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Sonntag, 18. Februar 2018,
Einsatz- und Patientenzahlen 2017 auf Vorjahresniveau

ADAC-Luftrettung: 150 Einsätze pro Tag

Kurz nach dem tragischen Unfall eines Rettungshubschraubers der Konkurrenz hat der ADAC seine Luftrettungs-Bilanz für das vergangene Jahr veröffentlicht. Die Zahlen bewegen sich in etwa auf Vorjahresniveau. Doch sie könnten deutlich steigen.
ADAC-Luftrettung: 150 Einsätze pro Tag
ADAC
ADAC-Rettungshubschrauber
vor der Berliner Gedächtniskirche
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Die Hubschrauber der ADAC-Luftrettung sind im Jahr 2017 zu rund 54.500 Notfällen gestartet. Damit blieb die Zahl der Einsätze gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Im Durchschnitt hoben die Crews in den Rettungshubschraubern (RTH) rund 150 Mal am Tag ab. Die Zahl der versorgten Patienten lag mit mehr als 49.000 ebenfalls annähernd auf Vorjahresniveau. Wie aus den heute in München veröffentlichten Zahlen weiter hervorgeht, legten die "gelben Engel der Lüfte" bei ihren oft lebensrettenden Einsätzen rund 3,6 Millionen Kilometer zurück, die durchschnittliche Einsatz-Flugzeit betrug etwa 30 Minuten.

Einsatzursache Nummer eins waren bei den Rettungseinsätzen mit fast 50 Prozent erneut internistische Notfälle wie akute Herz- und Kreislauferkrankungen. In je zwölf Prozent der Fälle wurden die Lebensretter zu neurologischen Notfällen (zum Beispiel Schlaganfall) sowie zu Freizeitunfällen (Sport- und häusliche Unfälle) gerufen. Bei zehn Prozent war ein Verkehrsunfall die Ursache. Die Rettungseinsätze machen etwa die Hälfte aller Einsätze aus, der Rest geht auf das Konto von Primärtransporten, Fehlalarmen und Sekundäreinsätzen.
Berliner RTH ist Weltmeister
Die Liste der Einsatzorte in den Bundesländern führt Bayern mit 12.971 Einsätzen an, hier befinden sich acht der insgesamt 37 ADAC-Luftrettungsstationen. Dahinter folgen Rheinland-Pfalz mit 7.325, Nordrhein-Westfalen mit 6.425 und Niedersachsen mit 5.381 Einsätzen.

Bei den Städten liegt Berlin vorne. Der dort stationierte "Christoph 31" flog in der Region zu 3.331 Notfällen - und ist damit laut ADAC der Rettungshubschrauber mit den weltweit meisten Luftrettungseinsätzen pro Tag. Die Einsätze in der Hauptstadt stellen die Crew dabei jeden Tag vor besondere Herausforderungen: "Starts und Landungen inmitten von Häuserschluchten und belebten Straßen gehören zu den schwierigsten überhaupt", erklärt der Geschäftsführer der ADAC-Luftrettung, Frédéric Bruder.
Mehr Einsätze bei Nacht wünschenswert
Eine Herausforderung für Mensch und Maschine sind auch Flüge in der Dämmerung. Bruder hält in der Zukunft eine Ausweitung der Betriebszeiten und damit deutlich mehr Flüge in der Dämmerung für unabdingbar. "In viel zu vielen Regionen in Deutschland entscheiden nach wie vor die Uhrzeit und der Wohnort über die schnelle lebensrettende Hilfe aus der Luft", kritisiert Bruder.

Bisher werden Rettungshubschrauber in den meisten Städten und Gemeinden nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang eingesetzt. Wer davor oder danach in Lebensgefahr ist, dem kann aus der Luft nicht geholfen werden.

Die nächtlichen Einsätze scheitern dabei in der Mehrheit nicht etwa an den technischen Voraussetzungen: Moderne Helikopter wie das neueste Muster der ADAC-Luftrettung, der H145, sind bestens für den Nachtflug mit speziellen Nachtsichtgeräten geeignet. Er wird bereits auf den Stationen in Köln, Senftenberg und Westfalen eingesetzt. Seit Januar fliegt er auch in Mainz, im Frühjahr kommt Ulm dazu. Auch der Vorgängertyp EC135 kann, auf etwas niedrigerem Niveau, nachts fliegen.

Vielmehr liegt die verbreitete Beschränkung aufs Luftretten bei Tageslicht am Nichtzustandekommen entsprechender Vereinbarungen mit den Kostenträgern und zuständigen Behörden. Beides ist Ländersache. Nur wenn die (unterschiedlich zuständigen) Ministerien der Länder Bedarf feststellen und eine Ausschreibung machen, kann der Betrieb zeitlich erweitert werden.
DRF-Unfall führt zu Betroffenheit
Die Bekanntgabe der Einsatzstatistik steht im Schatten des tragischen Flugunfalls bei Speyer, wo am Dienstag ein Rettungshubschrauber der DRF mit einem Kleinflugzeug kollidiert war. Vier Menschen starben. Bruder zeigte sich bestürzt von dem Unglück: "Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den Opfern, ihren Familien und allen Kolleginnen und Kollegen."

Die ADAC Luftrettung gGmbH ist mit mehr als 50 Hubschraubern an 37 Stationen eine der größten zivilen Luftrettungsorganisationen in Europa. Im Zuge der Reorganisation des Clubs gehört sie seit 2017 zur gemeinnützigen ADAC-Stiftung.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB