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Montag, 23. Juli 2018,
Schickes Design trifft mehr Leistung und Ausstattung

Neuer Suzuki Jimny: Einfach, gut

Endlich kommt ein neuer Jimny. Suzuki hat sein Geländewägelchen deutlich überarbeitet. Wenn im Herbst die neue Generation anrollt, wird sie stärker und sicherer sein, vor allem aber wesentlich schöner. Der Jimny schert sich auch künftig nicht um Premium, aber er wird wieder sympathisch.
Suzuki
Der neue Suzuki Jimny
gibt sich künftig wieder markant
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"Hat das Mädel ein bisschen Gefühl für den 'Way of Life', würde sie beim Jimny die Nase rümpfen, zumal bei der heute nur noch angebotenen geschlossenen Version." Launisch geht es zu in unserem Suzuki-Fahrbericht von vor zwei Jahren, an den wir uns wieder erinnern, als Suzuki die Unterlagen zum neuen Jimny schickt. Wir waren damals verwöhnt, weil wir zuvor die Jimny-Vorgänger LJ und Samurei durchs hessische Hinterland zirkeln durften, die klar mehr Charakter aufweisen als der etwas arg lieblos-billige Jimny.

Zurück in die Zukunft, zum neuen Jimny, der aussieht, als hätte man den Vorgänger mit G-Klasse und Jeep gekreuzt. Klingt nicht einladend, sieht aber gelungen aus, zumal im Vergleich mit dem aktuellen Modell, dem das Facelift die falsche Richtung gegeben hatte. Mehr als bisher ist der Jimny künftig wieder ein Typ mit klarer Kante, der für Hingucker sorgen dürfte.

Wesentliche Kennzeichen sind die aufgesetzte Motorhaube, der stets schwarze und vertikal ausgerichtete Kühlergrill mit den Rundscheinwerfern, die dicken Radhäuser, der betont rechteckige Aufbau, der Schwung in der Fensterlinie vor den Außenspiegeln, die Wasserablaufrinnen an den Dachrändern und die nun wieder komplett in der Heckschürze integrierten Rückleuchten.

Im Übrigen bleibt der Jimny seinem Konzept treu: Von Premium ist er so weit entfernt wie das Suzuki-Hauptquartier von Wolfsburg, was aber nicht schlimm ist, weil er auch nicht vorgibt, edel, premium oder "in" zu sein. Das ist ebenso sympathisch wie die Abwesenheit von "Kult"-, "Klassiker-" oder ähnlichen Worthülsen im Pressetext der deutschen Suzuki-Gesellschaft.

Wer einen Jimny kauft, muss also auch künftig mit billigen Klapptürgriffen und langer Antenne, mit sichtbaren Waschdüsen und angerautem Kunststoff am Armaturenträger leben, ebenso mit Handschuh-tauglichen Schaltern, manueller Handbremse oder "Glühobst" in den meisten Lampen klarkommen.

Im Gegenzug gilt natürlich: Was nicht da ist, kann schon nicht kaputt gehen, und wer dem Jimny nicht auf der Kö ausfahren will, sondern lieber droben auf dem Berg, der wird sich dafür kaum interessieren. Auf den Berg, über die nasse Wiese, den verschneiten Weg herauf oder Ähnliches meistert der Jimny dabei nicht so gut wie die fünfmal so teuren echten Geländewagen, wohl aber erstaunlich weit und gut. Es bleibt beim Konzept mit (nun verstärktem) Leiterrahmen, Starrachsen und auch dem zuschaltbaren Allradantrieb "ALLGRIP PRO" mit Geländeuntersetzung. Per von Hand betätigtem Wählhebel, der direkt mit dem Verteilergetriebe verbunden ist, kann der Fahrer zwischen Zweirad- (2H), Allradantrieb (4H) und Untersetzung (4L) wechseln. Berganfahr- und Bergabfahrassistent erleichtern das Handling. Der Böschungswinkel beträgt vorne 36 und hinten 48 Grad, der Rampenwinkel liegt bei 27 Grad.

Motorseitig stehen - formuliert in Abwandlung von Henry Fords Farbphilosophie - alle Varianten zur Wahl, wenn es denn ein 1,5-Liter-Benziner sein darf. Der Vierzylinder pfeift auf Turboaufladung, Downsizing, Direkteinspritzung oder andere Zutaten modernen Triebwerkbaus, dürfte dafür aber anspruchslos und langlebig sein. Die Leistung liegt bei 102 PS, das maximale Drehmoment beträgt 130 Newtonmeter bei 4.000 Umdrehungen. Das sind etwa 20 PS und 20 Nm mehr als beim bisherigen 1,3-Liter-Aggregat. Die Kraftübertragung übernimmt ein manuelles Fünfganggetriebe oder optional eine optimierte, aber weiter nur vierstufige Wandlerautomatik, die in einem solchen Auto schon auf dem Papier fehl am Platze wirkt.

Erstaunlich mehr als bisher kümmert sich der Jimny um die Sicherheit. So sind in der neuen Generation sechs Airbags ebenso Standard wie Notbremsassistent, automatische Fernlichtschaltung, passiver Spurhalteassistent, Lichtsensor, Nebelscheinwerfer, Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer und sogar als erstem Suzuki überhaupt eine Verkehrszeichenerkennung - und das alles serienmäßig bereits im Basismodell. Es nennt sich "Comfort", was nicht ganz verkehrt ist, denn immerhin sind auch manuelle Klimaanlage, Sitzheizung, CD-Radio, DAB+-Empfang, Bluetooth-Funktionalität und Multifunktionslenkrad an Bord.

Das Topmodell mit dem einfallslosen Beinamen "Comfort+" bietet darüberhinaus Navigationssystem, Klimaautomatik, Lederlenkrad, Scheinwerfer-Reinigungsanlage, Privacy Glass, schwarz lackierte Außenspiegel, (15 Zoll kleine) Aluräder und nicht zuletzt Voll-LED-Scheinwerfer.

Bleibt die Frage, was der Jimny denn künftig kostet. Mehr als bisher, so viel ist klar, doch Zahlen mag man bei Suzuki noch nicht herausrücken. Zeit also zum Träumen: Das eingangs erwähnte Mädel, wenn es halbwegs unkompliziert ist, wird den neuen Jimny mögen. Und vielleicht mit ihm und seinem Eigner am Sommerabend über den Waldweg und dann quer über die Wiese bis hinunter zum See fahren. Sie werden ein Bildchen für Instagram machen und an alles denken, nur nicht an Premium.

[Liebe Mädels: Gedanklich geht das fraglos auch andersherum, sprachlich nicht so.]

Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date  06.07.2018  —  # 12629
text  Hanno S. Ritter
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