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Dienstag, 12. Dezember 2017,
Transporter, Multivan & Co. optisch und technisch modernisiert

Bus mit Sechs-Appeal: Das ist der neue VW T6

Volkswagen aktualisiert den Bulli. Die Neuauflage von Transporter, Caravelle und Multivan wurde am Mittwoch Abend in Amsterdam präsentiert. Was VW als sechste Generation bezeichnet, ist de facto nur ein großes Facelift des T5, was in Details schade, insgesamt aber nicht die schlechteste Taktik ist: "Das Original" bleibt sich treu.
Volkswagen
Bulli #6 ist etwas schicker und moderner
als der Vorgänger – und teilweise sogar günstiger
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Über den Bulli mit seiner langen Geschichte, seiner Bedeutung fürs Wirtschaftswunder-Deutschland, seinen unzähligen Varianten in lang und kurz, robust und edel, front-, heck und allradgetrieben, könnte man Bücher füllen, was auch zahlreich geschehen ist. An dieser Stelle lassen wir nur zwei Zahlen für sich sprechen: Insgesamt kommt die Baureihe auf rund 12 Millionen Exemplare in 65 Jahren, davon an die zwei Millionen des 2003 eingeführten T5.

Ja, zwölf Jahre hat der zuletzt als "Das Original" beworbene T5 bereits auf dem Buckel, und so gesehen mag es einerseits erstaunen, dass VW hier auf eine grundlegende Neuauflage verzichtet, sondern das Auto mit Blick auf die EU6-Pflicht ab Herbst und die neue Konkurrenz von Mercedes' V-Klasse nur modernisiert. Andererseits hat VW schon diverse Male mit großen Überarbeitungen ins Schwarze getroffen, etwa beim Golf VI, der so viel schöner und angenehmer als der prinzipiell baugleiche Golf V war; Passat B7 und Touran sind weitere Beispiele. Für Kaufinteressenten bedeutet die Taktik, dass sie ein nur bedingt neues, aber auch ein Auto ohne Kinderkrankheiten bekommen - und für Bulli-Eigner bedeutet es den Verzicht auf eine allzu große Abwertung ihres teuren Gefährts.

In Sachen Design sieht der T6 genau so aus, wie man es erwartet hat: Im Prinzip ist alles geblieben, wie es war, die Veränderungen beschränken sich auf einen etwas bulligeren Kühlergrill und eine schärfer konturierte Motorhaube; die Frontschürze folgt dem Trend, möglichst breit auszusehen; die Nebelscheinwerfer sind entsprechend eckig statt rund ausgeführt. Die Maße bleiben nahezu unverändert.

Am Heck setzt VW auf jenen breiten Kennzeicheneinsatz, den man auch vom neuen Passat, Touran oder Golf Sportsvan kennt und der (wenn man sich die Umsetzung bei Audi oder Škoda vor Auge hält) nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss, wohl aber besser als die bisherige, aufgesetzte und etwas bieder wirkende Griffleiste ist. Das Heckfenster verzichtet auf den Schwung an den unteren Ecken und ist ähnlich wie beim neuen Caddy oben stärker eingezogen als bisher. Dazu kommen ein vergrößerter Griff für die Klappe, eine kantigere Sicke unter dem Kennzeichen sowie Rückleuchten mit leicht veränderter Form und aufwendiger ausgearbeitetem Innenleben. Die Kennzeichenbeleuchtung setzt stets auf LED-Technik, die der Rückleuchten optional und auch dann nur teilweise.

Die Seitenansicht bleibt von den ebenfalls im aktuellen Markenlook nachgeschärften Kanten, neuen Räderdesigns und Außenlackierungen abgesehen weitgehend unverändert, insbesondere hat VW dem T6 nicht die größeren Türgriffe spendiert und überraschender- und enttäuschenderweise auch keine Spiegelblinker. Kenner werden bemerken, dass die Außenspiegel etwas tiefer montiert sind und der Seitenblinker auffälliger gestaltet.

Motorseitig setzt der T6 auf die neue TDI-Generation der Pkw, aber in einer robuster ausgelegten Version. Die Range beginnt weiter mit gerade einmal 84 PS, womit der T6 ein bisschen zur Wanderdüne wird. Mehr Laune macht der 102-PS-Motor, idealerweise sollte man die Variante mit 150 statt bisher 140 PS wählen. Im Topmodell gibt es nach wie vor 204 PS. Dies gilt auch für die Benziner (2,0 TSI), hier kommt wie bisher eine 150-PS-Variante hinzu. Neu ist auch, dass nun alle Motorversionen an ein Start-Stopp-System gekoppelt sind. Dadurch und durch die neue Motorengeneration sinken die Normverbräuche um rund einen Liter, in der Praxis dürfte davon allenfalls die Hälfte ankommen.

In Sachen Sicherheit und Komfort hat VW den Bulli ebenfalls modernisiert. Serienmäßig kommen die Multikollisionsbremse und (bei Fahrzeugen mit Multifunktionsanzeige) die Müdigkeitserkennung zum Einsatz, optional sind nun die Abstandsregelung ACC, die Auffahrwarnung Front Assist und die City-Notbremsfunktion zu haben. Auch neu im Angebot sind Fernlicht-Assistent, die adaptive Fahrwerksregelung Dynamic Cruise Control (DCC, nicht für Fahrgestelle und Pritschen) und der Bergabfahrassistent für die Allradmodelle. Während "Side Assist" (Tote-Winkel-Überwachung) schon bisher zu haben war, gibt es den Lane Assist (Spurhalte-Assistent) weiterhin nicht.

Für die Heckklappe steht nun alternativ zur Zuziehhilfe auch eine elektrische Variante zur Verfügung, für die Windschutzscheibe eine Heizfunktion und für die Scheinwerfer eine Voll-LED-Variante mit besonders prägnantem Tagfahrlicht (Serie ab Highline), dessen Design VW zwar schon seit Tagen im Internet bewirbt, als Pressefoto aber nur im Ansatz zeigen mag.

Aufgehübscht präsentiert sich das Interieur. Das Armaturenbrett wurde ebenfalls auf Breitenwirkung getrimmt, die Mittelkonsole entsprechend ihres bauchigen Designs entledigt. Mit wertiger wirkenden Materialien, besseren und optional elektrisch verstellbaren Sitzen, der aktuellen Klimabedieneinheit aus den Pkw mit Displays und Halbgradschritten und neuen Lenkrädern ist hier eine schönere, wohnlichere Atmosphäre entstanden, ohne dass die Funktionalität gelitten hätte. Wichtigste und überfälligste Neuerung sind indes die in fünf Ausbaustufen erhältlichen Radio- und Navigationssysteme mit versionsabhängig bis zu 6,33 Zoll großen Displays, Annäherungssteuerung, Internet-Anbindung und induktiver Antennenkoppelung für das Handy. Das 8-Zoll-Topgerät bleibt Multivan-Kunden dagegen vorenthalten.

Zum Schluss ein Blick auf die Preisliste, die im Detail erst in den nächsten Tagen veröffentlicht wird. Bekannt ist: Insgesamt bewegen sich die neuen Bulli-Preise auf dem Niveau des T5 oder leicht darunter. Einige Modelle werden sogar merklich günstiger, etwa der Basis-Transporter für 23.035 Euro (netto) oder der Multivan, der im Einstiegsmodell (Conceptline statt Startline) künftig tatsächlich unter die 30.000-Euro-Marke (brutto) rutscht und damit rund 2.300 Euro günstiger wird. Der Caravelle wird fortan auch als Highline angeboten, der neue California wird folgen, ebenso die lange Version, Kombi, Doka Plus und all die anderen Varianten.

Zum Start offeriert VW das Sondermodell "Generation SIX" auf Basis des Multivan Comfortline, das zusätzliche Extras und eine Zweifarb-Lackierung mitbringt - und mit vernünftigem Antrieb dann preislich dort landen wird, wo Multivans realistisch zu Hause sind: deutlich jenseits der 500 Scheine. Das ist der einzige echte Nachteil des Bulli - gestern, heute und morgen. Morgen, das wird dann der T7 sein, der höchstens die Hälfte von zwölf Jahren auf sich warten lassen - und vollständig neu entwickelt wird.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 16.04.2015  —  # 11414
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB