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Freitag, 20. Oktober 2017,
Mini-SUV auf Clio-Basis / Premiere in Genf

Renault Captur: Clio Crossover

Renault
Premiere in Genf:
Renault Captur
Nur wenige Tage nach der Präsentation des neuen Kleinwagen-SUVs von Peugeot zeigt jetzt der landeseigene Mitbewerber seine Interpretation des Themas. Erste Bilder des Renault Captur zeigen ein kleines, zweifarbiges Auto, das nichts mit der gleichnamigen Studie zu tun hat – erfreulicherweise.
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Frage: Was ist ein "urbanes Crossover-Modell"? Antwort: So etwas wie der Renault Captur. Das Auto vereine "ausdrucksstarkes SUV-Design, die praktischen Vorzüge moderner Vans und den Fahrkomfort einer Kompaktlimousine zu einer vollkommen neuen Fahrzeuggattung", fabulieren die Franzosen. Anders gesprochen: Nach den großen und kompakten SUV sagen die Marktforscher nun Kleinwagen mit SUV-Anmutung große Zuwächse voraus, also wollen sich viele Hersteller ihr Stück vom Kuchen sichern.

Die Umsetzung ist nicht allzu schwierig. Wie der Peugeot 2008 die höhergelegte und verlängerte Variante des Kleinwagens 208 ist, handelt es sich beim Captur um einen Ableger des aktuellen Clio. Beide basieren auf der neuen B-Plattform des Konzerns, beide wurden vom neuen Chefdesigner Laurens van den Acker gezeichnet, und beide erhalten die gleichen Motoren, die jeweils ausschließlich die Vorderachse antreiben.

Optisch habe man sich von der vor knapp zwei Jahren präsentierten, gleichnamigen Studie inspirieren lassen, heißt es bei Renault, aber das sollte man nicht für bare Münze nehmen. Beide Modelle haben abgesehen von der orangefarbenen Lackierung des Fotomodells sowohl äußerlich als auch konzeptionell ungefähr gar keine Gemeinsamkeiten, und das ist nicht als Kritik am Serien-Captur zu verstehen: Der nämlich gibt sich nicht nur wesentlich praxistauglicher, sondern auch ansehnlicher als das Concept Car, dessen Zweck einzig und allein die Schaffung von Aufmerksamkeit war.

So kommt der Renault Captur nun also mit vier konventionellen Türen und einer Heckklappe daher, die sich auf nur 4,12 Meter Länge zu einem grundsätzlich unspektakulären, aber ansehnlichen Design verdichten. Auffälligstes Merkmal ist die Kontrastlackierung, die nicht nur das Dach selbst, sondern auch A-Säulen, Dachkanten, Heckspoiler und Außenspiegelgehäuse umfasst und die im Bereich der C-Säule in einer markanten, geraden, nach schräg oben reichenden Linie das dritte Seitenfenster verlängert. Weitere Akzente setzen der mächtige Captur-Schriftzug auf der Heckklappe und große Einsätze aus schwarzem Kunststoff und Chrom unten in den Türen, von denen man eigentlich schreiben müsste, sie sollten hohe Bodenfreiheit und mithin Geländetauglichkeit vortäuschen, wenn sie nicht auch am normalen Clio in ganz ähnlicher Ausführung zu finden wären.

Premiere feiert der Captur auf dem Genfer Salon im März; erst im Zuge dieser wird es auch weitere Daten und Details geben. Die Markteinführung dürfte im Sommer stattfinden, und dann wird es spannend zu beobachten sein, ob Captur oder 2008 das französische Mini-SUV-Duell für sich entscheiden können. Wir tippen, unabhängig von der Produktgüte, auf den Captur. Und Kunden, die sich weder mit dem "normalen" Clio noch dem Captur anfreunden können, versorgt Renault wie berichtet auch wieder mit einem Clio Kombi, der künftig keine Peugeot-Konkurrenz mehr hat. Aber auch der Captur löst ein Modell ab: Der Renault Modus, dem wir mehr Erfolg gewünscht hätten, steht vor dem Aus. Kleine SUVs sind in, kleine Vans nicht, obwohl sie letztlich auch (nicht weniger) urban und crossover sind.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 11.01.2013  —  # 10433
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB