Ansprechend gezeichneter Kombi / Außen riesig, Laderaum mäßig

Opel Insignia Sports Tourer: Größe ist relativ

Gerade erst hatte Opel den neuen Insignia als Limousine alias "Grand Sport" vorgestellt, da folgt schon der Kombi "Sports Tourer". Auch hier gilt: Er ist wesentlich schöner, moderner und größer als der Vorgänger. Der Größenzuwachs betrifft auch den Laderaum, doch im Vergleich ist das Ergebnis noch immer enttäuschend: Von wegen Raumschiff.
Opel
Der neue Opel Insignia ist länger
als eine E-Klasse oder ein Audi A6
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Das mag ja damals eine gute Idee des Opel-Marketings gewesen zu sein, am Heck des Insignia Sports Tourer auf in die Heckklappe vollintegrierte Leuchten zu setzen, wie man das sonst fast nur von Audi kennt - es war ungewöhnlich, es brachte mithin ein Quentchen dringend notwendiger Aufmerksamkeit.

Und es brachte eine schwere, seinerzeit noch stets manuell betätigte Heckklappe und vor allem einen großen Überhang zwischen innerer und äußerer Ladekante, womit Opels Kombi nicht nur allgemein viel weniger Laderaum mit sich brachte als die Kundschaft aus jenen Zeiten gewöhnt war, da die Kombis der Marke noch "Caravan" hießen, sondern auch weniger Praktikabilität. Nun, beim Insignia der zweiten Generation kehren die Rüsselsheimer zu konventionellen, geteilten Rückleuchten zurück: Der tiefe Stoßfänger ist Geschichte, die weniger schwere Klappe sowieso elektrisch betätigt. 

Dieses Komfortfeature, das unnütz klingt, aber in der Praxis doch praktisch ist, lässt sich Opel allerdings extra bezahlen, was angesichts des serienmäßigen Keyless-Systems überrascht. Wer es ordert, bekommt aber die uns so noch nicht begegnete schöne Idee, den Bereich, wo man per Fußkick der Klappe den Öffnungs- und neuerdings auch Schließungswunsch mitteilt, mittels auf den Boden projizierter Fahrzeug-Silhouette zu kennzeichnen.

Und natürlich profitiert der neue Insignia Sports Tourer wie der Fünftürer von der neuen Plattform mit dem deutlich gewachsenen Radstand und von der Diät, die Opel zufolge bis zu 200 Kilogramm ausmacht - trotz abermaligen Größenwachstums: Der neue Kombi ist 4,99 Meter lang, überragt mithin selbst höher positionierte Wagen wie Mercedes E-Klasse T-Modell oder Audi A6 Avant.

Mit dem Ergebnis in Sachen Ladekapazität ist so eine Sache. Der Hersteller preist einerseits 100 Liter mehr Stauvolumen an (1.640 Liter bei vorgeklappter Rücksitzbank), frohlockt über fast zehn Zentimeter mehr Laderaum-Länge (2,00 Meter) und verspricht - unkonkret - mehr Platz zwischen den Radhäusern. Das Ladevolumen bei voller Bestuhlung lassen die Rüsselsheimer andererseits offen, und man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass es unter dem eines VW Passat Variant liegen dürfte. Der ist satte 22 Zentimeter kürzer, verstaut aber bis zu 1.780 Liter und bietet 2,02 Meter Laderaumlänge.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann ficht das nicht an, er lässt sich in diesem Zusammenhang mit (zutreffend wäre es eine schöne Überschrift gewesen) "Raumschiff aus Rüsselsheim" zitieren, so funktioniert Öffentlichkeitsarbeit nun einmal.

Eindeutiger ist der Fortschritt im Design. Nicht nur die erwähnten Rückleuchten und die demzufolge unten schmaler auslaufende Heckklappe lassen das Auto schlanker und eleganter wirken, auch die flachere Heckscheibe, die Frontpartie und die Details haben die Designer feiner hinbekommen als bisher. Wichtigster Unterschied ist das nun ansteigende hintere Seitenfenster und die Chromeinfassung der Fensterpartie nur noch an deren oberen Rand, wobei sich diese Linie bis zu den Rückleuchten fortsetzt. Das ist wieder ungewöhnlich, wirkt aber jedenfalls auf den ersten Bildern mehr gut als gewollt. Auffällig ist auch die seitlich sehr massige, weil früh hochgezogene Heckschürze.

Allzu viel mehr gibt es über das Auto aktuell nicht zu berichten - weil alles Weitere schon von der Limousine bekannt ist und weil Opel nach wie vor zu den Motorisierungen schweigt. Allzu lange aber wird dies nicht mehr durchzuhalten sein: Die Händler nehmen erste Bestellungen schon in diesem Monat an. Premiere feiert der Sports Tourer dann gemeinsam mit dem Grand Sport auf dem Genfer Autosalon im März, Markteinführung ist im Juni.

Auch wenn das Package in Sachen Raumausnutzung noch immer Fragezeichen hinterlässt und Opel somit die Vectra-, Omega- oder eben Passat-Fraktion erneut enttäuscht, so dürfte sich der Wagen schon wegen des deutlich geschärften Auftritts deutlich besser verkaufen als zuvor. Man guckt das Auto eben öfter an als man sich auf dem Ikea-Parkplatz darüber ärgert.
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Redaktion: Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB