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Dienstag, 22. August 2017,
130-PS-Modell nur 625 Euro günstiger als stärkere Variante

VW Golf BlueMotion: Viel Technik, wenig Ersparnis

Volkswagen erweitert das Lieferprogramm des Golf um die lang angekündigte BlueMotion-Variante. Der neue Benzinmotor ist mit diversen neuen Techniken versehen, um sparsam zu sein. Doch das Ergebnis ist enttäuschend.
VW Golf BlueMotion: Viel Technik, wenig Ersparnis
Volkswagen
VW liefert den Golf jetzt auch mit einer neuen
130-PS-Version des 1,5 TSI (Bild zeigt 150-PS-Modell)
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Neu im Angebot des VW Golf ist der 1,5-Liter große TSI-Motor in der neuen Version mit 130 PS und einem maximalen Drehmoment von 200 Newtonmetern zwischen 1.400 und 4.000 Umdrehungen. So motorisiert, beschleunigt der Golf in 9,1 Sekunden auf Tempo 100 und weiter bis auf 210 km/h.

Die neue Maschine ist jedoch nicht zuvorderst auf Leistung, sondern auf Effizienz getrimmt. Zum Einsatz kommen daher das sogenannte Miller-Brennverfahren und - erstmals bei VW und abgesehen vom Porsche 911 erstmals in der Branche - ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie (VTG) zum Einsatz. Der hochverdichtete Motor erzielt einen deutlich gesteigerten Wirkungsgrad und damit einen niedrigeren Verbrauch.

Einen "signifikant" niedrigeren, erklärt VW. Doch wer nachschaut, wird sich wundern: Mit der neuen Maschine steht der Golf je nach Ausstattung und Rädergröße mit 4,8 bis 5,0 Litern im Datenblatt. Das sind nur 0,1 bis 0,2 Liter weniger als der gleiche Motor in der schon bisher lieferbaren stärkeren Ausführung ohne Miller-Zyklus (150 PS, 250 Nm Drehmoment, 8,3 Sekunden, 216 km/h).

Ebenfalls der Effizienz verpflichtet ist die neue, deutlich erweiterte Segelfunktion. So wird im BlueMotion der Motor nicht nur im Stand oder kurz zuvor ausgeschaltet, sondern auch während der Fahrt in einem Geschwindigkeitsbereich bis 130 km/h, wenn der Fahrer vom Gas geht. Eine kompakte Lithium-Ionen-Batterie versorgt die elektrischen Verbraucher wie Scheibenwischer, Scheinwerfer oder Audioanlage mit Strom. Diese Funktion ist allerdings nur in Modellen mit DSG-Getriebe verbaut.

Ob 150 oder 130 PS - die Zylinderabschaltung ist in beiden Fällen serienmäßig; VW subsumiert das entsprechende Kürzel ACT allerdings im BlueMotion-Namen. Auch eint beide Varianten, dass sie nicht recht zukunftssicher sind: Über einen Otto-Partikelfilter (OPF) verfügen sie - noch - nicht.

VW bietet den neuen Motor ab der Ausstattungslinie Comfortline für Limousine und Variant an. Die Limousine kostet ab 23.725 Euro, das 7-Gang-DSG schlägt mit weiteren 2.000 Euro zu Buche. Der Variant-Aufpreis beträgt 2.050 Euro. Unter dem Strich errechnet sich eine Ersparnis zum stärkeren und technisch mutmaßlich zuverlässigeren 150-PS-Modell von gerade einmal 625 Euro. Angesichts des geringen Minderverbrauchs klingt der BlueMotion so nicht gerade nach einem Absatzrenner, es sei denn, es stellte sich heraus, dass die Verbrauchsdifferenz im Realbetrieb deutlich größer ausfällt - was möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich ist.

Nach wie vor lieferbar ist der Golf mit dem alten, aber feinen 1,4 TSI und 125 PS mit einem Normverbrauch von 5,0-5,2 Litern. Er kostet fast 1.000 Euro weniger als die neue Version.
Redaktion: Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB