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Donnerstag, 15. November 2018,
SUV auf Polo-Basis kommt Anfang 2019

VW T-Cross: Knuffig, der Kleine

Spät dran sein und dann den Markt von hinten aufzäumen: VW verfolgt weiter sein bekanntes Konzept. Neuester Spross ist der T-Cross. Genaugenommen nicht viel mehr als ein aufgebockter Polo, macht das Auto bei der ersten Begegnung Freude und verspricht ein neuer Bestseller zu werden.
Volkswagen
Dem nach wie vor wachsenden SUV-Boom begegnet VW nach Touareg,
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Ungewöhnlich gute Pressefotos, keine dutzendseitenlangen Marketingtexte, Reflektorband am Heck, Weltpremiere an drei Orten an einem Tag, Instagram-Frauenpower von Cara Delevingne mit schlappen 41+ Mio. Followern als Werbegesicht - schon am ersten Tag macht der T-Cross manches anders als bisher von VW gewohnt.

T-Cross, das ist das neueste SUV aus dem Konzern. Unterhalb des T-Roc angesiedelt, basiert es auf dem Polo, wird auch mit diesem zusammen im spanischen VW-Werk Navarra gebaut, und ist das Schwestermodell des Seat Arona. Das mag nicht allzu spannend klingen, aber dem ersten Eindruck nach hat VW hier ein glückliches Händchen bewiesen, denn das Auto wirkt in der nach wie vor für viele wichtigsten Disziplin gelungen, sprich: ansehnlich. Das hat einerseits damit zu tun, dass die ersten Bilder natürlich allesamt die teure und besonders schicke R-Line in einer frischen Lackfarbe zeigen, andererseits aber auch damit, dass die Designer hier offensichtlich eine solide Arbeit im Rahmen der Markenvorgaben abgeliefert haben. Kurz: Der T-Cross sieht unspektakulär, aber gut aus.

Bei einer Gesamtlänge von 4,11 Metern überragt der T-Cross den Polo um etwa sechs Zentimeter bei identischem Radstand von 2,56 Metern. Die Höhe liegt bei 1,56 Metern und damit zehn Zentimeter über Polo-Niveau. Auch die Assistenzarmada übertrifft den Polo-Standard: Sowohl Notbremsassistent als auch Spurhalteassistent, Spurwechselassistent inklusive Querverkehrswarner und sogar das proaktive Insassenschutzsystem sind stets serienmäßig. Optional können der Abstandstempomat, die Parkautomatik, ein Fernlichtassistent und der Müdigkeitshinweis bestellt werden.

Das Interieur des T-Cross gibt sich nicht ganz so cool wie das Äußere, basiert natürlich ebenfalls auf dem Polo. Hier wie dort gibt es Digitalinstrumente gegen Aufpreis, ein 6,5-Zoll-Radio ist Standard, das Navi streckt sich auf maximal acht Zoll, und die Handbremse ist manuell ausgeführt. Für Variabilität im Innenraum und praktischen Mehrwert zum Polo (und Arona) sorgt die um 14 Zentimeter verschiebbare Rücksitzbank - wahlweise für mehr Beinfreiheit im Fond oder mehr Gepäckraumvolumen. Der Laderaum fasst entsprechend zwischen 385 und 455 Liter (Polo: 351 Liter). Bei umgeklappter Rücksitzbanklehne (60:40) können maximal 1.281 (1.125) Liter geladen werden.

Bei den Motoren bleibt VW konventionell: Die Basis bildet der Dreizylinder-TSI mit 95 oder 115 PS, Spaßmacher ist allein der 1,5 TSI mit 150 PS aus vier Zylindern. Auf der Diesel-Seite gibt es nur den 1,6 TDI, der doch eigentlich auslaufen soll, und das auch nur mit 95 PS. Während die schwächste Variante tatsächlich noch mit Fünfganggetriebe geliefert wird, ist das Topmodell stets an das 7-Gang-DSG gekoppelt; die beiden anderen Varianten gibt es wahlweise mit sechs manuellen oder sieben automatischen Gängen. Im Übrigen gilt das Kiss-Prinzip, keep it simple: Hybrid, Erdgas, GTI, Allrad - alles nicht zu haben.

VW verkauft den T-Cross in drei Ausstattungslinien. Die namenslose Basis ist dabei karg ausstaffiert, crosst unklimatisiert und auf Stahlfelgen daher. In der mittleren Variante mit dem laaaaangweiligen Namen "Life" gibt es zusätzlich Parksensoren, Multifunktionslenkrad (Plastik), 16-Zoll-Aluräder, manuelle Klima, 8-Zoll-Radio und einen variablen Ladeboden im Kofferraum. "Style" schließlich zeichnet sich im Wesentlichen durch LED-Schweinwerfer, Klimaautomatik und 17-Zöller aus und verfeinert das kleine Wägelchen zudem mit Nebelleuchten, Lederlenkrad, Ambientebeleuchtung und besseren Sitzen. Mit Extras wie Panoramadach, Navi und schlüssellosem Zugang wird der T-Cross dann schon ein Großer - "nicht wirklich" natürlich, aber zumindest begehrenswert. Darüber thront noch die R-Line mit vor allem optischen Zugaben u.a. beim Design der Schürzen, Schweller und Räder.

Markteinführung für den T-Cross ist Anfang 2019. Wer das Wägelchen dann haben möchte, muss mindestens 18.000 Euro parat haben. Damit ist die Basis beim T-Cross ungefähr identisch positioniert zum Polo als Comfortline. Vorauszusagen, dass sich die Kunden ganz überwiegend für den T-Cross entscheiden werden, ist nicht schwer: SUVs sind en vogue, der Polo ist in der Neuauflage überraschend blass geraten, und der ausstattungsbereinigt kaum günstigere Arona fällt optisch zurück. Vor allem aber: Der T-Cross wirkt knuffig. Die coole Cara, die notabene Rechtslenker gewöhnt ist und womöglich daher alle Mühe hatte, das Showstück kratzerfrei von der Bühne zu zirkeln, wird ihn im "real life" kaum kaufen, aber wenn: genau so wie auf den Bildern.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB