Neue Designdetails wirken gelungen / Konventionelle Antriebe

Audi Q2: Hier kommt Audis viertes SUV

Endlich ist es soweit: Audi erweitert seine Q-Familie um den Q2. Konventionelle Technik und Ausstattung treffen ein optisch merklich expressiver auftretendes, doch gelungen wirkendes Design. Schon das dürfte auch dem vierten Ingolstädter SUV zum großen Erfolg gereichen.
Audi
Der neue Audi Q2
startet im Herbst 2016
ANZEIGE
Die Zeit der Erlkönig-Fotos, Gerüchte und Namensdiskussionen ist vorüber: Auf dem Genfer Autosalon hat Audi heute das Tuch vom Q2 gezogen. Das Design der Marke müsse sich weiterentwickeln, war zuletzt oft zu hören - was dem einen überfällig schien, war dem Anderen dagegen mehr Drohung als Verheißung. Dem ersten Eindruck nach ist es den Audianern unter dem neuen Designchef Marc Lichte gelungen, beide Lager mitzunehmen.

Denn: Der Audi Q2 sieht aus wie ein typischer Audi - und auch wieder nicht. Er trägt eine abermals neue Interpretation des Singleframe-Grills, der breiter und flacher wird und matt eingerahmt ist, dazu große Lufteinlasse an der Front und eine farblich abgesetzte Verblendung der C-Säule. Dieses Stilmittel ist nicht ganz neu, wirkt aber immer noch sportlich und extravagant - und natürlich bietet Audi den Kunden hier ein ideales Individualisierungsmerkmal. Die hohe Brüstungslinie und das schmale Glashaus sind markentypisch und sorgen für den gewollt bulligen Auftritt.

Nicht zuletzt fällt das Auge an der Seitenlinie auf ein neues Stilmerkmal: Die Flanken sind im Türbereich eingezogen. Sie sollen die Räder und mit ihnen den quattro-Charakter des kompakten SUV betonen - obwohl der nur in den Topmotorisierungen wirklich ein solcher ist. Wie auch immer: Der Bereich der Türen und Türgriffe ist anders als gewohnt, ohne dabei zu kurzlebig oder gewollt zu wirken.

Am Heck setzt Audi anders als bei den bisherigen SUVs nicht auf in die Klappe eingelassene Rückleuchten, sondern auf eine konventionelle Lösung, was Differenzierung schafft und Kosten spart. Das Innenleben der Leuchten vermag uns dagegen nicht recht überzeugen, weil es an die Mercedes A-Klasse erinnert, weil das gepunktete Bremslicht in der Form nicht zum Rest zu passen scheint, weil der (optional auch dynamische) Blinker etwas lustlos wirkt und weil Audi sich tatsächlich für die längst überwunden geglaubte Primitivlösung eines nur singulär vorhandenen (und dann auch noch sehr kleinen) Rückfahrlichts entschieden hat. An der Front, wo optional Voll-LED-Licht angeboten wird, wirkt die Umsetzung stimmiger. Das Tagfahrlicht dient hier zum Teil auch als Blinker.

Das Interieur gibt sich weitgehend so wie von Audi gewohnt. Differenzierungen ergeben sich aus stärkeren Individualisierungsmöglichkeiten, was Farben und Dekore betrifft. Anders als im Q3 oder A3 ist der Q2 bereits mit dem virtuellen Cockpit (12,3-Zoll-Display) und einem Head-Up-Display (mit Glasscheibe) bestellbar. Der zentrale Monitor lässt sich elektrisch einfahren. "Der Fahrer sitzt in Relation zum Lenkrad sportlich tief wie in einer Audi-Limousine, genießt aber die gute Übersicht eines SUV", erklären die Ingolstädter.

Motorseitig verzichtet Audi auf Überraschungen und erspart der Kundschaft auch die Ankündigung dann doch ewig nicht verfügbarer und/oder nicht überzeugender Hybridlösungen. Unter der Haube arbeiten demnach die Vierzylinder-Benziner mit 1,4 und 2,0 Litern Hubraum (150 und 190 PS, ersterer mit Zylinderabschaltung) ebenso wie die 1,6- und 2,0-TDI-Aggregate (116, 150 und 190 PS). Wer den Basismotor ordert, muss mit drei Zylindern und 1,0 Liter Hubraum leben. Eine S-und/oder RS-Version dürfte folgen. Alternativ zum Sechsgang-Schaltgetriebe bietet Audi für alle Motoren das Doppelkupplungsgetriebe S-tronic mit sieben Gängen an. Beim Top-TDI und beim 2.0 TFSI kommt insoweit eine neu entwickelte Box mit verringerter Reibung zum Einsatz. Diese Motoren sind serienmäßig mit Allradantrieb kombiniert, optional gibt es ihn auch für die 150-PS-Varianten. Quattro bedeutet hier anders als früher aus Effizienzgründen aber nicht mehr einen permanenten Allradantrieb, sondern eine im Bedarfsfall via Lamellenkupplung automatisch zugeschaltete Hinterachse.

Die Progressivlenkung und der Notbremsassistent sind bei allen Varianten Standard, adaptive Dämpfer und die Fahrmoduswahl "audi drive select" stehen optional zur Wahl. Auch bestellbar sind Abstandstempomat, Verkehrszeichenerkennung sowie Stau-, Tote-Winkel-, Spurhalte- und Querverkehrassistent. Auch eine elektrische Heckklappe ist im Angebot.

Noch ein Blick auf die Fakten: Der Audi Q2 ist 4,19 Meter lang, 1,79 Meter breit und 1,51 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,60 Meter, das Kofferraumvolumen liegt zwischen 405 und 1.050 Litern, wobei Audi für eine Durchladefunktion tatsächlich Aufpreis verlangt. Die Basisversion kommt auf 1.205 Kilo Leergewicht. Zum Vergleich: Der Audi Q3 ist bei gleichem Radstand etwa 20 Zentimeter länger, vier breiter, sieben höher, 55 Liter größer im Kofferraum - und 250 Kilo schwerer. Einen Teil des Mindergewichts verdankt der Q2 dem auf 40 Liter abgespeckten Tankvolumen - eine im Alltag als Ärgernis zu klassifizierende Unsitte, die Audi von Mercedes nicht hätte übernehmen müssen. Apropos Mercedes: der klein wirkende GLA ist ebenfalls über 20 Zentimeter länger als der Q2, aber auch noch etwas flacher.

Der Q2 wird anders als der Q3 im Audi-Stammwerk Ingolstadt gebaut. Wer sich in den Look schon jetzt verguckt hat, muss sich aber noch bis mindestens Herbst gedulden. Die Auftragsbücher will Audi Mitte des Jahres öffnen. Preise liegen dementsprechend noch nicht vor; dass der Abstand zum Q3 schon wegen des absehbar unterschiedlichen Rabattniveaus aber nicht allzu groß ausfallen wird, ist absehbar. So wie der Erfolg des Q2.
Weiterempfehlen Leserbrief @Autokiste folgen 01.03.2016  |  # 11793
Redaktion: Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB