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Freitag, 24. November 2017,
Marktführer wird noch größer

Flixbus übernimmt Postbus

Die Rückkehr der Post in den Markt der Personenbeförderung ist nach nur drei Jahren beendet. Die Konsolidierung in der Fernbus-Branche geht nämlich schon wieder in die nächste Runde: Kurz nach der Übernahme von Megabus verleibt sich Flixbus nun auch noch den Postbus ein.
Flixbus übernimmt Postbus
Flixbus
Flixbus hat nun auch
noch den Post-Wettbewerber übernommen
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Flixbus, der Zusammenschluss von Meinfernbus und Flixbus, erreicht Schätzungen zufolge einen Marktanteil von rund 70 Prozent in Deutschland. Weit abgeschlagen folgt der "Postbus" der Deutschen Post mit etwa zehn Prozent. Doch die Post gibt das Geschäft jetzt auf und verkauft es zu einer nicht genannten Summe an den Mitbewerber. Dazu gehören insbesondere Linien- und Haltestellengenehmigungen, IT-Lizenzen und Kooperationsverträge.

Am 1. November 2016 würden die ersten Postbus-Linien in die FlixBus-Plattform überführt, heißt es. Parallelverkehre zwischen Metropolregionen werden bis Jahresende auslaufen, zusätzliche Regionen wie Küstenbereiche und Kleinstädte sollen erschlossen werden. "Der Kunde profitiert hier langfristig von einer gesunden Konsolidierung des Markts und einem starken Anbieter, der sein Netz nachhaltig betreiben kann", erklärt der Chef und Gründer von Flixbus, André Schwämmlein.

Zu den Gründen für den Verkauf erklärt Joachim Wessels, Geschäftsführer der Deutsche Post Mobility GmbH, die Erwartungen an die Wirtschaftlichkeit dieser Dienstleistung hätten sich nicht ausreichend erfüllt, obschon man "anerkannter Qualitätsführer" sei. Die Post-Tochter bleibt bestehen und will sich künftig stärker um Reise-Dienstleistungen kümmern.

Während Flixbus bisher eher junge, online-affine Kunden adressierte, richtete sich der Postbus mit seinem auch stationären Vertrieb auch an Senioren und Familien. Künftig will Flixbus alle potentiellen Kunden erreichen. Daher wurde eine Vertriebskooperation mit der Post geschlossen: Die 5.000 Partnerfilialen verkaufen auch weiterhin Busfahrten, nur eben "grüne" anstatt "gelber". Im Gegenzug will Flixbus Post-Produkte bewerben. Zudem läuft ein Express-Kurierservice als Pilotprojekt der Deutschen Post zwischen Hamburg und Berlin, bei dem DHL-Pakete taggleich mittels Fernbus versendet werden.

Das Gremium der regionalen Bus-Anbieter von Flixbus begrüßte die Übernahme als "positives Signal für Deutschlands Mittelstand". Während Flixbus bereits in zahlreichen anderen Ländern aktiv ist, versteht es die jüngste Übernahme als Stärkung des Kerngeschäfts in Europa. Im Jahr 2015 nutzten nach Unternehmensangaben rund 20 Millionen Menschen einen FlixBus durch Europa - mehr als im innerdeutschen Luftverkehr unterwegs waren. Für 2016 rechnet der Anbieter mit einem nochmaligen Fahrgastzuwachs von 50 Prozent.

Postbus wurde 2013 zusammen mit dem ADAC gegründet, der aber schon 2015 im Zuge seiner Besinnung auf Kernkompetenzen nach dem großen Skandal wieder ausgestiegen war. Zuvor war die Post als "Kraftpost" jahrzehntelang in der Personenbeförderung aktiv, bevor sie diesen Geschäftsbereich 1985 an die Bahn abgab. Auch Flixbus agiert erst seit 2013 am Markt, Anfang 2015 erfolgte die Fusion mit "Meinfernbus". Kürzlich hatte Flixbus wie berichtet das Europageschäft von Megabus übernommen.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 03.08.2016  —  # 11937
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB