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Dienstag, 12. Dezember 2017,
Premiere in L.A. / Reduzierte Designsprache / Neue R6-Motoren

Neuer Mercedes CLS: Aller guter Dinge sind drei

Mercedes zeigt den neuen CLS. Die coupéhafte Limousine ist in ihrer dritten Generation dieses Mal nicht Vorreiter einer neuen Fahrzeuggattung, wohl aber für das Mercedes-Design der nächsten Jahre.
Daimler
"Sinnliche Klarheit": Der neue Mercedes CLS
kommt optisch viel besser daher als der alte
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Als Mercedes 2003 auf der IAA seine Vision CLS vorstellte, gab es Ahs und Ohs zuhauf. So ein Auto hatte man noch nicht gesehen, und auch wenn seine Bezeichnung als "viertüriges Coupé" damals wie heute fragwürdig ist, fanden viele Gefallen an dem Konzept. Nur ein Jahr später startete das kaum veränderte Serienmodell - wieder einmal hatten die Stuttgarter Mut bewiesen, ein Segment begründet, das diverse Nachahmer fand, später zunächst mit dem BMW X6 bekanntlich auch bei den SUVs.

Den CLS als Design-Ikone zu bezeichnen, wie es das Mercedes-Marketing tut, ist nicht ganz falsch - und entsprechend war es eine schwere Aufgabe, die zweite Generation zu zeichnen. Eine Aufgabe, die denn auch nicht recht geglückt ist: Der auslaufende CLS lässt die Klarheit und Eleganz des Ur-Modells klar vermissen, ganz so wie die alte E-Klasse (W 212), auf der er beruht. Am Mittwoch Abend nun hat der Autobauer auf der Messe in Los Angeles nun also den Nachfolger ins Rampenlicht gefahren, und man darf vorwegnehmen: Aller guten Dinge sind drei.

Der neue CLS - den der Nomenklatur folgend eigentlich anstehende Namenswechsel zu CLE hat Mercedes den solventen Kunden erspart - folgt der Designphilosophie der "Sinnlichen Klarheit". Damit führt Mercedes die mit den aktuellen Generationen von C-, E- und S-Klasse schon deutlich optimierte Exterieur-Gestaltung in die Zukunft: Künftig gibt es noch weniger Sicken und Kanten, die Flächen sind großzügig gewölbt, auf allzu plakative Details wird verzichtet. Der CLS ist der Vorreiter dieses Konzepts, die A-Klasse wird es in Kürze auch in erschwinglicheren Regionen fortführen.

Das Grundprinzip behält der CLS bei: Die überspannte hohe Bordkante und das geduckte Greenhouse mit rahmenlosen Seitenscheiben prägen den Auftritt. Vorne trägt der CLS den sich nach unten öffnenden und nach vorne geneigten Grill mit einer Zentrallamelle, was - je nach Sichtweise - an den Mercedes-AMG GT oder auch einen Ford Mustang erinnert, jedenfalls noch markanter wirkt als die bisherige Gestaltung etwa am S-Klasse-Coupé. Flankiert wird der Grill von schräg gestellten LED-Scheinwerfern mit eckigem, nun natürlich homogenem Tagfahrlicht. Zusammen mit der nicht mehr bis an die Scheinwerfer reichenden Motorhaube sorgt dies für einen deutlich gelungeneren Auftritt als die bisherige Front.

An der Seite entfällt die abfallende Sicke ebenso wie die Betonung der hinteren Radhäuser, dazu kommen besser angeordnete Türgriffe, schönere Außenspiegel und der Verzicht auf die Chromleiste oberhalb der Schweller. Auch am Heck entfällt der Chromschmuck, und natürlich trägt der CLS das Kennzeichen wie alle neueren Mercedes-Coupés und -Cabrios in der Heckschürze. Besonders einfallsreich ist das nicht, allerdings kann man dieser Gestaltung und Differenzierung ihren Reiz kaum absprechen. Erstmals beim CLS setzt Mercedes auf geteilte Rückleuchten, deren Innenleben als "kristallin" bezeichnet wird, als ob Skoda diese Begrifflichkeit nicht schön länger verwende. Serienmäßig fährt der CLS auf 18-Zoll-Rädern mit Mischbereifung vor. Der Luftwiderstandsbeiwert konnte auf Cw=0,26 gesenkt werden.

Im Innenraum fällt das Auge vor allem auf das volldigitale Instrumentenpanel, bestenfalls bestehend aus zwei horizontalen Displays unter einer gemeinsamen Glasabdeckung - genau wie in der neuen A-Klasse mithin, nur 12,3 statt 10,25 Zoll groß. Auch sonst differenziert Mercedes nach diesem Muster: Der A bekommt mittig drei runde Lüftungsdüsen, der CLS derer vier. Sie sind in die nun 64 Farben umfassenden, stark ausgebaute Ambientebeleuchtung eingebunden; als besonderes Schmankerl wechselt hier die Farbe kurz auf blau oder rot, wenn man die Temperatur nachjustiert.

Die Sitze wurden gegenüber der E-Klasse modifiziert. Je nach Ausstattung sind sie aufwendig mit Pfeifen oder Quernähten abgesteppt. Die äußeren Plätze im Fond gleichen optisch den Vordersitzen, wodurch ein sportlicher Einzelsitzcharakter entsteht. Dabei ist der CLS erstmalig ein Fünfsitzer. Die Lehnen können auf Wunsch im Verhältnis 40/20/40 umgelegt werden und erweitern so den 520 Liter fassenden Gepäckraum.

Völlig neu ist die Motorenpalette des CLS. Zum Marktstart umfasst sie zunächst drei Sechszylinder-Reihenmotoren: Vorläufiges Spitzenmodell ist der CLS 450 4MATIC mit integriertem Starter-Generator, 48-Volt-Bordnetz und Otto-Partikelfilter. Er leistet 367 PS und 500 Nm plus kurzfristig weitere 22 PS und 250 Nm Drehmoment über die "EQ Boost" genannte milde Elektrifizierung, die auch die neuen Vierzylinder nutzen, die später ebenso nachgereicht werden wie voraussichtlich drei AMG-Varianten mit bis zu 612 PS.

Auf Diesel-Seite gibt es den CLS 350 d 4MATIC mit 286 PS und 600 Nm sowie den CLS 400 d 4MATIC mit 340 PS und 700 Nm. Automatikgetriebe und zunächst auch Allradantrieb sind obligatorisch. Der Benziner genehmigt sich wie der schwächere V6-Vorgänger 7,5 Liter Verbrauch im Mittel, die Diesel jeweils 5,6 - das sind 0,6 weniger, obwohl der CLS nach der neuen WLTP-Norm (statt NEFZ) gemessen ist, die dank etwas mehr Realitätsbezug höhere Werte ergibt.

Die Markteinführung startet im März 2018; Preise liegen noch nicht vor, sollen sich aber auf dem bisherigen Niveau bewegen - ausstattungsbereinigt, versteht sich. Im ersten Jahr bietet Mercedes wie so oft eine besonders gut ausgestattete und zusätzlich zur AMG-Line mit kleinen optischen Modifikationen versehene "Edition 1" an. Und der CLS Shooting Brake? Hat aller Voraussicht nach keine Zukunft.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB