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Montag, 19. Februar 2018,
Ex-Herstellerchef statt Ex-Minister

Bernhard Mattes wird neuer VDA-Präsident

Der VDA hat einen neuen Präsidenten gewählt. Bernhard Mattes wird künftig die Interessen der Autobranche in Deutschland vertreten. Er kennt die Verbandsarbeit gut – und dürfte weniger polarisieren als der Ex-Minister Matthias Wissmann, dem er folgt.
Bernhard Mattes wird neuer VDA-Präsident
Ford; VDA
Bernhard Mattes folgt auf
Matthias Wissmann als VDA-Präsident
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Der Vorstand des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) hat am Dienstag in Berlin Bernhard Mattes zum neuen VDA-Präsidenten gewählt. Die Wahl erflgte einstimmig. Mattes nimmt seine Tätigkeit am 1. März 2018 auf. Er wird damit Nachfolger von Matthias Wissmann, der den VDA nach fast elf Jahren mit Ende seines Vertrages verlässt.

Anders als der Jurist Wissmann, der aus der Politik kam - er bekleidete zwei Minitserämter in der Ära Kohl - und sich offen für Kernenergie einsetzte, ist der Wirtschaftswissenschaftler Mattes ausschließlich ein Mann der Wirtschaft. Er begann seine Laufbahn 1982 bei BMW, 1999 wechselte er zu Ford Deutschland, wo er 2002 Chef wurde und diese Position, zunächst als Vorstandsvorsitzener und nach der Umfirmierung als Geschäftsführer, bis Anfang 2017 behielt. Er ist auch Vizepräsident der Ford Motor Company. Mattes war von 2002 bis 2016 Mitglied des VDA-Vorstands und 2002 bis 2004 dessen Vizepräsident.

"Wir freuen uns, mit Bernhard Mattes einen ausgewiesenen Kenner der Automobilindustrie gewonnen zu haben", sagte der aktuelle VDA-Vizepräsident Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG. "Durch seine langjährige Erfahrung und internationalen Kontakte bringt er hervorragende Voraussetzungen mit, um die Arbeit des VDA erfolgreich fortzusetzen und unsere Branche überzeugend zu vertreten".

Mattes selbst erklärte, er freue sich auf die neue, spannende Aufgabe: "Unsere Industrie – Hersteller, Zulieferer sowie die Hersteller von Anhängern, Aufbauten und Bussen – steht in einem historischen Umbruch, der geprägt wird von den großen Trends der Elektrifizierung und Digitalisierung, des Autonomen Fahrens und neuer Mobilitätskonzepte, aber auch der Herausforderung weiterer Verbrauchs- und Emissionsreduzierung. Es geht darum, die internationale Wettbewerbsfähigkeit dieser Schlüsselbranche, die von zentraler Bedeutung für den Industriestandort Deutschland ist, zu sichern und auszubauen", so Mattes.

Zetsche dankte Wissmann für die "langjährige erfolgreiche und gute Zusammenarbeit": "Unter Ihrer Führung war der VDA ein kompetenter und zuverlässiger Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Medien. Ob in Berlin oder Brüssel – stets haben Sie die Interessen von Herstellern und Zulieferern glaubwürdig vertreten und der deutschen Automobilindustrie eine starke Stimme verliehen. Unter Ihrer Leitung hat der VDA zudem die Internationalisierung vorangetrieben und gerade den mittelständischen Zulieferern den Weg in neue Märkte geebnet."

Wissmann betonte die Steigerung der Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen von den VDA-Mitgliedsunternehmen um mehr als die Hälfte in seiner Amtszeit. Im stark gewachsenen Pkw-Weltmarkt (+52 Prozent) hätten die deutschen Hersteller einen Marktanteil von einem Fünftel. "Die Pkw-Auslandsproduktion wurde verdoppelt, gleichzeitig konnte die Inlandsproduktion stabil gehalten werden. Die Zahl der Beschäftigten im Inland ist heute mit 827.000 um 100.000 höher als 2007. All dies erfolgte vor dem Hintergrund einer massiven technologischen und weltwirtschaftlichen Veränderung." Wissmann sagte, er habe diesen Wandel mit Leidenschaft begleitet und unterstützt. Seinem Nachfolger wünschte er für "seine anspruchsvolle Aufgabe" eine glückliche Hand.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date  31.01.2018  —  # 12405
text  Hanno S. Ritter
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