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Montag, 18. Dezember 2017,
Neun Prozent mehr Verkehrstote 2011 / Zahlen und Tendenzen in der Übersicht

Unfallstatistik Dezember 2011: Miserables Jahr endet verheerend

Unfallstatistik Dezember 2011: Miserables Jahr endet verheerend
101 Prozent mehr FF Gersthofen/Winkler
Verkehrstote im Dezember 2011
Erstmals seit der Wiedervereinigung vor 20 Jahren ist die Zahl der Getöteten und Verletzten im Jahr 2011 wieder angestiegen – kräftig angestiegen. Die Zahlen sind höchst unerfreulich, und das Wetter als eine Ursache nur ein kleiner Trost. Die Dezember-Bilanz ist geradezu verheerend.
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3.991 Menschen starben im Jahr 2011 bei Verkehrsunfällen in Deutschland. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen am Freitag in Wiesbaden weiter mitteilt, waren dies 343 Verkehrstote oder 9,4 Prozent mehr als im Jahr 2010. Damit ist die Zahl der Todesopfer im Jahr 2011 noch stärker gestiegen als sowieso erwartet - der schlechte Dezember ist die Ursache. Erste Schätzungen von Dezember 2011 waren von etwa sieben Prozent Plus ausgegangen. Die Zahl verletzten erhöhte sich 2011 gegenüber dem Vorjahr ebenfalls, und zwar um 5,5 Prozent auf rund 391.500.

Die Zahl der polizeilich aufgenommenen Unfälle nahm im vergangenen Jahr insgesamt ab und lag bei rund 2,3 Millionen (- 2,8 Prozent). Dieser Rückgang ist allerdings ausschließlich auf reine Sachschaden-Crashs zurückzuführen, deren Zahl sich um 4,0 Prozent auf 2,0 Millionen verringerte, während mit 305.700 Unfällen mit Personenschaden ein Anstieg um 6,0 Prozent unter dem Strich steht.

Wie bereits berichtet, waren die Witterungsbedingungen ein wesentlicher Grund für die negative Entwicklung bei den Verunglückten im Jahr 2011. Relativ milde Wintermonate, ein sehr warmer, trockener Frühling und ein vergleichsweise schöner Herbst haben zu mehr Getöteten und Verletzten geführt. Bei schönem Wetter wird mehr und tendenziell schneller gefahren, zudem sind mehr ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Fahrrad- und Motorradfahrer unterwegs.

In drei Viertel der Bundesländer gab es 2011 mehr Verkehrstote als im Vorjahr. Die prozentual stärkste Zunahme muss Hamburg verkraften (+ 54,5 Prozent oder 12 Personen), gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (+ 32,4 Prozent oder 35 Personen) und Thüringen (+ 25,0 Prozent entsprechend 30 Personen). Nur in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Brandenburg und im Saarland gab es weniger Verkehrstote zu beklagen.

Gemessen an der Einwohnerzahl war das Risiko, im Straßenverkehr zu sterben, in Mecklenburg-Vorpommern mit 87 Todesopfern je eine Million Einwohner am größten. Aber auch Sachsen-Anhalt (78) und Brandenburg (75) hatten wesentlich höhere Werte als der Bundesdurchschnitt, der im Jahr 2011 bei 49 Getöteten je eine Million Einwohner lag.

Noch ein Blick auf den Dezember 2011, der wie dargestellt wesentlich zum schlechten Gesamtjahresergebnis beigetragen hat: Nach vorläufigen Ergebnissen kamen 364 Menschen im Straßenverkehr ums Leben - mehr als doppelt so viele wie im Dezember 2010 (181). Dies war der höchste Wert in einem Dezember seit 2007. Die Zahl der Verletzten erhöhte sich um mehr als ein Drittel auf rund 31.400. Diese sehr hohen Zuwachsraten sind zum Teil darauf zurückzuführen, dass der Dezember 2010 durch den starken Wintereinbruch besonders günstig verlief. Insgesamt wurden wiederum weniger Unfälle als ein Jahr zuvor aktenkundig (- 12,9 Prozent auf 216.000). Während die Zahl der Unfälle mit Personenschaden um 38,9 Prozent auf etwa 24.300 zunahm, verringerte sich die Zahl der reinen Sachschaden-Crashs um 16,9 Prozent auf 191.600.
Grundsätze der Unfallstatistik
Zu beachten ist, dass es sich um vorläufige Zahlen handelt, die auf den von den Polizeibehörden tatsächlich gemeldeten Fällen und einer statistisch hochgerechneten Zahl an Nachmeldungen und Nachstreichungen basiert, so dass die oben genannten Zahlen nicht mit den etwa im Vorjahr für den gleichen Monat gemeldeten Werten vergleichbar sind; auch die errechnete Tendenz kann abweichen, da diese bei den Vorjahreszahlen die endgültige Höhe berücksichtigt. Nachträgliche Korrekturen nach unten gibt es ebenfalls, etwa weil sich herausstellt, dass der Unfall nicht auf einer öffentlichen Straße passierte oder der Beteiligte beispielsweise durch einen Herzinfarkt bereits kurz vor dem Crash gestorben war.

Die Statistik erfasst all jene Opfer, die bei Unfällen auf Deutschlands öffentlichen Straßen verunglückt sind, unabhängig von ihrer Nationalität. Deutsche Staatsbürger, die im Ausland ums Leben kamen, werden nicht erfasst. Verletzte, die innerhalb von dreißig Tagen nach dem Unfall sterben, werden als Verkehrstote registriert, nicht jedoch Suizid-Fälle.
Weiterempfehlen Leserbrief Autokiste folgen date 24.02.2012  —  # 9951
text Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB