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Mittwoch, 18. Oktober 2017,
Studenten entwickeln nachrüstbares Sicherheitssystem mit Diebstahlschutz

Bremsassistent und Tempobegrenzer für Kinderwagen

Studierende der TU Darmstadt haben ein Sicherheitssystem für Kinderwagen entwickelt, das den Wagen bei unerwünschten Bewegungen automatisch zum Stehen bringt. Zudem kann das System als Geschwindigkeitsbegrenzer und Diebstahlschutz eingesetzt werden.
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Selbst teure Kinderwagen sind technisch gesehen oft erstaunlich unausgereift und unsicher. Dies gilt beispielhaft für wackelige Griffe, fehlende Beleuchtung und oft sogar fehlende Reflektoren, aber auch in Sachen Bremse, die zu schwach, nicht dauerhaltbar und/oder selbst von Erwachsenen nur schwer bedienbar ist.

Das unbemerkte Wegrollen eines Kinderwagens gehört wohl zu den Alptraum-Vorstellungen der meisten Eltern. Damit Kinderwagen künftig auch bei gelöster Handbremse nicht mehr wegrollen können, haben die Studierenden Ye Ji Park, Simone Rudolph, Johanes Bilz und Tobias Fritzsche vom Fachbereich Elektro- und Informationstechnik der TU Darmstadt ein Sicherheitssystem entwickelt. Das elektronische Bremssystem überwacht die Fahrsituationen des Kinderwagens und schreitet bei potentiell gefährlichen Situationen automatisch ein.

Damit das Bremssystem sowohl intuitiv und einfach zu bedienen ist als auch die alltägliche Benutzung nicht einschränkt, bewertet die Elektronik ständig die aktuelle Fahrsituation: Das System überwacht die Geschwindigkeit des Wagens und prüft, ob in der Nähe des Griffs eine Person erkannt wird. Der Kinderwagen wird automatisch gestoppt, sobald sich für einen bestimmten Zeitraum keine Person in Griffnähe befindet und der Wagen sich trotzdem in einer gewissen Geschwindigkeit bewegt.

Der Bremsimpuls ist abhängig von der Geschwindigkeit des Wagens und dem Zeitraum, in dem der Griff nicht berührt wird, erklärt Fritzsche, der im achten Semester Elektro- und Informationstechnik am Institut für Elektromechanische Konstruktionen studiert. "So vermeiden wir beispielsweise Unfälle, bei denen der Kinderwagen aus dem Stand ins Rollen kommt. Gleichzeitig bleibt es weiterhin möglich, dem Kinderwagen etwas Schwung zu geben, die Hände kurz von den Griffen zu lösen und den Wagen ein Stück des Weges alleine rollen zu lassen."

Darüber hinaus lässt sich das Sicherheitssystem als Geschwindigkeitsbegrenzer einsetzen. Dank der einstellbaren Höchstgeschwindigkeit wird der Kinderwagen auch bergab nie zu schnell. Komplettiert wird die Idee durch ein optionales Bluetooth-Modul, das das Bewegen des Kinderwagens nur erlaubt, wenn sich ein weiteres autorisiertes Bluetooth-Gerät, etwa das Smartphone der Besitzer, in der Nähe des Kinderwagens befindet - versuchen andere Personen den Wagen zu bewegen, bleiben die Reifen blockiert.

Das System soll sich den Angaben zufolge sogar nachrüsten lassen, was angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Bremskonstruktionen auf dem Kinderwagen-Markt erstaunlich wirkt. Die Herstellungskosten für den Prototyp ihres Systems beziffern die Studierenden auf rund 140 Euro sowie zusätzlich rund 40 Euro für das optionale Bluetooth-Modul; in der Serienfertigung dürfte das System jedoch deutlich günstiger werden. Einem ersten Kinderwagenhersteller haben die Studierenden ihre Entwicklung bereits vorgestellt.

Mit ihrem nachrüstbaren Sicherheitssystem erreichten die 22- bis 24-jährigen Studierenden am vergangenen Freitag den ersten Platz beim bundesweiten COSIMA-Wettbewerb. COSIMA (Competition of Students in Microsystems Applications) ist ein Wettbewerb für Studierende, um Einsatzmöglichkeiten von Mikrosystemen in verschiedensten Bereichen des täglichen Lebens zu finden. Träger sind der Verband für Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 19.11.2012  —  # 10364
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB