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Samstag, 25. November 2017,
Großes SUV erstmals mit Heckantrieb, 9-Gang-Automatik und Plug-in-Hybrid

Mercedes GLE: M-Klasse face-G-liftet

Nachdem Mercedes-Benz Anfang des Jahres bereits das neue GLE Coupé als Nachahmung des BMW X6 präsentiert hat, folgt nun das Original: der GLE in herkömmlicher SUV-Bauform mit steilem Heckabschluss. Dank frischer Optionen für Antrieb, Fahrdynamik, Assistenz und Infotainment ist der einstige Trendsetter nun wieder auf der Höhe der Zeit.
Daimler
Zur traditionellen Modellpflege bekommt die Mercedes M-Klasse
eine leicht aufgefrischte Optik, neue Technik – und den Namen GLE
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Neue Namen machen nicht immer neue Autos. Was Mercedes dem Publikum bei der bevorstehenden New York Auto Show als neuen GLE vorstellen wird, ist de facto eine renovierte Version der seit 2011 gebauten dritten Generation der Mercedes M-Klasse, auch bekannt unter dem werksinternen Kürzel W 166. Mit ihrem ersten SUV und dessen Produktion im US-amerikanischen Alabama betraten die Stuttgarter 1997 Neuland und wurden zu den Begründern des Segments für große SUV, zu dem sich heute so wohlklingende Namen wie Cayenne, X5, XC90, Q7 und Touareg zählen lassen.
Das große G – geklaut beim Urgestein
So richtig glücklich dürfte man in Stuttgart mit dem Namen M nie gewesen sein, weil sich das Auto zwar markentypisch M-Klasse nennen durfte, wegen Namensstreitigkeiten mit BMW aber offiziell einen ML-Schriftzug tragen musste. Nun geht das M also in Rente und macht Platz für GLE. Nur konsequent, wenn man die teils eingeführten und teils angekündigten neuen Namensgebungen für die übrigen SUV-Brüder der Marke vor Augen hat: GLA, GLC (ehemals GLK) und GLS (GL), die jeweils am Ende der Bezeichnung die Plattformzugehörigkeit zum jeweiligen Limousinen-Pendant dokumentieren. Allen gemein ist damit die - zumindest marketingstrategische - Verbindung zum Urgestein von Mobilität in schwerem Gelände, dem legendären Mercedes G. Zumindest dieser darf bei all den Umstellungen im Hause Mercedes seinen originalen Namen weiter tragen.
Behutsame Anpassungen des Exterieur, Voll-LED optional
Rein äußerlich wird der GLE seinem neuen Namen nur bedingt gerecht, denn die Anpassungen an die aktuelle Designlinie des Hauses fallen erst auf den zweiten Blick auf. Wie bei Facelifts üblich, spielt sich auch hier der überwiegende Teil der Änderungen an Front und Heck ab, während die insbesondere im Bereich der C-Säule fahrzeugtypische Seitenlinie quasi unangetastet blieb. Das Gesicht des GLE mit den neuen Scheinwerfern mit nun integriertem LED-Tagfahrlicht bzw. optional in Voll-LED und der neu gezeichneten Frontschürze kommt nun weniger eckig daher und wirkt zusammen mit der stärker akzentuierten Motorhaube etwas muskulöser. Noch behutsamer gingen die Designer im Heckbereich vor, wo im Wesentlichen ein neues Innenleben für die LED-Leuchten und Endrohrblenden Einzug hielten. Vorne wie hinten glänzt nun ein plastisch gestalteter chromfarbener Unterfahrschutz.
Zwei Premieren: Plug-In Hybrid und Heckantrieb
Unter dem Blech gab es für die schwäbischen Ingenieure mehr zu tun, denn auch bei Mercedes sind zwei goldene Regeln zur Senkung des Flottenverbrauchs nicht unbekannt: Einführung eines Plug-In- Hybriden und Zweirad- statt Vierrad-Antrieb. Damit erleben wir also gleich zwei Premieren im neuen GLE, der jetzt sowohl rein elektrisch, als auch - im kleinen Diesel - mit nur zwei angetriebenen Rädern unterwegs sein kann. Damit sich der Aufwand auch lohnt, wird für den gänzlich neuen PHEV kein geringeres Aggregat als der bekannte Benziner-V6 mit 333 PS mit einem 116 PS leistenden und in das 7-Gang-Automatikgetriebe integrierten Hybridmodul gekoppelt.

Das so ausgerüstete und GLE 500 e 4MATIC genannte SUV verfügt dann über eine Systemleistung von 442 PS und stellt ein max. Drehmoment von 650 Nm bereit. Dabei ist rein elektrisches Fahren bis 130 km/h möglich, die Reichweite für diese Antriebsart ist mit max. 30 km angegeben - nahezu exakt die gleichen Werte wie beim unlängst vorgestellten vierzylindrigen BMW X5 xDrive40e. Aufgeklärte Käufer muss man nicht darauf hinweisen, dass der für ein Fahrzeug dieser Klasse sensationell anmutende Normverbrauch von 3,3 l/100 km der theoretischen Berechnung nach ECE-Norm R 101 entspringt und mehr der Vergleichbarkeit als der Wiedergabe des realen Verbrauchs dient. Eine wirklich sparsame Antriebsform, nämlich Vierzylinder-Diesel plus Hybrid, hält Mercedes weiterhin nur in E- und S-Klasse bereit - dann aber ohne Plug-in-Option.

Ebenfalls erstmalig im Einsatz bei einem Mercedes Full-Size SUV ist eine Variante mit Heckantrieb, die ausschließlich als Vierzylinder-Diesel GLE 250 d erhältlich ist und mit einer Leistung von 204 PS und 500 Nm Drehmoment aufwartet. Hierfür gibt Mercedes einen Normverbrauch von 5,4 l/100 km an, die Ersparnis zum Allrad-Vorgänger liegt bei gerade einmal 0,4 Litern. Optional lässt sich dieser Motor auch künftig mit 4MATIC verbinden.
Diesel mit neuer 9-Gang Automatik
Wer einen Selbstzünder mit mehr Leistung bevorzugt und ohnehin nichts von nur einer angetriebenen Achse bei einem SUV hält, greift zum GLE 350 d 4MATIC mit sechs Zylindern, der weiterhin 258 PS leistet und 620 Nm auf die Kurbelwelle wuchtet. Dabei kommt das Triebwerk dank verschiedener Optimierungsmaßnahmen mit 6,4 statt 6,8 Liter Normverbrauch aus. Weiterhin nennenswert ist die fortan serienmäßige Kombination aller Dieselmotoren mit dem 9-Gang-Automatikgetriebe, welches auf Wunsch auch eine Geländeuntersetzung und Zentralsperre bereitstellen kann.
Stärkerer V8-Biturbo und zwei AMG-Versionen
Auf Benziner-Seite stehen dem Kunden nach wie vor der V6-Biturbo im GLE 400 4MATIC sowie der V8-Biturbo im GLE 500 4MATIC zur Auswahl. Während der Sechszylinder unverändert 333 PS leistet und 480 Nm liefert, wurde der V8 auf 435 PS und 700 Nm optimiert. Darüber hinaus darf in diesem Segment die Über-Version mit Power satt nicht fehlen, bei Mercedes unter dem Kürzel AMG geführt. Künftig sogar zwei Modelle (AMG GLE 63 4MATIC und AMG GLE 63 S 4MATIC) - beide basierend auf dem 5,5-Liter V8-Biturbo-Aggregat - treten die Beweisführung an, dass sich sportliches Fahren und SUV nicht zwingend ausschließen müssen - idealerweise eine Ölraffinerie im Familienbesitz vorausgesetzt. Mit Werten von 557 bzw. 585 PS beschleunigt die schwere Fuhre in 4,3 bzw. 4,2 Sekunden auf Landstraßentempo und lässt sich bei optionaler Anhebung der Vmax-Begrenzung auch zu Geschwindigkeiten von bis zu 280 km/h überreden.
Intelligent vernetzte Fahrprogramme
Dass mechanische und elektronische Komponenten zur Optimierung und Individualisierung des Fahrerlebnisses immer stärker ineinander greifen, wird an der Vielfältigkeit der bei Mercedes "DYNAMIC SELECT" genannten Fahrprogramme deutlich. Dabei wurden die gängigen Optionen Individual, Comfort, Glätte und Sport abhängig von Modell und Ausstattung um die Programme Offroad, Offroad+ und Sport+ ergänzt, die ein optimales Zusammenspiel von Regelsystemen, Getriebeoptionen und Fahrwerkskomponenten wie z.B. die optionale Geländeuntersetzung oder die Luftfederung AIRMATIC mit einer Bodenfreiheit bis zu 285 mm gewährleisten sollen. Noch mehr Möglichkeiten für Komfort und Fahrdynamik bietet in diesem Zusammenhang die neue Zusatzausstattung "ACTIVE CURVE SYSTEM" zur Verringerung von Wankbewegungen des Fahrzeugs. Bei Ausrüstung mit einer Anhängevorrichtung (im GLE nun elektrisch ein- und ausfahrbar) wird der bis zu 3,5 Tonnen schwere Anhänger ebenfalls per Regelsystem mit stabilisiert.
Größere Infotainment-Bildschirme
Im Innenraum freut sich der GLE-Besitzer über ein neu gestaltetes Lenkrad mit nunmehr drei Speichen und den deutlich vergrößerten, nach aktueller Mercedes-Manier teilintegrierten Infotainment-Bildschirm im Tablet-Look. Dazu passend ist als optionale Ergänzung zum COMAND-Controller ein Touchpad in der Mittelkonsole angeordnet. Die Fahrdaten werden jedoch weiterhin mittels zwei röhrenförmiger Instrumente klassischer Bauart abgelesen - die Einführung aktiver Bildschirme dürfte erst mit dem komplett neu entwickelten Nachfolger kommen. Neue Innenraumfarben und Zierelemente in Aluminium und Holz sollen die Hochwertigkeit des großen SUV unterstreichen.
Erweiterte Serienausstattung, moderne Assistenzsysteme
Mit Einführung des GLE erweitert Mercedes die Serienausstattung der Baureihe um einen Seitenwind- und einen Kollisionsverhinderungsassistenten. Darüber hinaus kommt der Fahrer ab Werk in den Genuss des "DYNAMIC SELECT"-Controllers in der Mittelkonsole und des Infotainmentsystems Audio 20 CD mit 7-Zoll-Bidschirm. In Sachen Fahrassistenz und Sicherheit bietet der GLE gegen Aufpreis alles, was man von einem Premium-SUV erwartet, angefangen beim Abstandsassistenten mit Stop&Go-Funktion über Kreuzungs-, Totwinkel- und Spurhalteassistent bis zum Parkassistent mit 360°-Kamerafunktion. Dazu kommen das LED Intelligent Light System und das vom SL bekannte beheizte Scheibenwischsystem MAGIC VISION CONTROL. Der Infotainment-Bildschirm lässt sich als COMAND online auf 8 Zoll upgraden und durch Fond-Entertainment, TV-Tuner und Soundsysteme ergänzen. Mit Mercedes CONNECT ME bekommt der Fahrer Zugriff auf Online-Dienste und Echtzeit-Verkehrsinformationen.
Mehr K(l)asse – weniger Klasse
Mit der Überarbeitung hat Mercedes seinem großen SUV, das längst nicht mehr unangefochtener Marktführer ist, einerseits die Klasse genommen (im Namen nämlich), andererseits aber optisch und vor allem technisch an Klasse gewonnen. Über Preise und Einführungstermine schweigt sich Mercedes noch aus. Wir gehen von im Vergleich zu bisher (56.200-110.200 Euro) leicht steigenden Tarifen aus, sieht man einmal von der Nicht-Allrad-Variante ab, die den Einstieg minimal erleichtern könnte. Wem das zu teuer ist, greift zum GLC, der ebenfalls noch dieses Jahr anrollen wird.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 30.03.2015  —  # 11391
text Wolfgang Schultz
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB