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Freitag, 15. Dezember 2017,
SUV mit leichten Designretuschen und optimierten V6-TDI

Facelift VW Touareg: Erste Infos, erste Bilder

Volkswagen
Facelift für den
VW Touareg
Volkswagen überarbeitet sein vielleicht schönstes und begehrenswertestes Modell: Der Touareg zeigt sich auf der Automesse in China für die zweite Lebenshälfte mit leichten Designretuschen, teilweise optimierter Effizienz und neuen Details. Insgesamt sind die Änderungen überschaubar – glücklicherweise und leider.
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Der "neue" Touareg gibt sich laut Hersteller an einem "komplett neu entwickelten" Frontpartiedesign zu erkennen. VW-Fans dürfen aber aufatmen, denn das ist reine Marketing-Prosa. Tatsächlich fährt das große SUV jetzt mit einem veränderten Grill vor, der vier statt zwei Streben aufweist - ein beliebtes Facelift-Merkmal, auch in umgekehrter Richtung.

Die untere Chromlamelle wurde optisch bis in die Scheinwerfer hinein verlängert, was aber zumindest den ersten Fotos nach zu urteilen viel stimmiger gelungen ist als beim Golf VII. Die Scheinwerfer wurden im Zuge der Operation ihres kleinen Knicks im inneren unteren Bereich beraubt, was aber kaum auffällt. Sie sind nun endlich variantenübergreifend serienmäßig mit BI-Xenon-Technik ausgestattet - Voll-LED-Einheiten wird VW offenbar nicht anbieten, obschon diese neuerdings sogar im Polo bestellbar sind. Das Design des Tagfahrlichts ist noch nicht erkennbar, dürfte aber mutmaßlich eher schlechter als bisher ausfallen, nimmt man den Golf hier als Maßstab.

Die Frontschürze zeigt sich ebenfalls modifiziert, setzt durch ein A- statt V-Design auf mehr Breitenwirkung und eine tief liegende Chromeinlage, die sich am noch aktuellen Passat orientiert, aber (bei den V6-Dieseln) nur mit einem optionalen Paket geliefert wird. Die Nebelscheinwerfer sind nochmals verkleinert, tragen aber offenbar weiterhin eine Glühlampe statt einer LED. Die Seitenlinie bleibt abgesehen von fünf neuen Karosseriefarben und Räderdesigns sowie einer zusätzlichen Glasvariante für den Fond, die das Licht zu 90 Prozent absorbiert und von außen nach innen nahezu undurchsichtig ist, unangetastet, und auch am Heck sind die Neuerungen überschaubarer Natur.

Ausschließlich Touareg-Kenner dürften die leicht modifizierte Heckschürze mit neu gezeichnetem Diffusor und vergrößerten Rückstrahlern, die jetzt auch die LED-Nebelschlussleuchten aufnehmen, bemerken. Das, was VW als "geschärfte Charakterlinie zwischen den Rückleuchten" bezeichnet, ist auf den Bildern nicht erkennbar. Lediglich die minimal in die seitliche Heckschürze verlängerte Linie oberhalb des Nummernschildeinsatzes fällt auf. Die Leuchten selbst sind weiterhin nur optional mit LEDs bestückt - unglaublich, wo manch Kleinwagen es schon besser kann.

Im immer schon höchst feinen Touareg-Interieur beschränken sich die Änderungen auf eine nun weiße statt rote Beleuchtung, modifizierte Drehsteller, eigene Tasten für Lenkrad- und Frontscheibenheizung, eine manuelle Lordoseneinstellung für die Basissitze und zusätzliche Chromapplikationen. Erweitert wurde darüber hinaus das Spektrum der Bezugsstoffe und Holzapplikationen.

Optimiert wurde das serienmäßige Stahlfeder-Fahrwerk, das noch agiler und komfortabler sein soll, aber die meisten Kunden dürften sowieso die Luftfederung wählen. Die automatische Distanzregelung ACC mit Front Assist inklusive City-Notbremsfunktion hat VW um die Stop-and-Go-Funktion erweitert, ausschließlich die V6-TDI bekommen die Multikollisionsbremse und die Segelfunktion für die 8-Gang-Automatik.

Sinn der Übung ist zusammen mit Aerodynamik-Feinschliff an Front, Heck, Radspoilern und Außenspiegelkappen sowie rollwiderstandsoptimierten Reifen, einer bereits ab 7 km/h aktiven Start-Stopp-Automatik und einer Reibungsreduktion im Getriebe natürlich eine Effizienzverbesserung, die zumindest auf dem Papier auch gelungen ist: Der V6 TDI mit 204 PS steht fortan mit 6,6 statt 7,0 Litern Normverbrauch im Datenblatt, die stärkere Variante mit jetzt 258 statt 245 PS verbessert sich in gleichem Umfang auf 6,8 Liter.

Die zwei V6 TDI erfüllen künftig die EU6-Abgasnorm. Im Zuge der Umstellung werden beide Motoren mit einem neuen SCR-DPF-Katalysatormodul, einem SCR-Dosiermodul (AdBlue) und einem zusätzlichen Sperrkat (eliminiert überschüssiges Ammoniak) ausgestattet; darüber hinaus verfügt die Abgasreinigungsanlage über einen Oxidationskatalysator. Enttäuschend: Der V8 TDI mit 340 PS und der Hybrid-Benziner mit 380 PS Systemleistung bleiben unverändert, einen Hybrid-freien Benziner gibt es nach wie vor nur außerhalb Europas.

Ausstattungsseitig hat VW abgesehen vom Xenon-Licht keine Geschenke parat, nicht einmal Kleinigkeiten wie 18-Zoll-Räder, Keyless Access, Seitenairbags hinten, Sitzheizung, Freisprecheinrichtung oder Netztrennwand. Auch die Navigationssysteme bleiben unverändert und sind damit jedenfalls teilweise schlechter als jene in Polo und Golf. In Verbindung mit dem "großen" Navi RNS 850 will VW ab Herbst in Europa Google-Dienste wie POI-Suche, Earth-Kartendarstellung und Street View sowie eine Online-Verkehrsinformation zur Verfügung stellen.

Fazit: Wer befürchtet hatte, VW würde das gelungene Design des Touareg im Zuge des Facelifts eher verschlechtern als verbessern, darf aufatmen. Antriebsseitig und in Sachen Multimedia allerdings sind die Änderungen geringer als vielleicht erhofft. Und auch ein günstigeres Vierzylinder-Modell gibt es weiterhin nicht, schon weil der entsprechende 2,0 TDI noch immer nicht serienreif ist. Dem Touareg-Image mag das gut tun, manch potentiellen Tiguan- oder Passat-Aufsteiger aber enttäuschen. Zudem vergibt VW so untypischerweise die Chance, es in Sachen Verbrauch mit der Konkurrenz aufzunehmen.

Die Markteinführung des Facelift-Touareg ist für Sommer angekündigt, die R-Line-Pakete werden kurz darauf folgen. Bei den Preisen dürfte sich nicht viel bewegen.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 17.04.2014  —  # 11016
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB