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Samstag, 23. September 2017,
Topmodell mit 911-Komponenten / Kein Turbo, kein Allrad, keine Doppelkupplung

Porsche Cayman GT4: Ein echter Sportwagen

Mit Nischenmodellen kennt sich Porsche so gut aus wie kaum ein anderer, aber selten schien ein solches so gut gelungen wie das neueste: Der Cayman GT4 ist so nah am Elfer wie nie – vor allem aber bietet er eine verheißungsvolle Mischung aus jenen klassischen Zutaten, die auch bei Porsche mehr oder weniger den Rückzug antreten.
Porsche
Kein Turbo, kein Allrad, keine Doppelkupplung, keine aberwitzigen Rekorde:
Der neue Porsche Cayman GT4 ist die Blaupause eines klassischen Sportwagens
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Sieben Minuten und vierzig - so schnell umrundet der GT4 den Nürburgring, lässt sich dabei höchstens von Superboliden überholen und verspricht vor allem jede Menge Fahrspaß. GT4, das ist das neue Topmodell der Cayman-Baureihe von Porsche, ein echter Sportwagen, entwickelt in Weissach.

Der GT4 bedient sich so schamlos wie nie zuvor bei der Elfer-Baureihe, und dass das nicht die schlechteste Referenz ist, muss man nicht weiter thematisieren. So sorgt der Motor aus dem 911 Carrera S für Vortrieb, ein Sechszylinder-Boxer vom alten Schlage, der seine Kraft (noch) aus den 3,8 Litern Hubraum und der Drehzahl (7.400/min. bei Nennleistung) holt und nicht von einem Turbolader. Dass er im Cayman 385 statt 400 PS leistet, hat das Marketing zu verantworten, ist aber in der Praxis irrelevant, und das nicht nur, weil der GT4 sich und seinen Fahrer in 4,4 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert und dabei jedenfalls in der Theorie der Datenblätter dem Carrera S (4,5 s) noch davonfahren könnte. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 295 km/h und damit etwas unterhalb des S, der mit 304 km/h eingetragen ist. Auch beim Verbrauch ist der GT4 mit 10,3 Litern überraschenderweise schlechter als der S.

Hey, was kümmert einen GT4-Interessenten der Verbrauch, zumal der Normverbrauch? Eben. Aber es gibt Dinge, die ihn interessieren werden - und aufhorchen lassen: Das Cayman-Topmodell setzt nicht nur auf Freiheit vom Turbo, sondern auch auf die vom PDK. Montiert ist stets ein manuelles Getriebe - sechs Gang, nicht sieben wie im 911. Kombiniert wird das mit Heckantrieb, und wer das keine klassisch-schöne Kombination findet, hält vermutlich auch einen Toyota Auris für ein schönen Wagen. Das Fahrwerk mit 30 Millimeter Tieferlegung der Karosserie sowie die markentypisch standfeste Bremsanlage bestehen nahezu komplett aus Komponenten des 911 GT3, erklärt Porsche. Das kannte man so bisher nicht.

Äußerlich unterscheidet sich der Cayman GT4 von seinen Brüdern, jedenfalls für das geschulte Auge von Porsche-Fans. Drei markante Eintrittsöffnungen im Bug und der große, feststehende Heckflügel sind Teil eines Aerodynamikpakets, das konsequent auf Abtrieb ausgelegt ist. Fahrer und Beifahrer sitzen auf den Sportsitzen Plus mit Leder-/Alcantara-Bezug und blicken auf diverse exklusive Details. Die auffälligsten sind die Türöffner: Statt eines Griffs montiert Porsche Schlaufen aus Gurtband - weil es leichter ist, aber natürlich auch, weil es so cool aussieht, vor allem in gelb. Dennoch geht der GT4 einen nicht ganz so kompromisslos-puristischen Weg wie der 2010 eingeführte Cayman R, der sogar auf Radio und Klimaanlage verzichtete, um Kilos zu sparen und Purismus zu versprühen - und doch deutlich langsamer war als es die 55 Minder-PS vermuten lassen.

Auf Wunsch kann der Cayman GT4 noch umfassender auf den sportlichen Einsatz ausgerüstet werden. Als Optionen stehen unter anderem die Keramikbremsanlage PCCB, CfK-Vollschalensitze, ein spezifisches Sport Chrono-Paket sowie ein Clubsport-Paket mit 6-Punkt-Gurt, Batterietrennschalter, Feuerlöscher und Überrollkäfig zur Wahl. Überrollkäfig? Vier von fünf GT-Kunden, erklärt Porsche, bewegen ihr Auto tatsächlich auch auf Rennstrecken. Dort gilt noch mehr als sonst: Wer zu schnell fährt, fliegt raus.

Zum Abkühlen noch schnell ein Blick in die Preisliste. Mindestens 85.776 Euro kostet der Spaß, 12.000 mehr als der Cayman GTS. Natürlich wird es dabei meist nicht bleiben, 100.000 sind realistisch. Die Gewissheit, auch damit immer noch mehr als 60 Tankfüllungen günstiger zu sein als ein 911 Carrera S, gibts als kostenlose Dreingabe.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 06.02.2015  —  # 11334
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB