Preise in den "schlechten" Gebieten möglicherweise mehr angemietet und die Autos so wieder in die "besseren" gebiete gebracht werden, hält man die Neuerung bei car2Go für attraktiv auch aus Kundensicht. Die Gesamtverfügbarkeit steige, heißt es.

Um die günstigeren Preise auszugleichen, steigen die Minutenpreise für Autos in Gebieten mit hoher Nachfrage abhängig von der Tageszeit an. In Stadtteilen und zu Tageszeiten mit ausgeglichener Nachfrage wird es einen mittleren Minutenpreis geben, der in etwa dem bisherigen, festen Minutenpreis entspricht. Dadurch ergibt sich für jedes Fahrzeugmodell eine flexible Preisspanne aus niedrigem, mittlerem und höherem Preis.

Natürlich bemüht sich der Anbieter, die neuen Preise schönzureden. So sei der vergünstigte Tarif "bis zu 20 Prozent" günstiger als bisher, heißt es, während der erhöhte Preis "um wenige Cent" über dem alten läge. Tatsächlich war etwa der Smart Fortwo bisher für 24 Cent pro Minute zu haben, künftig liegt der Sparpreis bei 19 Cent (-20%), der mittlere bei 26 (+8%) und der hohe bei 31 (+30%). Für den Smart EV betragen die Minutenpreise 0,24/0,29/0,34 Euro, die Mercedes A-Klasse kostet statt 31 zwischen 28 und 38 Cent, und die weiteren Mercedes (B-Klasse, CLA, GLA) gibt es für 31 bis 39 Cent (bisher 34) die Minute. Alle Preise gelten deutschlandweit.

Die aktuellen Kosten werden natürlich in der Car2Go-App angezeigt, wobei Autos mit reduziertem Preis speziell gekennzeichnet werden, nicht aber die teuren. Die Preise gelten jeweils für die gesamte Mietdauer, so dass findige Nutzer künftig wohl einen proforma-Zwischenstopp mit Mietende und direkt neuer Miete einlegen werden, wenn sie von einem nachfragestarken in ein nachfrageschwaches Gebiet unterwegs sind. Die Preise für die Packages oder andere Gebühren wie beispielsweise die Flughafengebühr oder die Drop-off-Fee bleiben unverändert.
Nachtrag, 30.11.: Am Abend des ersten Tages der Gültigkeit der neuen Preise hat Car2Go denn auch die Kunden informiert. In diesem Mailing wird ebenfalls überwiegend suggeriert, die Preise würden fallen.
Leserbrief Autokiste folgen date  29.11.2018  —  # 12802
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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