Dritte Karosserievariante mit modifiziertem Heckabschluss

Porsche Panamera Sport Turismo: Es ist ein Kombi

Porsche fügt seiner langen Liste an Tabubrüchen von SUV und Audi-Plattformen über Wasserkühlung, Turboaufladung und Vierzylindern bis zu Dieselmotoren und Viertüren eine weitere hinzu: Erstmals gibt es bald einen Kombi von Porsche. Der Panamera Sport Turismo bietet kaum mehr Nutzwert als die Limousine, sieht aber gut aus – und kostet nur überschaubar mehr.
Porsche
Mit dem Panamera Sport Turismo
wagt sich Porsche ins Kombi-Metier
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Im Füllen von (vermeintlichen) Nischen sind die Autohersteller in den letzten Jahren zum Meister geworden, haben nichts ausgelassen, was nur ansatzweise Erfolg oder wenigstens Aufmerksamkeit verspricht. Fast nichts, denn das Kapitel der in der Mittel- und Oberen Mittelklasse so beliebten Kombis hat noch immer nicht Zugang zur Oberklasse gefunden - sieht man vom Mercedes CLS Shooting Brake ab.

Dass der eher nicht so erfolgreich ist und dem Vernehmen nach nachfolgelos bleiben soll, ficht Porsche nicht an: Die Zuffenhausener rollen nächste Woche den Panamera Sport Turismo ins Rampenlicht auf dem Genfer Salon. Der entspricht konzeptionell, technisch und auch in den Außenmaßen der Limousine. Den Unterschied macht vor allem das Design: Der Kombi trägt ein später abfallendes Dach, entsprechend eine steilere Heckscheibe und ein vergrößertes und etwas anders geformtes Seitenfenster in der C-Säule; außerdem endet die Heckklappe nicht oberhalb des Kennzeichen-Einsatzes, sondern darunter.

Auf knapp 63 Zentimeter sinkt dadurch die Ladekante. Dass der Wagen sich dennoch kaum als Ikea-Transporter eignet, liegt aber natürlich trotzdem auf der Hand: Bis zur Oberkante der Rücksitze bietet der Sport Turismo mit bis zu 520 Litern (E-Hybrid: 425 Liter) gerade einmal 20 Liter mehr Stauvolumen als die Limousine. Dachhoch beladen und mit umgeklappten Fondsitzen erhöht sich der Zugewinn auf etwa 50 Liter. Die drei Rücksitzlehnen lassen sich separat oder komplett umklappen (Verhältnis 40:20:40); die Entriegelung vom Gepäckraum aus erfolgt elektrisch. Sind alle Lehnen umgeklappt, können bis zu 1.390 Liter eingeladen werden; die Grundfläche ist auch in einem solch teuren Auto dabei nur fast eben, nicht ganz.

Apropos Rücksitze: Anders als in der Limousine montiert Porsche im Sport Turismo eine dreisitzige Rückbank in 2+1-Konfiguration. Optional gibt es aber auch eine viersitzige Variante mit zwei elektrisch einstellbaren Einzelsitzen. Der höhere Dachverlauf erleichtert hinten das Ein- und Aussteigen und gewährt dort mehr Kopffreiheit.

Oben geht das Dach in einen adaptiven Spoiler über. Der Anstellwinkel des Dachspoilers wird abhängig von der Fahrsituation und den gewählten Fahrzeugeinstellungen in drei Stufen eingestellt und erzeugt auf der Hinterachse einen zusätzlichen Abtrieb von bis zu 50 Kilogramm. Bis zu einer Geschwindigkeit von 170 km/h reduziert das aerodynamische Luftleitelement im eingefahrenen Zustand mit einem Winkel von minus sieben Grad den Luftwiderstand und trägt so zur Verbrauchsoptimierung bei.

Ab 170 km/h (in den Fahrmodi Sport und Sport Plus ab 90 km/h) fährt der Dachspoiler in die Performance-Stellung und erhöht mit einem Anstellwinkel von plus ein Grad Fahrstabilität und Querdynamik. Auf bis zu 26 Grad erhöht sich der Winkel, wenn das optionale Panorama-Schiebedach geöffnet wird.

Antriebsseitig stehen zunächst fünf aus der Limousine bekannte Alternativen zur Wahl, wobei der Kombi stets mit Allradantrieb versehen ist. Die Basis bildet der Panamera Sport Turismo 4 mit 330 PS starkem Sechszylinder, der bei 97.557 Euro startet. Das Hybrid-Modell mit 462 PS (Systemleistung) kostet ab 112.075 Euro, der 4S mit 440 PS ist ab 120.048 Euro zu haben, für den 4S Diesel V8 mit 422 PS verlangt Porsche ab 123.975 Euro, und für das nicht weniger als 550 PS starke Turbo-Topmodell müssen geneigte Kunden mindestens 158.064 Euro nach Zuffenhausen überweisen.

Bestellungen nimmt man dort bereits jetzt entgegen, die Markteinführung erfolgt am 7. Oktober 2017. Der Kombi-Aufschlag liegt zwischen 4.522 und 7.021 Euro, mithin in einer für die Zielgruppe eher nicht ausschlaggebenden Größenordnung, so dass letztlich der Geschmack ausschlaggebend sein dürfte. Weil das Auto durchaus ansehnlich ist, dürfte Porsche diesen Tabubruch erfolgreich wegstecken - so wie alle anderen zuvor.
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Redaktion: Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB