Das unabhängige Portal rund um Automobil & Verkehr
Montag, 19. November 2018,
Massive Grenzwert-Unterschreitung ohne großen Aufwand

Bosch: Wir haben Diesel-Problem gelöst

Während Fragen nach der Rolle von Bosch in der Diesel-Krise größer werden, verkündet der Zulieferer heute: Wir haben das Stickoxid-Problem gelöst. Und zwar gleich um fast den Faktor 3, bestenfalls fast 10.
Bosch: Wir haben Diesel-Problem gelöst
Bosch
"Diesel-Problem gelöst": RDE-Messfahrzeug
von Bosch auf Testfahrt nahe einer Luftmessstation in Stuttgart
ANZEIGE
"Der Diesel hat Zukunft. Heute wollen wir die Debatte um das Ende des Diesels endgültig ad acta legen." Es sind selbstbewusste Töne, mit denen Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner heute bei der Bilanzvorlage des Unternehmens einen entscheidenden Durchbruch in der Diesel-Technik verkündete.

Während Diesel-Pkw nach der künftigen Abgasnorm EU6d-temp maximal 168 mg Stickoxid im realen Betrieb (RDE) ausstoßen dürfen, erreichen Pkw mit der neuesten Diesel-Technik des Hauses laut Bosch heute schon den Rekordwert von 13 Milligramm pro Kilometer bei gesetzlich genormten RDE-Fahrten. Bosch übersetzt das in "ein Zehntel des ab 2020 gültigen Grenzwertes" von 120 mg, was ebenso erstaunlich wie blöd gerechnet ist. Selbst bei besonders herausfordernden Stadtfahrten, deren Testparameter deutlich über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen, sollen die Werte der Bosch-Testfahrzeuge bei durchschnittlich nur noch 40 Milligramm pro Kilometer liegen.

Der entscheidende technische Durchbruch sei den Entwicklern in den vergangenen Monaten gelungen, heißt es. Mittel zum Zweck sind den Angaben zufolge nicht zusätzliche, womöglich teure Komponenten, sondern lediglich eine Kombination aus ausgeklügelter Einspritz-Technik, neu entwickeltem Luftsystem und intelligentem Temperaturmanagement. Die Stickoxid-Emissionen könnten damit nun unter dem Grenzwert bleiben - in allen Fahrsituationen: "Egal ob der Fahrer stark beschleunigt oder langsam fährt, ob es draußen Minusgrade hat oder Sommerhitze, ob die Messung auf der Autobahn oder im zähfließenden Stadtverkehr stattfindet", sagt ein Bosch-Sprecher.

Die Technik ist laut Bosch trotz der erst kürzlich erfolgten Entwicklung serienreif und stehe den Kunden ab sofort zur Verfügung. Das alles hört sich zu gut und im Detail zu merkwürdig an, um wahr zu sein, mag man denken. Eine halbwegs belastbare Einordnung ist uns derzeit noch nicht möglich - abwarten, was aus der erstaunlicherweise namenslosen Technik wird.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date  25.04.2018  —  # 12524
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB