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Donnerstag, 23. November 2017,
Zweite Generation wird stärker, ausdauernder und schöner

Neuer Nissan Leaf: Mehr Spaß am Stromern

Das meistverkaufte Elektroauto der Welt geht in die zweite Runde. Der Nissan Leaf bekommt bei nur leicht erhöhten Preisen mehr Kraft, mehr Reichweite, mehr Ausstattung und auch ein optimiertes Design. Wirklich stark, ausdauernd, komplett oder schön wird er indes nicht.
Nissan
Der neue Nissan Leaf wird
schöner und ausdauernder als bisher
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Nissan hat heute in Japan die neue Generation des Leaf vorgestellt. Sie gibt sich an einem deutlich entschärften Design zu erkennen, speziell was Front und Heck betrifft. So haben die Designer die Scheinwerfer tiefer angesetzt und flacher gezeichnet, sie reichen nun nicht mehr bis fast an die A-Säule.

Außerdem erhält der neue Leaf einen angedeuteten Kühlergrill, eine weniger gewölbte und gerader angesetzte Motorhaube, eine sportlichere Frontschürze und stärker konturierte Schweller. Am Heck sind vor allem die neuen Leuchten auffällig, die immer noch einteilig sind, aber nicht mehr vertikal angeordnet. Auch die Form der Heckklappe hat deutlich gewonnen, sie nimmt nun auch das Kennzeichen auf. Auf den ersten Fotos zeigt sich der Leaf mit in Kontrastfarbe lackierten Dach und Heckklappe. Blaue Applikationen an Ex- und Interieur unterstreichen den Elektro-Status.

Insgesamt wirkt der Leaf nun deutlich massenkompatibler und unauffälliger, zumal selbst die teilweise schwarz verblendete C-Säule inzwischen kein Hingucker, sondern von etlichen anderen Modellen in ähnlicher Form bekannt ist. Eleganz, Zeitlosigkeit oder Sportlichkeit ist dem Wagen weiterhin fremd, auch Details wie die Gestaltung des Dreiecksfensters vor den Außenspiegeln, die lange Antenne, der große Zero-Emission-Schriftzug oder die Bestückung der Rückleuchten mit konventionellen Glühbirnen sind enttäuschend.

Im Innenraum entsteht ein ähnlicher Eindruck: Zwar sieht das Ambiente jetzt nicht zuletzt wegen des Entfalls des digitalen Schlitzaugen-Tachos etwas ruhiger und gediegener aus und auch das Lenkrad ist schicker geworden, doch wer genau schaut, mag sich über die lieblose gemachte Bedieneinheit der Ein-Zonen-Klimaanlage, die billigen Türöffner oder die Kippschalter für die Sitzheizung wundern. Auch die Größe des Zentralmonitors von sieben Zoll erscheint nicht recht wettbewerbsfähig, wenn anderswo nahezu überall eine Acht vor dem Komma steht, mindestens.

Der Leaf will allerdings auch nicht als der Beau in die Geschichte eingehen, sondern als erstes vollwertiges und meistverkauftes Elektroauto. Damit dieser Status möglichst noch ein bisschen erhalten bleibt, hat Nissan die Kapazität der Akkus von zuletzt 24 bzw. optional 30 auf nun 40 kWh erhöht. Entsprechend wächst die Reichweite nach der Norm auf 378 Kilometer, was viel mehr als bisher, mehr als bei etlichen Mitbewerbern und doch wenig ist, wenn man sich anschaut, was Tesla oder auch Opel schaffen. Das Laden an einer Haushalts-Steckdose dauert 16 Stunden.

Gleichzeitig erstarkt der Motor von 109 auf 150 PS und damit mehr als erwartet. Das Drehmoment gibt Nissan mit satten 320 statt 254 Newtonmetern an, das ist sogar mehr als beim neuen BMW i3S mit 184 PS Leistung. Maximal erreicht der Leaf wie bisher nur 144 km/h. Beschleunigungswerte liegen noch nicht vor.

Wichtigste Merkmale auf technischer Seite sind neben dem Ein-Pedal-Modus ein Parkassistent, der nicht halb- oder dreiviertelautomatisch einparkt wie man es kennt, sondern vollautomatisch. In Fahrzeugen mit Navigationssystem gehört Apple CarPlay und Android Auto zum Infotainment-System. Die Vehicle-to-Grid (V2G) Technologie ermöglicht bi-direktionales Laden und bindet E-Fahrzeuge ins Stromnetz ein. V2G hilft zukünftig dabei, erneuerbare Energiequellen sinnvoll zu integrieren, Netzschwankungen auszugleichen und den Ökostrom somit insgesamt preiswerter zu machen.

Der Nissan Leaf II wird im Januar 2018 zu den Händlern kommen. Der Grundpreis beträgt 31.950 Euro, das sind nur rund 700 Euro mehr als für das aktuelle 30-kWh-Basismodell. Weil der Leaf mit diesem Preis - bei vermutlich allerdings weniger Ausstattungsumfang - viele Konkurrenten unterbietet, dürfte er weiter erfolgreich im E-Segment sein. Details zur Ausstattung und Angaben dazu, ob der Akku auch künftig gemietet werden kann, stehen noch aus.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB