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Samstag, 21. Oktober 2017,
Mehr Erfolg Wagen: Flaggschiff wird größer, moderner und schöner

Der große Wagen: Das ist der neue Škoda Superb

Nach etlichen Appetithäppchen hat Škoda am Montag Abend in Prag den neuen Superb präsentiert. Nochmals gewachsen und deutlich modernisiert in Sachen Antrieb, Assistenzsysteme und Vernetzung greift das Flaggschiff der Marke nach höheren Gefilden. Vor allem aber das Design gefällt, das Auto wirkt insgesamt – superb.
Škoda
Schöner, sparsamer, moderner und größer:
Die dritte Generation des Škoda Superb steht vor dem Start
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Der erste (neuzeitliche) Škoda Superb war kaum mehr als ein umgelabelter Passat und ein Geheimtipp, der zweite ein gestreckter Octavia und schon ein sehr feines Auto. Nun rollt die dritte Generation an, die wieder auf dem Passat aufbaut und sich wie dieser aus der Mittelklasse in die Obere Mittelklasse bewegt.

Auch größentechnisch passt diese Klassifizierung: Mit 4,86 Metern Länge (+ zwei Zentimeter) und gut 1,86 Meter Breite (plus 5 Zentimeter) liegt der Superb auf dem Niveau einer E-Klasse, eines 5er-BMW oder Audi A6. Der Radstand wächst überproportional um acht Zentimeter, entsprechend verringert sich der vordere Überhang. In Sachen Platzangebot legt er noch eine Schippe drauf, und zwar sowohl gegenüber den genannten Wettbewerbern, die aufgrund der Längsmotor-Bauweise insoweit nicht mithalten können, und auch gegenüber dem Vorgänger, der bereits als Maßstab galt.

Sowohl die Ellenbogenbreite als auch die Kopffreiheit wurden nochmals verbessert, und das teilweise deutlich. Geradezu "fürstlich" sind die Platzverhältnisse im Fond mit 157 mm Kniefreiheit. "Das ist rund doppelt so viel wie beim nächstbesten Wettbewerber", schwärmt Škoda. Auch die Kopffreiheit hinten stellt den Bestwert im Segment dar, und das Kofferraumvolumen ebenso: 625 Liter, das sind 30 Liter mehr als bisher, kann der Superb einladen. Da kommt nicht einmal eine Mercedes S-Klasse annähernd heran.
Viele neue Assistenten
Doch mit dem Raumgewinn ist der Fortschritt nicht beendet, denn natürlich bedient sich der Superb technisch im Regal des VW-Konzerns, und das etwa im Vergleich zum Passat fast uneingeschränkt. So finden sich nun in der Ausstattungsliste auch Dinge wie die adaptive Fahrwerksregelung "Dynamic Chassis Control" (DCC) inklusive Fahrprofilauswahl "Driving Mode Select", die Dreizonen-Klimaautomatik, belüftete Sitze, der Parkassistent in der neuesten Ausführung, eine Rückfahrkamera, der Abstandstempomat ACC, die elektrische Heckklappe mit Fußsensor, die Verkehrszeichenerkennung sowie Spurhalte-, Notfall-, Toter-Winkel-, Auspark-, Stau- und Fernlicht-Assistent.

Serienmäßig zum Einsatz kommen die Müdigkeitserkennung, die elektrische Handbremse, die Multikollisionsbremse, die Differentialsperre XDS+ und auch Front Assist mit City-Notbremsfunktion. Außer im Basismodell gibt es auch den Geschwindigkeitsbegrenzer ohne Aufpreis. Neu bei der Limousine ist das optionale Panorama-Glasdach. Einen Abstand zum Passat hält der Superb bei den Scheinwerfern: LED-Technik gibt es nur für das Tagfahrlicht, ansonsten besteht die Wahl zwischen Halogenfunzeln und adaptiv arbeitenden Xenon-Brennern. Die Rückleuchten sind erstmals bei Škoda stets in LED-Technik ausgeführt.
Endlich moderne Navis
In Sachen Multimedia bedient sich der Superb beim aktuellen Infotainment-Baukasten zweiter Generation (MIB2), wie er auch im Passat und demnächst im Golf zum Einsatz kommt. Anstelle der trägen und schlecht bedienbaren Navis treten also die neuen Gerät mit größeren Displays, Annäherungssteuerung und vielen weiteren Funktionen. Vier Ausbaustufen stehen zur Wahl, im Topgerät bekommen Kunden auch LTE-Internetzugang, W-LAN-Hotspot und Handy-App für die Steuerung vom Fond. Die sogenannte Smart-Link-Funktion bringt Handy-Inhalte auf den Fahrzeugmonitor, sie deckt dabei die Standards MirrorLink, Apple CarPlay und Android Auto gleichermaßen ab. "SmartGate" erlaubt die Übertragung von Fahrzeugdaten ans Handy.
Drei Diesel und fünf Benziner
Das Motorenprogramm entspricht ebenfalls weitgehend dem Wolfsburger Schwestermodell, das lediglich den 240-PS-Topdiesel exklusiv für sich behält. Alle Superb sind nun mit Start-Stopp-System und Rekuperation ausgerüstet. Zusammen mit einem um bis zu 75 Kilo gesenkten Fahrzeuggewicht, der optimierten Aerodynamik und der Umstellung auf die neuesten EU6-konformen Motoren ergibt sich ein Verbrauchsrückgang nach der Norm um bis zu 30 Prozent.

Der Basis-Diesel leistet 120 PS aus 1,6 Litern Hubraum, die Zweiliter-Pendants kommen auf 150 und 190 PS, womit alle Kunden ein Leistungsplus (bisher: 105, 140 und 170 PS) erhalten. Der Normverbrauch liegt je nach Variante zwischen 3,7 und 5,0 Litern (4,3-5,7). Wer einen Benziner bevorzugt, kann wählen zwischen dem 1,4 TSI mit 125 PS oder 150 PS, dem 1,8 TSI mit 180 PS und dem 2,0 TSI mit 220 PS. Anstelle des Sechszylinders tritt anders als im Passat eine 280 PS starke Version des 2,0 TSI. Alle Varianten bis auf den Basis-Benziner sind mit DSG zu haben, vier Allrad-Versionen stehen ab dem Start bereit.
Zeitlos und elegant im Design
Zuletzt noch ein Blick aufs Design. Wer erwartet hatte, dass Škoda sich insoweit stark an der Studie VisionC orientieren würde, wird enttäuscht sein, auch wenn der Hersteller sich redlich bemüht, den gegenteiligen Eindruck zu erwecken. Alle anderen Škoda-Fans dürfen sich freuen, denn der Superb sieht jedenfalls auf den ersten Fotos sehr gelungen aus. Ein großer Wagen, der markanter, eckiger, entschlossener und mit besseren Proportionen daherkommt als der für sich genommen schon gute Vorgänger, der in Details wie der seitlichen Tornadolinie oder den Lüftungsgittern im Interieur besser wirkt als der Passat, und der es trotz seiner Größe vermag, nicht protzig zu wirken.

Der neue Superb revolutioniere das Design der Marke, heißt es bei Škoda, aber tatsächlich tut er genau das nicht, und das ist auch gut so. Jozef Kaban, der namentlich kaum bekannte Chefdesigner der Marke, hat ein Auto gezeichnet, das mit seiner schlichten Eleganz hervorragend zu Škoda passt, das auch das VW-Logo oder die Audi-Ringe tragen könnte, das den Spagat zwischen erwünschter optischer Präsenz und dem Verzicht auf Unaufdringlichkeit mühelos meistert.
Simply clever – mehr und weniger
Nach alledem scheint uns der Superb mehr als nur "Simply clever" zu sein, wie es der Markenclaim vorgibt. 29 solcher cleverer Lösungen haben die Škoda-PR-Leute gezählt, erwähnenswert sind etwa die extra Fächer für Warnwesten in allen Türen, Staufächer und Halterungen für Tablets, Netze an den Innenseiten der Vordersitzlehnen und ein umklappbarer Beifahrersitz. Erwähnenswert ist freilich auch, dass Škoda das cleverste Detail des Vorgängers abgeschafft, sozusagen simplifiziert, hat: Die konventionell oder inklusive der Scheibe öffnende Heckklappe ist dem Sparzwang wirtschaftlicher und gewichtsbezogener Art zum Opfer gefallen. Als kleine Entschädigung lassen sich die Rücksitzlehnen nun auch vom Kofferraum aus umlegen.

700.000 Superb hat Škoda bisher verkauft, und vorauszusagen, dass die Kurve künftig steiler steigen wird als bisher, ist kein Hexenwerk. Das Auto ist genau das, was Škoda eigentlich nicht sein will: Premium. Bleiben am Schluss drei Fragen, die allesamt vorerst nur annäherungsweise zu beantworten sind: Wird die erste Ausfahrt so superb wie angenommen? (Vermutlich.) Wie ist der Preisabstand zum Passat? (Ungefähr wie bisher.) Und wann kommt der Kombi alias Combi? (Zur IAA im September, erste Bilder etwa im Juli).
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 18.02.2015  —  # 11349
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB