Tiguan-Ableger ist endlich fertig

Erstes SUV von Seat: Attacke mit Ateca

Mit dem Ateca steigt Seat erstmalig in das derweil hart umkämpfte SUV-Segment ein und will den etablierten Kompakt-Offroadern vom Schlage eines Nissan Qashqai oder Kia Sportage die Kunden abjagen. Basierend auf dem erfolgreichen VW-Konzernbaukasten und hochgerüstet mit modernster Assistenztechnik stehen die Chancen für den gefällig gezeichneten Newcomer gut.
Seat
Premiere in Genf:
Endlich hat auch Seat ein SUV, den Ateca
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Man kann Seat nicht vorwerfen, den gewaltigen SUV-Trend der letzten Jahre ignoriert zu haben. So hat es an teils martialischen Studien namens Tribu, IBX oder zuletzt 20V20 nie gemangelt. In den Handel gelangten jedoch nur konstruktiv schnell umsetzbare PKW-Derivate wie der Altea Freetrack oder der Leon X-Perience. Nun also hat man sich in Martorell (oder in Wolfsburg?) ein Herz gefasst und parallel mit dem Tiguan II den Ateca auf die Räder gestellt. Und damit sich das ganze rechnet, erwarten wir im Herbst auch das tschechische Pendant von Skoda, das wohl Kodiak heißen wird.
Etwas zu wenig "emoción"
Wenngleich die Länge des Ateca mit 4,36 Metern um 13 Zentimeter kürzer ausfällt, so ist die Verwandtschaft zum niedersächsischen Plattformspender doch unverkennbar. Während die konventionelle Seitenlinie zum Tiguan passt, deutet selbige am spanischen Schwestermodell auf eine gewisse Mutlosigkeit der Design-Verantwortlichen hin. Da kommt das Zugpferd Leon aus dem gleichen Stall etwas peppiger daher. Dennoch wirkt der Ateca im Ganzen wohlproportioniert und auch der hohe Anteil an Kunststoff erscheint nicht zu preiswert – was man anno 2016 von der Dachantenne mit Stab leider nicht behaupten kann.
Licht und Show
Optionale Voll-LED Scheinwerfer mit markantem Tagfahrlicht und die konzernbekannten Teil-LED Rückleuchten sorgen für einen technisch kühlen Auftritt bei Nacht. Adaptive Lichtfunktionen sind jedoch offenbar zunächst nicht vorgesehen. Dafür spendiert Seat dem Ateca eine unerwartete Illumination mit Kitschfaktor: bei Entriegelung der Türen wirft die Umfeldbeleuchtung Schriftzug und Umriss des Kompakt-SUV auf den Boden.
Innen: Leon 2.0
Im Innenraum empfängt den Passagier das vom Leon bekannte und aufgeräumte Cockpitdesign. Abweichende Merkmale im Ateca sind die elektrische Parkbremse, der Drehschalter für die Fahrmodi in der Mittelkonsole, der pulsierend beleuchtete Startknopf sowie das größere Media System Plus mit nun acht Zoll großem Monitor. Letzteres stellt mit dem "Full Link"-Konnektivitätssystem die gängigen Smartphone-Anbindungen MirrorLink, Android Auto und Apple CarPlay zur Verfügung. Darüber hinaus ist eine induktive Lademöglichkeit erhältlich. Dem Tiguan vorbehalten bleibt die etwas raffiniertere Cockpit-Gestaltung sowie das optionale Active Info Display anstelle der herkömmlichen Zeigerinstrumentierung.
Wie variabel wird er sein?
Zur Variabilität von Sitzanlage und Kofferraum macht Seat noch keine Angaben, lediglich das Kofferraumvolumen von 510 Litern (485 bei Allrad) wurde bereits kommuniziert. Umlegbare Rücksitzlehnen und doppelter Ladeboden dürften als Standard gesetzt sein. Zusätzlich würde eine in Längsrichtung verschiebbare Rücksitzbank angesichts der Fahrzeuglänge sicherlich Sinn machen.
Nicht ohne meine Assistenten
Dass auch Fahrzeuge im Kompaktsegment ohne aufwändige technische Helferlein nicht mehr auskommen, belegt die Liste der im Ateca versammelten Assistenzsysteme: Stauassistent, adaptiver Tempomat mit Umfeldbeobachtung, Toter-Winkel-Assistent, Ausparkassistent, Verkehrszeichenerkennung, Top View Kamera und ein neuer Notfallassistent, der zunächst Alarm schlägt und das Fahrzeug schließlich bei Inaktivität des Fahrers selbständig zum Stillstand bringt.
Bekannte Antriebe, neue Linien
Mit dem Ateca führt Seat eine neue Ausstattungslinie ein: "XCELLENCE" steht fortan für die hochwertigste Version, während "Reference" nun den Einstieg markiert. Dabei ist die günstigste Linie ausschließlich mit der handgeschalteten Einstiegsmotorisierung - jeweils 115 PS für Benziner und Diesel – und Frontantrieb kombinierbar. Wer mehr Schwung möchte, muss mindestens zum mittleren Modell "Style" greifen. Hier wird für beide Verbrennungsarten gleichermaßen das Leistungsspektrum von 115 PS bis 150 PS abgedeckt, wobei sowohl ein automatisches Doppelkupplungsgetriebe (DSG) als auch der auf Haldex-5 basierende Allrad-Antrieb 4Drive erhältlich ist. Die vorläufige Leistungsspitze stellt der 190-PS-Diesel, welcher der Konzernpolitik folgend exklusiv mit 4Drive und DSG montiert wird. Neben den 150 PS starken Otto- und Dieselmotoren ist der große Diesel nur in der teuren Ausstattungslinie XCELLENCE zu haben. Die im Konzernregal verfügbaren stärkeren Benziner sind nicht vorgesehen.

Nicht nur bei den genannten Normverbräuchen liegt der neue Seat Ateca vor dem übermächtigen Konzernbruder Tiguan, auch der aller Voraussicht nach spürbar geringere Kaufpreis wird den neuen Lifestyle-SUV zu einer attraktiven Alternative werden lassen. Zusammen mit dem Rückenwind des beliebten Leon bedarf es keinerlei übersinnlicher Kräfte, dem Ateca eine rosige Zukunft vorherzusagen.
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Redaktion: Wolfgang Schultz
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB