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Freitag, 22. Juni 2018,
Verlängerung bis Ende Juni / Mobilitätsgarantie inbegriffen

VW: Umweltprämie wird Dieselprämie (aktualisiert)

Volkswagen verlängert die sogenannte Umweltprämie um weitere drei Monate bis Ende Juni 2018. Gleichzeitig wird aber auch die Ausrichtung der Gute-Luft- bzw. Verkaufsförderungs-Maßnahme geändert: Aus der Umweltprämie wird die Dieselprämie – und die ist bei näherer Betrachtung eine Frechheit.
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Der Volkswagen-Konzern gewährt weiterhin Rabatt für alle Privat und kleinen Gewerbekunden, die einen Diesel-Pkw der Abgasklasse Euro1 bis einschließlich 4 nachweislich verschrotten lassen und sich anschließend ein neues Auto kaufen.

Wie bisher muss das Altfahrzeug mindestens sechs Monate auf den Käufer zugelassen gewesen sein. Die Prämie wird neben der Kernmarke VW auch von Audi, Seat, Skoda und VW Nutzfahrzeuge gewährt und beträgt modellabhängig zwischen 2.000 und 10.000 Euro. Sie lohnt also unter finanziellen Gesichtspunkten nur, wenn das Altauto auf dem freien Markt nicht noch mehr wert ist.

Anders als bisher muss das neu zu kaufende Auto künftig aber ein Diesel sein. Benziner, Erdgas-Modelle und Elektrofahrzeuge werden nicht mehr bezuschusst, jedenfalls nicht in Form der Umweltprämie. Die sog. Zukunftsprämie, die VW bei Erdgas- und Elektromodellen zusätzlich gewährt hat, wird - soweit ersichtlich - fortgeführt.

"Neben Fahrzeugen mit alternativen Antrieben tragen auch unsere modernen EU6-Dieselfahrzeuge maßgeblich zu einem umweltfreundlicheren Individualverkehr bei. Die heute verkauften EU6-Dieselfahrzeuge des Volkswagen-Konzerns gehören auch im Fahrbetrieb zu den saubersten am Markt. Daher fokussieren wir uns bei der erneuten Verlängerung der Umweltprämie auf den Diesel," kommentiert Fred Kappler, Leiter Konzernvertrieb, die Unternehmensentscheidung.

Der Diesel trage maßgeblich dazu bei, die ab 2020 geltenden, strengeren CO2-Grenzwerte von 95 g/km zu erreichen, so Kappler weiter. "Der Diesel ist und bleibt eine wichtige Säule in unserem Antriebsportfolio." Bei Überschreitung der Grenzwerte müssen Autohersteller künftig empfindliche Strafen bezahlen.

Mit der Verlängerung der Maßnahme setze man das Bemühen fort, einen nachhaltigen sowie schnellen und wirkungsvollen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität zu leisten, erklärte Volkswagen. Damit die Kunden auch trotz der aktuellen Diskussion um Fahrverbote, die perspektivisch auch für EU6-Modelle nicht ausgeschlossen werden können, zugreifen, hat sich VW ähnlich wie andere Autobauer ein "Mobilitätsversprechen" ausgedacht. Die Konditionen unterscheiden sich je nach Marke und sollen im April kommuniziert werden.

Ab wann die Fahrzeuge konform zur zukünftigen EU6d-TEMP-Abgasnorm ausgeliefert werden, lässt VW nach wie vor offen.
Nachtrag, 03.04.: Prämie für Autos mit ungewisser Zukunft
Nahezu alle Pkw mit Dieselmotor von VW entsprechen derzeit noch der Abgasklasse Euro 6b, bei VW als "EURO 6 W" bezeichnet, laut undatierter ADAC-Aufstellung sogar alle. Autos mit einer solchen Klassifizierung sind nur noch bis Ende August 2018 zulassungsfähig und sind künftig nicht unbedingt sicher vor Fahrverboten, weil sie im Realbetrieb deutlich mehr NOx ausstoßen dürfen als die neueren, nach Euro 6c oder besser 6d-TEMP zertifizierten Modelle. Euro 6b jetzt unbedarften Käufern noch mit einer Prämie schmackhaft zu machen, ist geschickter Abverkauf - aus Herstellersicht. Gegenüber den Kunden ist es, sagen wir, eine Frechheit.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB