Meriva-Nachfolger setzt auf SUV-Design

Opel Crossland X: Lifestyle statt Biederkeit

Opel zeigt den neuen Crossland X. Der Nachfolger des Meriva gibt sich weniger bieder, auch auch weniger praktisch. Mit seinem auffälligen Lifestyle-Design dürfte er deutlich mehr Kunden locken als der Minivan.
Opel
SUV-Design statt Van-Biederkeit:
Opel Crossland X ersetzt den Meriva
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Die Vorreiterrolle des Opel Meriva, einst mehr oder weniger Begründer des Segments der Mini-Vans, kann Opel mit dem Crossland X nicht wiederholen: Die Idee des kleinen SUVs hatten andere Autobauer schon länger, auch wenn das Opel-Marketing extra die Gattung CUV (Crossover Utility Vehicle) erfunden hat - auch um zum Ausdruck zu bringen, dass es Allradantrieb nicht einmal optional geben wird.

Mit einer Länge von 4,21 Metern ist der Crossland X etwas länger geworden als etwa Renault Captur, Peugeot 2008 oder Audi Q2, nur der Mazda CX-3 und der Mercedes GLA sind länger. Der Abstand zum Mokka X beträgt sechs, der zum Astra 16 Zentimeter. Die Breite liegt mit 1,77 Metern auf Mokka-Niveau, die Höhe mit 1,59 Metern etwas darunter. Der Crossland X basiert übrigens auf Opels fast schon vergessener Kooperation mit dem französischen PSA-Konzern, sprich: auf dem erwähnten Peugeot 2008. Noch im Jahresverlauf wird der Grandland X als 3008-Ableger erscheinen.

Die Schmetterlingstüren, mit denen der aktuelle Meriva seit 2010 mit verhaltenem Erfolg um Aufmerksamkeit buhlte, sind Geschichte. Der Crossland X setzt auf vier normale Türen, will aber dennoch praktisch und geräumig sein. Inwieweit das zutrifft, wird sich erst im persönlichen Kontakt zeigen. Bisher liegen nur Daten zum Kofferraumvolumen vor: 410 Liter sind die Standardangabe, und weil sich die Rücksitze um bis zu 15 Zentimeter längs verschieben lassen, kann man diesen Wert auf Kosten der Beinfreiheit bis auf 520 Liter steigern. Werden die Rücksitze komplett abgeklappt, entstehen 1255 Liter Raum. Zum Vergleich: Der Meriva ist mit 400 bis 1.500 gelistet.

Auf Kundenfang geht der Crossland X aber vor allem mit seinem Design. Von den vielen Floskeln, die Opel zur Beschreibung nutzt, wollen wir uns am ehesten das vom "urbanen Lifestyle" zu eigen machen: Wirklich cool oder frech oder sportlich-elegant ist der Wagen nicht, wohl aber modern und auffällig, vor allem: Nicht im Ansatz so bieder wie es der Meriva immer war.

Mittel zum Zweck sind einerseits die SUV-typischen Insignien wie Radlauf- und Schwelleraufsätze sowie angedeutete Unterfahrschutzelemente an Front und Heck, andererseits die zum Heck hin bogenförmig nach unten gezogenen Chromlinie im Dach - ganz ähnlich der Gestaltung beim kleinen Adam, der die Lifestyle-Nummer ja durchaus überzeugend zu repräsentieren vermag. Wer mag, bekommt das Dach und damit auch die C-Säule in Konstrastfarbe.

Das inzwischen markentypische Tagfahrlicht in Doppelschwingen-Optik und die weit oben platzierten und weit in die Flanken reichenden, aber nur teilweise LED-bestückten Rückleuchten setzen weitere Akzente. Optional gibt es ein Panoramadach, von dem wir vermuten, dass es wie beim Meriva nur starr ausgeführt ist - und das die Opel-PR tatsächlich mit dem Thema Übersichtlichkeit in Zusammenhang bringt.

Auch das Interieur zeigt sich wesentlich frischer als beim Meriva, sieht man von der enttäuschen Rückkehr zur manuellen Handbremse ab. Der zentrale Bildschirm ist nun ein Touchscreen und bis zu acht Zoll groß, optisch wirkt er wegen seiner schwarz-bündigen Einfassung noch größer. Apple CarPlay und Android Auto werden nun unterstützt, OnStar ist bereits ab dem zweiten Ausstattungsniveau serienmäßig. Die Schalterwüste ist Vergangenheit, auch Armaturenbrett und Türverkleidungen sind erkennbar besser gelungen.

Während der Meriva noch ohne moderne Assistenztechnik auskommen musste, zeigt sich der Crossland X hier auf einem neueren, wenn auch nicht umfassenden Niveau. So sind das adaptive Fahrlicht AFL mit Voll-LED-Scheinwerfern, Fernlichtassistent und automatischer Leuchtweitenregulierung ebenso erhältlich wie ein Head-Up-Display, eine Tote-Winkel-Warnung, der Parkassistent und die Verkehrsschilderkennung. Der Spurhalteassistent arbeitet dagegen nur passiv, der Frontkollisionswarner mit Fußgänger-Erkennung und automatischer Gefahrenbremsung wird erst später nachgereicht, und einen Ausparkassistenten gibt es gar nicht. Er wird allerdings weitgehend durch eine Rückfahrkamera mit 180-Grad-Blickfeld ersetzt.

Neu im Angebot ist außerdem eine beheizbare Windschutzscheibe, eine Müdigkeitserkennung, der Geschwindigkeitsbegrenzer als Tempomat-Erweiterung und das schlüssellose Zugangs- und Startsystem, das Opel sogar serienmäßig verbaut. Und weil (fast) jeder Fortschritt auch seine Schattenseiten hat, sei erwähnt, dass neben den "FlexDoors" auch die anderen "Flex"ibilitäten des Meriva entfallen: Die praktische "FlexRail"-Mittelkonsole ist Geschichte, ebenso der noch praktischere, ausziehbare Fahrradhalter "FlexFix", und auch die "FlexSpace"-Fondsitze, die sich auch quer verstellen und flach im Boden verstauen lassen, finden keine Fortsetzung.

Angaben zu Motorisierungen - es bleibt konventionell bei Benzinern, Dieseln und einer LPG-Variante - und zu Preisen macht Opel derzeit noch nicht. Noch vor dem Genfer Salon im März wird der Crossland X Anfang Februar auf einer Vernissage in Berlin offiziell vorgestellt, was uns auf eine baldige Einführung tippen lässt.
Weiterempfehlen Leserbrief @Autokiste folgen 18.01.2017  —  # 12066
Redaktion: Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB